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Gott und die Welt

CocoRosie
Rahjastan Roots/ Tez

Köln, Gloria
10.07.2012

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CocoRosie
Das letzte CocoRosie-Album "Grey Oceans" war noch nicht ganz kalt, da waren die Schwestern Casady gleich mit mehreren Nachfolge-Projekten am Start: Biancas Tanzstück "Nightshift - A Feeble Ballet" (das kein Tanztheater sein wollte), Sierras Pop-Oper "Soul Life", gemeinsame Konzerte mit den Rahjastan Roots, einer indischen Combo, die man bei einem Auftritt in Dubai kennengelernt hatte, "Die Achte Nacht" beim Donau-Festival und jetzt eine neue Single "Trinty's Crying", auf deren "B-Seite" Antony Hagerty als Gast-Sänger den Albumtitel "Tearz For Animals" in weiten Teilen neu definiert. Wohl um den Schwung nicht zu verlieren, gingen die Casadys jetzt mit den Rahjastan Roots und neuem Live-Konzept nochmals auf Tour, obwohl eine neue CD noch gar nicht ansteht.
Dennoch war das Gloria in Köln zwar nicht ausverkauft, aber doch gut gefüllt: Die Casadys haben heutzutage einen Status erreicht, der über das Obskuritätenkabinett der frühen Tage hinaus reicht. Wie schon auf "Grey Oceans", so gibt es auch auf der Bühne kein Spielzeug mehr. Was nicht heißt, dass die Schwestern vollkommen erwachsen geworden sind - aber die Richtung stimmt schon mal. Was diese Show von bisherigen CocoRosie-Konzerten unterschied, war der Umstand, dass alle Musiker am gleichen Strang zogen. So verzichtete Beatboxer Tez auf ein langwieriges Solo-Intro und auch die Rahjastan Roots erschienen als in die Show integrierter Teil. Abgesehen von einer kurzweiligen Passage, in der die Roots zusammen mit Tez indische Sufi-Songs, die den Namen Gottes verrieten und Percussion-Duelle präsentierten (während sich die Schwestern für den zweiten Teil des Sets umzogen), erschien die Show aus einem Guss. Der Verzicht auf das früher übliche Spielzeug und der Einsatz des schon von der CD bekannten Pianos als Leitinstrument verliehen den alten (mächtig aufgemopsten) wie den neuen (für das Live-Treatment deutlich körperlicher als auf CD in Szene gesetzten) Tracks zudem einen größeren emotionalen Punch wie der Franzose sagt.
Auch dass die Schwestern - wenn sie sich Mühe geben und zusammenarbeiten anstatt nebeneinander herzumachen - heutzutage richtig gut singen, schadet dem Unterfangen CocoRosie nicht wirklich. Mehr noch: Das klang zuweilen als wären Billie Holiday (pardon Bianca Casady) im Traum mit einer ätherischen Opern-Diva (bzw. Sierra Casady) kollidiert und hätten dabei ein Kind gemacht. Letztlich überzeugte auch das Setting: Neben Tez erschien noch ein Basser/Keyboarder auf der Bühne und ein Japaner, der irgendwas machte - manchmal Trompete spielen, manchmal Samples abrufen, manchmal Synthies malträtieren. Zusammen mit den Effektboxen der Schwestern, Sierras Harfe und Biancas Flötensammlung hätte das schon für genügend musikalischen Umsatz gesorgt - aber da waren ja noch die Rahjastan Roots. Diese darf man sich nicht als spirituelle Traditionalisten-Combo vorstellen, sondern als aufgeschlossenes Musikantenkollektiv, das - anders als viele okzidentale Musikanten - keine Mühe hatte, mit der westlichen Rhythmusästhetik zu flirten. Das mag auch an der unüblichen Besetzung liegen: Mit Sitztrommel, Castagnetten, E-Sitar, Esoterik-Glöckchen und Querflöte setzten die Inder durchaus weiterführende, interessante Akzente. Mehr noch: Alles wirkte sehr schön integriert und aufeinander abgestimmt - und das nicht nur, als sich Sierra ans Harmonium setzte um mit dem Flow zu jammen. So kann man Weltmusik auch verstehen. (Denn ansonsten artet der Versuch, die indische und die westliche Musik zusammenzuführen, ja oft genug in ein bloßes Nebeneinader aus.)

Apropos Nebeneinander: So richtig passen die Schwestern Casady performancetechnisch immer noch nicht zusammen: Während Sierra unermüdlich Ausdruck tanzt und singt, steht Bianca nach wie vor am liebsten im Dunkeln, gerne auch mit dem Rücken zum Auditorium und macht immer noch den Eindruck, als sei es sträflich, am Musizieren Spaß zu haben. Einen Fortschritt gab es aber auch hier zu vermelden: Zuweilen bewegte sich Sierra zu Bianca hin und animierte diese, zumindest mal ein paar Hip-Hop-Verrenkungen mitzumachen. Ein optisches Schmankerl hatten sich die Damen auch noch ausgedacht: Im Hintergrund wurden Videos auf die Bühne projiziert, auf denen sich mit weißer und schwarzer Asche beschmierte Models in Zeitlupe auf kunstvolle Art hinfallen ließen. Musikalisch zahlten sich die aktuellen Entwicklungen durchaus aus. Während die "Grey Oceans" ja eher auf Understatement setzt, wurden die Songs auf der Bühne mit wenig Aufwand sehr viel kompakter und mit mehr Bauch umgesetzt. Sowohl Klassiker wie "Werewolf" wie auch neues Material - wie die Single "Tearz For Animals" (in der Normalversion - nicht dem Antony-Treatment). Insgesamt verging die fast zweistündige Show wie im Fluge und zerstreute en passant auch alle Bedenken, das Konzept CocoRosie könne sich vielleicht irgendwann in Selbstgefälligkeit tot laufen. Jedenfalls nicht mit dem hier gezeigten Kreativ-Überschuss der Casady-Sisters. Den einzigen Abzug in der B-Note gab es dieses Mal einzig für die Kostümierung der Damen. Das war jetzt einfach nicht mehr provokativ, sondern nur noch dämlich.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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