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Mutterschafts-Urlaub

Jennifer Terran

Groningen, Prinsentheater
16.11.2012

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Jennifer Terran
Der Begriff "regelmäßig" ist hier vielleicht unangebracht, aber so alle Jubeljahre wieder schaut die Songwriterin Jennifer Terran doch immer mal wieder im Prinsentheater in Groningen vorbei. Seit dem letzten Besuch ist allerdings auch schon wieder eine halbe Ewigkeit vergangen: An ihrer neuen Scheibe "Born From A Womb Of Silence" bastelte die Gute insgesamt neun Jahre herum - gleichwohl das (unter der Mitwirkung von Todd Sickafoose und Danny Frankel entstandene) Werk produktionstechnisch noch warm ist und auf der nun gerade absolvierten Tour erstmalig präsentiert wurde.
Obwohl: Um die Präsentation ihrer CDs geht es Jennifer Terran bei ihren Auftritten gar nicht. "Keine meiner CDs kann man irgendwo reproduzieren", erklärte sie erläuternd das minimalistische Setting. Denn während die Tonträger - zumindest seit "The Musician" - kunstvoll arrangierte, detailreiche, vielschichtige und jeder konventionellen Strukturierung spottende Hörkunstwerke darstellen, bilden die Live-Konzerte eher die Essenz der jeweils zugrunde liegenden Songs ab (die auf den CDs übrigens wesentlich schwerer zu entdecken sind). Als radikale Indie-Künstlerin, die nun wirklich jeden Aspekt ihres Tuns alleine bestimmt und formt, ist Jennifer Terran einem größeren Publikum bislang erfolgreich ausgewichen. Diejenigen, die jedoch einmal mit der eigenartigen Magie ihrer Kunst in Berührung kamen, sind Fans geworden und geblieben und kommen dann auch gerne immer wieder. Das britische Magazin "Uncut" nennt Jennifer Terran die ungebobeltere Version von Tori Amos. Was sich eher darauf bezieht, dass Jennifer - wie Tori - mit hoher Stimme zu klassisch geprägter Piano-Begleitung singt. Ansonsten sind die Parallelen überschaubar, denn Jennifer Terran hat eine ganz eigene Weltsicht, die etwa seit ihrer letzten CD "Full Moon At 3" hauptsächlich von der Geburt ihrer Töchter geprägt wurde.
Gebrochene Charaktere wie etwa "Magdalen" oder "The Painter" von "The Musician" oder poetisch verklärte Sozialkritik wie in "America" von "Full Moon At 3" finden heute nur noch am Rande Eingang ins Programm. Stattdessen ist Jennifers Thema die Zelebrierung des Mutter-Seins und eine einzige Hommage an das Leben bzw. die Genese desselben (auch gerne mal metaphorisch verpackt in Songs über Samenkapseln oder in der Inkarnation von Kinderliedern). Viel braucht sie dabei nicht: Das Piano, ihre Stimme, eine Kalimba und ein Smart-Phone - das muss dann schon reichen; und teilweise ist es auch noch weniger. In der vertrauten Umgebung des Prinsentheaters stellt sich Jennifer gerne auch mal ins Publikum, erzählt dort von ihren Reise-Abenteuern und der Vorliebe für holländische Stroopwafels (die sie gar auch in ihren Songtexten erwähnt) und singt dazu unverstärkt - mal a-cappella, mal mit Körperperkussion und mal mit einem Beat vom Handy. Letzteres kam dabei besonders lustig, denn das Ganze wurde nicht etwa verstärkt, sondern per Freisprech-Lautsprecher und im Flüsterton vorgetragen. Auch wenn sich Jennifer hierbei - und gar nicht mal so unelegant - an einem Rap versuchte: Solch intime Vorstellungen bekommt man nicht oft geboten. Zum Glück bestand sie aber nicht darauf, dass das Publikum mitsingen möge - was bei einem solchen Setting noch nervtötender gewesen wäre als ansonsten üblich. Dafür wurde ein Herr aus dem Auditorium als Fotograf engagiert.

Eine Setlist gab es natürlich auch nicht, dafür aber einen Grabbeltopf, aus dem Songtitel gezogen wurden. Die Stücke selbst kamen dann - wie bereits erwähnt - sehr viel konzentrierter zur Geltung als auf den CDs, was einerseits daher rührte, dass die Reduktion aufs Wesentliche den Kern der Sache deutlicher machte als etwa Einspielungen der Arrangements dies bewirkt hätten und andererseits daher, dass Jennifer im Live-Setting auf die Extreme ihrer Studioalben verzichtet, insbesondere, was den nonverbalen Gesang betrifft, der sich zuweilen in jubilierende Höhen schraubt und auch gerne mal bricht. Abgerundet wurde das Set durch zwei Coverversionen - Princes "Purple Rain" und Leonard Cohens "Halleluja", die natürlich durch den Jennifer-typischen Weirdness-Wolf gedreht wurden - aber nicht so sehr, dass etwa die Essenz des Originals in Gefahr geraten wurde. Insgesamt überzeugte Jennifer Terran mit dem inhaltlich auf den Kopf gestellten Ansatz, die Live-Versionen ihres Materials ganz anders zu begreifen als die Studio-Versionen.

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Surfempfehlung:
www.jenniferterran.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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