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Mina Tindle
Lùisa

Köln, Blue Shell
08.12.2012

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Mina Tindle
Es ist heutzutage ja schon wagemutig, zum zweiten Mal mit einer CD auf Tour zu gehen, ohne diese als Deluxe-Edition neu herausgebracht zu haben und ohne einen aktuellen Titel als Single auszukoppeln. Insofern war es dann auch nicht verwunderlich, dass das zweite Kölner Konzert von Mina Tindle in diesem Jahr kurzfristig vom größeren Gebäude 9 ins überschaubarere Blue Shell verlegt worden war. Nun ja: Die Fans der kleinen Französin kommen ja sowieso nicht wegen aktueller CD-Veröffentlichung, sondern weil sie das, was die drei Musikanten auf der Bühne veranstalten, mögen. Letztlich war das Blue Shell dann am Ende trotz der widrigen Umstände (der Wintereinbruch kam noch on Top) recht gut gefüllt.
Den Support machte Lùisa aus Hamburg. Ohne Nachnamen und ganz alleine. Lùisa, die gerade ihre erste CD "One Youth Ago" in Eigenregie fabriziert hat, ist eine von jener Gattung Songwriterinnen, die sich ihren eigenen Weg suchen. Angeregt durch die üblichen Verdächtigen und gesegnet mit einer kräftigen, durchdringenden und im Vergleich zur Sprechstimme tiefer gelagerten Gesangsstimme hat sie sich eine Methode ausgedacht, ihre noch leicht spröden, filigranen Konstruktionen mittels eines Samplers abendfüllend an das Publikum heranzutragen. Daran sollte sie aber noch feilen, denn auch Lùisa sei gesagt, dass ein Sampler keineswegs etwas gegen einen dritten Akkord gehabt hätte. So aber gerieten ihre Songs schnell in ein recht monotones, ja unerbittlich lineares Fahrwasser. Zwar spielte Lùisa recht kompetent auf ihrer Gitarre und schaffte es auch, durch geschicktes Doppeln und Layern der Vocals und Gitarrenparts eine gewisse Dynamik ins Geschehen zu bringen - das vollkommene Fehlen von Melodien machte das Zuhören dann allerdings doch ein wenig anstrengend - zumal Lùisa da teilweise einen regelrecht verbissenen Eindruck machte. Auch wenn Lùisa mit einem Track auf Französisch (und stimmungsmäßig sowieso) auf den kommenden Auftritt von Mina Tindle einzustimmen wusste. Nun ja: Die junge Dame steht ja auch erst am Anfang ihrer Karriere und mit der Zeit wird sich da ja sicherlich eine Möglichkeit finden, die Songs strukturell etwas aufzulockern.
Wie gesagt waren Pauline de Lassus (alias Mina Tindle) und ihre beiden Mitstreiter Guillaume Villadier und Olivier Marguerit (Syd Matters) ja schon mal in Köln gewesen - auch wenn sie zunächst überlegten, ob sie eher zum zweiten oder zum dritten Mal hier gewesen seien. Das Programm glich in etwa jenem, das sie auch beim letzten Auftritt (damals im Studio 672) gespielt hatten. Was bei vielen Acts das performerische Todesurteil bedeutet hätte, machte im Fall von Mina Tindle schlicht gar nix. Nicht nur, dass das Trio extra einen Schellenbaum und einen neuen Drumcomputer mitgebracht hatten (der allerdings streckenweise seine Arbeit verweigerte): Sie scheinen sowieso keinen Wert darauf zu legen, ein Stück zwei Mal auf genau dieselbe Art zu spielen. Obwohl also Mina und ihre Jungs im Prinzip das gleiche Programm wie zuletzt nochmals aufführten, war das vom Charakter her doch eine ganz andere Show. Nicht nur, aber auch ein wenig deshalb, weil ständige Problemchen mit der Technik zu charmanten Dialogen mit dem Publikum führten.

Über Politik (wie damals, als Nina kurz vor der Wahl in Deutschland war) wurde dieses Mal nicht gesprochen - wohl aber über die Stücke. So erfuhren die Anwesenden, dass "Austin" bei einer Reise durch Texas entstanden war, dass Mina zu "Echoes" bei einem Konzert in Frankreich irgendetwas Schönes gesagt hatte, an das sie sich jetzt aber nicht mehr erinnern könne und dass "Pan" in Französischen nichts weiter bedeute - am ehesten aber noch so etwas wie "Peng" oder "Bang". Neben den Tracks der CD "Taranta" gab es wenige Non-Album-Tracks wie "The Kingdom" und als Zugabe eine Coverversion mit brasilianischen Wurzeln, die - so wie Mina das erklärte - irgendwelche Textzeilen enthielt, die bis in römische Zeiten zurückreichten. Was aber ausschlaggebend war: Das Ding wurde akzentfrei Portugiesisch vorgetragen.

Wie das aber auch bei ihren eigenen, zum Großteil englischsprachigen Titeln ist, kommt es weniger darauf an, worüber sie singt, sondern wie sie das tut. Und da sind Mina Tindle und ihre Jungs nach wie vor einfach einfallsreicher als andere Acts. Mit Samplern, Effekten und ständigen Instrumentenwechseln gibt es keine Sekunde Stillstand - und manchmal sind es einfache Ideen, die die Sache so unterhaltsam machen: Indem z.B. Olivier Marguerit zum Ende eines Stückes eine Trompete zückte, darauf ein ausleitendes Solo spielte, aus dem er dann ein atmosphärisches Sample für das Intro des nächsten Songs bastelte. Oder indem das poppige "Bells" zu einem Zeitpunkt in eine Jam-Session umgebogen wurde, zu dem andere schon wieder die nächste Nummer eingeläutet hätten. Oder indem Guillaume Villadier einen Track erst für die letzte Strophe seinen Bass hervorholte und so für ein furioses Finale sorgte. Machen könnte sowas schließlich jeder - es müssen aber scheinbar erst mal kleine Franzosen darauf kommen, es auch mal auszuprobieren. Und letztlich gefällt Mina Tindle auch wegen dem, was sie nicht ist: Keine weitere Chanteuse des Nouvelle Chanson, keine weitere Folkpop-Queen und keine weitere Indie-Ikone. Sondern stattdessen von Allem ein wenig und ansonsten ziemlich einzigartig. Nun gut - ein paar neue Tracks mehr hätten vielleicht nicht gerade geschadet, aber wenn jemand sein Programm so variantenreich im Griff hat wie Mina und ihre Herren, dann kann eigentlich nicht so viel schief gehen. Am Ende jedenfalls war das dann alles schon wieder zu schnell vorbei...

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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