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Konzert-Bericht
 
Der Teufel im Detail

Trixie Whitley
Ian Clement

Köln, Stadtgarten
22.02.2013

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Trixie Whitley
Bereits zwei Mal - ein Mal mit Black Dub und ein Mal in eigener Sache - hatte Trixie Whitley an gleicher Stelle im Kölner Stadtgarten gespielt. Deswegen wunderte es nun nicht sonderlich, dass das ursprünglich im viel kleineren Studio 672 geplante Konzert wegen der großen Nachfrage in den größeren Stadtgarten-Saal verlegt worden war. (Übrigens zuungunsten des Katzenjammer-Ablegers Dandylion.) Die Tochter des viel zu früh verstorbenen Chris Whitley hat sich als Live-Performerin bereits einen Namen gemacht, bevor nun ihr offizielles Debüt-Album "Fourth Corner" erschien. Eigentlich hätte einem entspannten Konzertabend also nichts im Wege gestanden. Warum das dann trotzdem eine recht spannungsgeladene Veranstaltung wurde, dazu später mehr.
Zunächst ein Mal eröffnete der Songwriter Ian Clement die Show. Der Mann, der ansonsten der belgischen Hardrock-Truppe Wallace Vanborn vorsteht (die zuletzt die Blood Red Shoes in Köln supportete), outete sich hier als einfühlsamer Mann an der Gitarre (und später als vielbeschäftigter Roadie für Trixie Whitley). Obwohl er zunächst feststellte, dass er ziemlich nervös sei, zeigte er sich im Folgenden als souveräner Mann seines Fachs. Clement versteht es, die richtigen Akkorde miteinander zu verbinden (vor allen Dingen aber nicht immer dieselben) und bot einen wahrlich raumgreifenden Gesang, der durch einen gewaltigen Hall-Effekt, den viele Produzenten mit Sicherheit als "nicht richtig" abgelehnt hätten, nochmals verstärkt wurde. Hinzu kamen klug zusammengestellte Texte und eine gehörige Portion musikalischer Abenteuerlust, die zuweilen regelrecht eigenartige Zwischenspiele zeitigte, die Clement mit Pfeifen und knapp neben der Spur liegenden Akkorden als akustische Prog-Rock-Interluden zelebrierte - Jeff Buckley-Style. Das war allerdings die einzige Konzession an seine Mutterband - ansonsten lieferte Clement einen klassischen Songwriter-Einstand ab.
Als dann Trixie Whitley mit ihrer Band (zu der auch ihr Onkel als Bassist gehörte) die Bühne betrat, war der Stadtgarten dann auch gut gefüllt. Zunächst lief alles so, wie man sich das auch vorgestellt hätte: Trixies Performance als musikalische Naturgewalt duldete sozusagen keinen Widerspruch. Jeder Song - ob akustisch, elektrisch, mit Gitarre oder am Keyboard - wurde bis in die hintersten Ecken seiner Möglichkeiten ausgelotet und von Trixie Whitley mit einer unglaublichen Intensität dargeboten. Kaum zu glauben, dass eine so schmächtige Person über eine solch voluminöse Stimme verfügt. Wie schon bei Black Dub oder auf ihrer Scheibe nutzt Trixie diese erfreulicherweise nicht, um sich in Soul-Gefälligkeiten zu ergehen (was ihr angesichts ihres Timbres ohne weiteres möglich wäre), sondern hat sich eine durchaus eigene Nische herausgeschnitzt, in der Indie-Rock, Gospel, Blues und eine Prise Jazz fröhliche Urstände feiern; was immer wieder für spannende und intensive Momente sorgt. Was ihre Vocals vielleicht an Variabilität vermissen lassen (die werden fast immer "bis zum Anschlag ausgefahren"), wird durch den Abwechslungsreichtum ihrer doch sehr unterschiedlich strukturierten Songs so wieder ausgeglichen. Wer übrigens ein Mal ihren Vater, Chris Whitley, live erlebt hatte, dem dürften fast unselige Parallelen in Bezug auf die nervöse Konzentration, die hektische Intensität und die unglaubliche Anspannung des Vortrages aufgefallen sein - bis hin zu gewissen Bewegungsabläufen, die somit wohl genetisch bedingt scheinen, denn Trixie hat ihren Vater ja nur als Kind auf der Bühne begleitet. Die unkonventionelle Art, die Gitarre zu traktieren, ist dabei auch Whitley-typisch.

Wie gesagt: So weit, so gut. Dann jedoch kam die Sache mit dem gerissenen Gitarrengurt. Zwar gelang es Ian Clement, diesen zu ersetzen und notdürftig zu befestigen - doch da war es bereits geschehen: Trixie Whitley hatte den Fehlerteufel ausgemacht und war diesem nun unablässig auf der Spur: Zunächst ging es um ein Knacken, ausgelöst durch den nicht regelgerecht gefestigten Gitarrengurt, dann war die Gitarre nicht richtig gestimmt, dann das Keyboard überflutet (da war zuvor der Hocker umgekippt und hatte ein paar Wasserflaschen mit sich gerissen). "Ich weiß nicht, heute ist einer dieser Tage, an denen bei jedem Song etwas schief geht", grummelte Trixie und hatte im Folgenden Mühe, ihre Paradenummer "Need Your Love" halbwegs sortiert nach Hause zu fahren. Ab da haderte sie bei jedem einzelnen Song mit dem Schicksal, erklärte ihre psychologischen Probleme (dass sie sich viel zu oft entschuldige) und riet schließlich dem Publikum, den eigenen Kindern niemals zu raten, Musiker zu werden. Das Problem war dabei nur, dass diese gewaltigen Probleme alleine im Kopf Trixies stattfanden. Mal abgesehen von der Sache mit dem Gitarrengurt hätte niemand etwas davon bemerkt. Mehr noch: Viele Gitarristen, die etwas auf sich halten, hätten sich angesichts des Gebotenen sicherlich gewünscht, eine Gitarre so elegant neben der angepeilten Tonlage stimmen zu können, dass es sich dermaßen spannend anhörte, wie hier. Denn Schönklang und Perfektion hätten diesem Auftritt mit Sicherheit einiges von seinem Reiz genommen. Es ist aber oft so, dass sensible Künstlerseelen die Vorteile der eigenen Limitationen nicht so recht erkennen können und dann an den falschen Stellen beginnen, herumzuschrauben. Das scheint hier auch der Fall zu sein. Und auch wenn eine andererseits starke Persönlichkeit wie Trixie Whitley, die mit beeindruckender Präsenz die Bühne dominiert und sozusagen ganz in ihrem Tun aufgeht, nicht unbedingt angetreten sind, um von der Bühne herab neue Freundschaften zu schließen, ließ das o.a. - bei aller Begeisterung, die sich auf rein musikalischer Ebene einstellte - dann doch einen befremdlichen Beigeschmack und eine gewisse Distanz zurück.

Musikalisch gab es aber so einiges, was für das Unternehmen Trixie Whitley spricht. Bereits angesprochen wurde ihre intuitive Gitarrentechnik, die immer wieder zu klanglichen Überraschungen führte. Dazu gehört auch, dass sie die E-Gitarre bis zum Stehkragen aufdrehte und sich im so entfachenden Sound-Orkan alle Details dem allgemeinen Overkill unterzuordnen hatten. Ihre Band - jung, hungrig und begeisterungsfähig - stand dem in nichts nach. Wer hier nach irgendwelchen Klischees suchte oder Erwartungshaltungen erfüllt sehen wollte, war fehl am Platz. Stattdessen präsentierte Trixie Whitley etwa Blues ohne klassische Blue Note, Soul ohne Blackness und immens druckvolle Rockmusik ohne Backbeat und Soli (der Drummer etwa bot alles Mögliche - vom pervertierten Mambo über verstolperte Shuffles bis zu extatisch umspielten Samba-Beats - bloß kleinen klassischen 4/4 Takt). Am Ende war Trixie Whitley die Sache mit dem Hadern dann wohl auch selbst unangenehm und sie bedankte sich mehrfach bei dem Publikum dafür, dass man sie "ausgehalten habe". Insgesamt war das ein sehr eindringliches Konzerterlebnis, das mit Sicherheit länger im Gedächtnis bleiben wird, als so manche reibungslose aber dann vielleicht auch seelenlose Inszenierung.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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