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Konzert-Bericht
 
Ukulele für die Königin

Nive Nielsen & Deer Children

Bonn, Harmonie
25.10.2012

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Nive Nielsen
Analysieren wir das ganze doch mal pseudowissenschaftlich: Mit den Songs von Nive Nielsen sollte eigentlich deswegen jedermann zurecht kommen (egal ob er nun Eskimo-Dialekte spricht oder nicht), weil die nach wie vor einzige Grönländerin im Glitterhouse-Katalog (und auf der Rockpalast-Bühne) es versteht, auf charmante Art poetische Qualitäten in den Banalitäten des Lebens zu entdecken - sei es das mundane Kaffeekochen, das Morden mittels (oder wegen) Staubsauger(n) oder aber Offshore-Ölbohrereien. Dazu vermittelt sie kichernd den Eindruck, dass sie zwar mehr als die Zuhörer über ihre Songs weiß - aber vielleicht nicht alles. Was dazu führt, dass man sich (sie eingeschlossen) nie so ganz sicher sein kann, was bei einem Nive Nielsen-Konzert auf der Bühne als Nächstes so passiert. Nur dass Nive sich dann darüber freut wie eine Schneekönigin, ist ziemlich gewiss. Langer Rede kurzer Sinn: Wer von einem Nive Nielsen-Konzert nicht irgendwie angerührt wird, der ist entweder tot oder ein Mineral.
Hinzu kommt, dass die Dame, die sich mit ihrer Ukulele übrigens ständig irgendwelchen skandinavischen Hoheiten gegenüber sieht, die von ihrer Kunst ebenso begeistert sind, wie irdische Fans, musikalisch ständig weiterzuentwickeln scheint. Trat sie etwa bei ihrem ersten Auftritt in unseren Breiten (beim OBS-Festival) noch als vergleichsweise schüchterne Folk-Aspirantin auf, die sich nicht von ihrem Barhocker bewegte, so präsentierte sie sich bei dem Rockpalast-Konzert in der Bonner Harmonie als souveräne Kleinorchester-Leiterin ihrer international besetzten Band. Beziehungsweise: Einer ihrer international besetzten Bands, denn deren Inkarnationen gibt es - je nach Aufenthalt - viele. Hier und jetzt spielten Anders Pedersen und Nicolaj Heyman von der dänischen Fraktion der Giant Giant Sand-Besetzung, ein belgischer Klarinettist und Computer-Wizard, Nives Boyfriend als multiinstrumentales Unikum, der Drummer sowie die einige Tage vorher adoptierte Caroline Keating und deren Geiger Sebastian Chow. Wie Rembert Stiewe - deren beider Labelchef - berichtete, hatten sich die Musiker am Sonntag zuvor erst kennengelernt und Caroline hatte sich spontan entschlossen, Nive auf der restlichen Tour zu begleiten. Dass sie dabei auch noch das Merchandising übernahm (wohlgemerkt nicht für das eigene Album, sondern für Nives), zeugt von der universalen Qualität und dem familiären Geist von Glitterhouse-Musikern.
Aber noch mal zurück zur Musik: Die nun deutlich druckvoller agierende Band, die letztlich teilweise mit bis zu drei Gitarren hantierte, zeitigte jene Art von unkonventionell freistiliger, der Americana noch irgendwo verpflichteten, aber im Geiste weit über Genregrenzen hinausreichende und angenehm organisch gegen den Strich gebürstete Melange mit internationalem Flair, derer sich heutige Indie-Acts mittlerweile souverän bedienen. Mit anderen Worten: Das rockte zuweilen gar nicht mal so schlecht - und das obwohl Nive oft und gerne Ukulele spielt und eigentlich betont sanftmütig zu singen weiß. So aber wurde aus mancher Folkballade ganz schnell ein vergleichsweise unerbittlicher Orkan. "Ich hatte noch nie vom Rockpalast gehört und war wegen des Fernsehens ein wenig nervös", entschuldigte Nive am Ende eventuelle Unebenheiten in der Performance. Doch diese waren sicherlich gar nicht unwillkommen, sondern zuweilen sogar das Salz in der Suppe - nun ja, bis auf den vielleicht ein wenig zu vergeigten Zugaben-Blues, der aber lediglich eine Verlegenheitslösung darstellte, weil das Programm für Rockpalast-Verhältnisse zu knapp getimt gewesen waren. Eine Blueserin ist Nive Nielsen nämlich nicht. Und das ist vielleicht auch ganz gut so, denn ihre Melancholie hat so gar nichts Depressives, sondern sogar eine versöhnliche Note. Das galt übrigens auch für die neuen Stücke, die sich zwischenzeitlich ins Programm gemogelt haben. Eigentlich sollte das auch den jungen Leuten im Publikum gefallen haben (die wohl eher wegen der anderen Band des Abends, den Coronas gekommen waren) und Nive mindestens eine Popularität - sagen wir mal ähnlich derer von Edward Sharpe & The Magnetic Zeros - bescheren. Zu wünschen wäre es jedenfalls.

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Surfempfehlung:
nivenielsen.bandcamp.com
nivenielsen.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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