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Ode an den Krötengott

Chloe Charles

Köln, Die Lichtung
19.10.2012

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Chloe Charles
Alles was recht ist: Die Mühe nach Vergleichen zu Chloe Charles zu suchen, kann man sich gleich von vorneherein sparen. Die Kanadierin hat es tatsächlich geschafft, alleine mit Stimme, Gitarre (und an diesem Abend zusätzlich unterstützt von Geiger Davide Santi) eine eigene songwriterische Genussmittelklasse zu kreieren. Aber der Reihe nach: Aufgrund einer Reihe vertrackter persönlicher und professioneller Terminierungen war Chloe jetzt, einen Monat vor der Veröffentlichung ihrer Debüt-CD "Break The Balance" auf Tour und feierte sozusagen in Köln ihre Record-Release-Party (denn die fertige CD konnte vor Ort bereits erstanden werden) und absolvierte bei der Gelegenheit auch gleich die üblichen Pressetermine. Das Komische war dabei eigentlich nur, dass das Kulturcafé dennoch so gut gefüllt war, dass es keine Sitzplätze mehr gab und eine größere Anzahl von Gästen plappernd in den vorderen Teil des Etablissements abwanderte.
Dass dem nicht immer so ist, davon können Kolleginnen von Chloe zeugen, wie z.B. ihre Freundin Anne Vriend, die zuletzt vor eher spärlicher Kulisse an gleichem Ort aufgetreten war. Chloe Charles hat also dieses gewisse Etwas, das neugierig machte. Zu Recht, wie sich nun herausstellte. Im Prinzip macht auch Chloe nichts Besonderes: Sie schreib Songs, die auf persönlichen Erlebnissen oder doch zumindest auf realen Charakteren beruhen und die aufgrund dessen, dass sie eine "entweder/oder"-Person sei (was auch durch das Covermotiv der neuen Scheibe illustriert wird, das sie mit einer schwarz eingefärbten Gesichtshälfte zeigt), "ziemlich heavy" ausfallen, wie sie sagt. Das meint: Ziemlich düster, komplex, intensiv und teilweise auch ganz schön abgefahren, was die Harmonien und Melodien betrifft. Dabei scheint sie musikalisch bei niemandem zu borgen. Ihre Songs folgen ganz eigenen Regeln und kommen immer wieder mit ungewöhnlichen Ideen, Kniffs, Wendungen und Haken und Ösen daher, die aufhorchen lassen.

Im Live-Vortrag etwa äußert sich das durch ein vertracktes Stop & Go-Timing, dem freilich ihr langjährige Partner, der Italiener Davide Santi (mit dem zusammen sie auch ihren Track "Child" geschrieben hatte) mühelos zu folgen wusste. Eine weitere Eigenart ist ein ganz spezifisches Stakkato in der eigentlich recht simplen Spielweise, dem sich Davide mit allerlei Pizziccato- und Martellato-Passagen anschloss und das beide mit einer Art kontrollierter Schnappatmung noch gesanglich unterstützten. Mit wenigen Mitteln entsteht so etwas ganz Eigenes, das sich übrigens zudem sehr von dem unterscheidet, was es dann auf der CD zu hören gibt, wo diese Elemente mit dezent platzierten Streichern, ein wenig Band-Sound und selbstgebastelten Sound-Effekten und Field-Recordings noch unterstützt wird. Denn, so Chloe, sie kann gar nicht anders als zu experimentieren, denn sie würde sich ansonsten zu Tode langweilen. Woher diese Eigenständigkeit und dieser musikalische Bewegungsdrang kommt, ist dabei eigentlich ganz einfach erklärt: Chloe mag nämlich jede Art von Musik, kann sich kaum etwas vorstellen, was es musikalisch nicht zu wertschätzen gäbe, mag selbst am liebsten Scheiben, die "von allem etwas" bieten und lässt dieses in ihre eigenen Arbeiten einfließen.

Dass Chloe Charles quasi auf der Straße wohnt und unentwegt tourt, äußert sich in einer ungemeinen Routine und Ansagen wie: "Viele Leute meinen, ich liefe vor etwas davon, weil ich so viel toure - davon handelt nun das Stück 'Find Her Way'." Aber Chloe hat noch eine andere Themen-Vorliebe - und das ist die Mystik. So singt sie über Tarot-Karten, Prophezeiungen und Krötengötter (in "God Is A Toad"). Denn obwohl Chloe sich nicht als religiös bezeichnet, interessiert sie sich für spirituelle Schwingungen aller Art. Der besagte Krötengott entstammt dabei Erinnerungen aus ihrer Kindheit: Ihr Großvater legte einen Park im Wald an, in dem es außer von ihm erschaffenen Skulpturen auch einen Teich mit diversen Tieren darin gab. "Wenn ich mir einen Gott aussuchen könnte", so erklärte Chloe, "dann wäre das eine Kröte, denn Kröten sind meine absoluten Lieblingstiere." Nun ja - jedem das seine. Eines steht jedenfalls fest: Mit Chloe Charles gibt es eine Songwriterin, an der Freunde des Genres sicherlich viel Spaß haben werden, denn sie hat es geschafft, in dem doch eigentlich überschaubar definierten Genre eine eigene Nische herauszuarbeiten.

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Surfempfehlung:
www.chloecharles.com
www.facebook.com/chloe.charles.music
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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