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The Magnetic Fields vs. The Perfect Audience

Magnetic Fields

Köln, Prime Club
03.11.2000
Magnetic Fields
"Du kannst ja schon an der Art, wie ich rede, erkennen, daß ich nicht eben ein elektrifizierender Performer bin", meinte Stephin Merritt anläßlich des Interviews zum Release seiner Magnetic Fields Triple-CD "69 Love Songs", "ich bin vor allen Dingen ein Songwriter." Da war die Spannung natürlich groß, wie sich das Konzept Magnetic Fields vor Publikum denn machen würde. "Wir haben noch nie in Deutschland gespielt", meinte die langjährige Merritt Mitstreiterin Claudia Gogson zu Beginn des Konzertes, "ihr müßt also perfekt sein." Stephin Merrit horchte auf. "Das perfekte Publikum", schmunzelte er - beinahe jedenfalls, denn Stephin schmunzelt sehr selten, "ein interessantes Konzept." Kann also sein, daß es demnächst einen Merrit Song namens "The Perfect Audience" gibt. Das ist schließlich die Spezialität Stephin's - aus banalen Beobachtungen intelligente und witzige Songs zu basteln. Und davon gab's jede Menge.
Magnetic Fields
The Magnetic Fields traten bei ihrem Showcase in der ungewöhnlichen Besetzung Flügel, Cello, Gitarre, Banjo und Ukelele auf. Das machte aber Sinn, denn Stephin's Songs bedürfen der obskuren Umsetzung. Nicht nur die Magnetic Fields-Tracks. Es lauert nämlich bereits ein neues Projekt Merrits in den Startlöchern. Es ist ein Album unter dem Titel "The 6ths". Stephin und Claudia machten sich einen Spaß daraus, den Namen immer wieder zu erwähnen und die "ths" und "s" genüßlich und mit viel Spucke zu intonieren. Von besagtem Album - eine Kollaboration mit vielen Größen der Rockgeschichte (siehe Review), wurden auch einige Tracks vorgetragen - trotz des sparsamen Rahmens deutlich üppiger arrangiert als auf dem Tonträger. Merrit's Tracks lebten in dem asketischen Rahmen aber durchaus auf: Auf diese Weise konnte man sich noch mehr auf die haarsträubend witzigen Texte konzentrieren. "Papa Was A Radio", "Washington DC" oder die Story vom "Pretty Girl In Her Underwear" wurden zu modernen Moritaten, die mit Witz und Anspruch unterhielten. Das war ungemein inspirierend. Da konnten auch die kollektive Erkältung, die die Band plagte, nix ausrichten. Diese wurde mit Schal und Cognac bekämpft. Schade nur, daß sich Stephin zu vergleichsweise wenigen Bonmots hinreißen ließ - wohingegen Claudia das Publikum fest im Griff hatte. Um 22 Uhr war die Sache leider schon zu Ende, da es "unglaublich wichtig ist, daß alle möglichst schnell zu New Order tanzen können", wie Claudia doppelzüngig die eminente Disco ankündigte. Da trotz des Insider-Status, den Leute wie Stephin gemeinhin genießen, der Prime Club zum Schluß dann doch noch recht ordentlich gefüllt war, läßt hoffen, daß noch Hoffung besteht für Randgruppen-Ausnahmekünstler wie Stephin Merrit!
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-

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