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Konzert-Bericht
 
Wie im Wohnzimmer

Niels Frevert

Witten, Werkstadt
20.11.2012

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Niels Frevert
Dass es ein glanzvoller Konzertabend werden würde, war eigentlich schon beim Betreten der Wittener Werkstadt klar: Draußen war es zwar ungemütlich kalt an diesem grauen Novemberabend, drinnen aber herrschte wohlige Wohnzimmeratmosphäre: Gestapelte Holzscheite bildeten den Backdrop, die mit einem Perserteppich ausgelegte Bühne war mit einer Stehlampe, Lichterketten und einem Sessel dekoriert. Auch davor standen reichlich gemütliche Sitzmöbel wie Sofas und Sitzsäcke für die zahlreichen Besucher und musikalisch stimmte statt eines Supportacts der große Mark Kozelek aus der Konserve auf den Auftritt von Deutschlands bestem Singer/Songwriter ein. Die mollige Wärme kam zwar nicht aus dem Kamin, sondern aus der Zentralheizung, aber ansonsten hätte man stimmungsmäßig nichts besser machen können.
Um Viertel nach acht kam Niels Frevert auf die Bühne, schnappte sich die Akustikgitarre und sagte leise: "Ich möchte den Abend gerne mit einem Lied von Nils Koppruch beginnen", und spielte "Den Teufel tun" seines kürzlich verstorbenen Hamburger Songwriter-Kollegen in einer wunderbar emotionalen Version. Für die erste Gänsehaut des Abends sorgte dann bereits der zweite Song, "Aufgewacht auf Sand", was ganz nebenbei bewies, dass Frevert inzwischen zweifelsfrei auch "unplugged" so fesseln kann, wie er es früher (nur) auf der Stromgitarre konnte. Amüsant auch, wie er vor "Schlangenlinien" die Ansage sparte, ein süffisantes Lächeln auf seinen Lippen aber neugierig auf das machte, was er wohl in diesem Moment gedacht haben mochte. Zum unerwarteten Highlight wurde dann "1 Quadratmeter Regenwald", das sanft, fast zerbrechlich begann, sich dann aber geradezu unmerklich aufschaukelte, bis es im Instrumentalpart fast an die Power von The Who erinnerte.
Nach einem halben Dutzend Songs wechselte Frevert an die Stromgitarre, sang die erste Strophe von "Kickdown" dann aber a cappella, weil er die Gitarre noch nachstimmen musste, tat aber so, als sei das das Normalste der Welt. Ganz groß danach auch "Seltsam öffne mich", aber das wussten wir ja schon! Dass sich Frevert gerne auch auf einem unlängst veröffentlichten Sampler mit Kinderliedern verewigt hätte, dürfte den meisten dagegen neu gewesen sei. Dass es ihm mit dieser Aussage aber durchaus ernst war, bewies er im Anschluss, als er doch tatsächlich das "Knochenlied" von Graf Zahl aus der "Sesamstraße" anspielte! Obwohl es ein über lange Strecken wundervoll relaxter, ja, stiller Abend mit einem oft geradezu andächtigen Publikum war, kam auch der Humor nicht zu kurz. "Wenn ihr weiter so brav zuhört, nehme ich euch nachher noch mit rüber zum Rudelsingen - dann nehmen wir den Laden auseinander", meinte Frevert augenzwinkernd mit Blick auf die Konkurrenzveranstaltung im großen Saal. Ein anderes Mal versprach er während einer langen Gitarrenstimmpause: "Dafür wird's dann aber super danach", und als er sich vom Publikum in ein Gespräch verwickeln ließ und die Sprache auf Lena (Meyer-Landrut) kam, er aber Nena verstand, rettete er sich trocken mit: "Ach, Nena oder Lena - die verwechsel ich immer!" "Einwegfeuerzeugstichflamme" spielte er mangels Discokugel dann im Dunkeln, nur von den Lichterketten auf den Monitorboxen illuminiert, bevor er "Ich würde dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenn's nicht meine ist" - zumindest bis zum Mitmachpart am Ende - wie einen waschechten Folk-Song klingen ließ und das immer wieder sensationelle "Wann kommst du vorbei" den offiziellen Teil des Konzerts stilvoll beendete.

Keine Frage: Als sich Frevert vor der Zugabe beim Wittener Publikum für den sehr schönen Abend bedankte, war das nicht nur eine Floskel, sondern schlicht und ergreifend die Wahrheit.

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Surfempfehlung:
www.nielsfrevert.net
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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