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Messdiener im Schnee

Get Well Soon
Brother & Bones

Bonn, Harmonie
21.03.2013

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Get Well Soon
Schon lange hatte sich das Rockpalast Team um einen Auftritt von Get Well Soon - der nach Conferencier Rembert Stiewe "aufregendsten deutschen Band seit ewigen Zeiten" - bemüht, bis es nun, zum Abschluss der Tour zum aktuellen Album "Scarlet Beast O'Seven Heads" endlich ein mal geklappt hatte. Das freilich recht knapp. Denn Frontmann Konstantin Gropper berichtete, dass die Band wegen Schneefalls (!) erst mit Verspätung eingetroffen sei. Obwohl es an diesem Abend in Bonn dann - trotz heftiger Minusgrade - nicht mehr schneite, ließ es sich Gropper nicht nehmen, die folgenden Tracks als "Weihnachtslieder" anzukündigen.
Bevor es - nach einer mengenmäßig bedingten 40-minütigen Umbaupause dann um 21 Uhr mit dem Auftritt von Get Well Soon losging, gab es zuvor noch das erste Konzert des Abends von der jungen britischen Americana-Truppe Brother & Bones. Gegenüber ihren US-Kollegen weisen die Herren einige Besonderheiten auf. Zum einen arbeitet das Quintett mit zwei Drum-Kits: Einem normalen und einem lateinamerikanischen - was also bedeutet, dass der zweite Drummer eher ein Percussionist ist. Das verleiht den Jungs dann zuweilen einen gewissen Tribal-Punch, der in dieser Art von Musik eigentlich nicht so häufig zu finden ist. Obwohl sich die Gebrüder um Frontmann und Songwriter Rich Thomas dann im Folgenden durchaus auf gewohntem Folk- und Country-Terrain betätigen, haben sie aber auch nichts gegen harten Schweinerock. In der Tat folgen nahezu alle Brother & Bones-Songs einem gewissen Schema: Es gibt eine akustische oder halbakustische Einleitung und nach einer gewissen Steigerungsphase wird dann plötzlich der Bühnenboden zu heiß und alle drei beweglichen Knochenbrüder hüpfen wie die Rumpelstilzchen auf und ab und rocken dazu ab, was das Zeug hält. Und letztlich bietet die Band einen Bassisten mit einem fünfsaitigen Bass und mindestens 15 Fingern der wirklich keine Lücke für seine emsige Saitenknödelei ungenutzt lässt.

Obwohl auf den Tonträgern der Band zusätzlich noch Streicher und Bläser zu hören sind, die an diesem Abend natürlich nicht dabei waren, drängte sich bei dieser Show der Eindruck auf, dass das doch alles etwas zu viel des Guten sein könnte. Denn Brother & Bones funktionierten regelmäßig dann am Besten, wenn der ganze Overkill unter dem Teppich blieb und sich der Zuhörer - im eher gemäßigten Umfeld - auf die Stimme und die Lyrics von Rich Thomas konzentrieren können. Und: Der ewig gleiche Aufbau der meisten Tracks ermüdete in dieser Häufung dann auch eher als dass er begeisterte. Hinzu kommt, dass die Brother & Bones das Genre nicht gerade neu erfunden haben - auch wenn sie die eine oder andere frische Idee einbringen. Insgesamt kennt man das, was die Band macht, also im Prinzip schon - und das macht es dann auch nicht gerade spannend. Und letztlich darf noch angemeckert werden, dass Thomas konsequent mit geschlossenen Augen singt. Weniger einfühlsame Zuhörer als die, die in der Harmonie versammelt waren (und von denen nicht wenige Brother & Bones-Fans waren), könnten ihm so etwas wohl auch übel nehmen...

Nach dem Umbau war dann nichts mehr so wie vorher. Denn nicht nur hatten Get Well Soon das ganze Bühnenbild durcheinander gebracht (Drummer auf der linken Seite, Keyboards auf dem Drumpodest, ein Tisch mit Equipment im Center-Spot), sondern obendrein das ganze Areal mit Instrumenten aller Couleur vermint. Viel Bewegungsspielraum gab es da wahrlich nicht mehr. Allerdings - das muss einem der Neid lassen -, die Jungs und Gropper-Schwester Verena machen schon etwas daraus. Was auf dem letzten Album noch im selbst gewählten Klangwolken-Exil verpuffte, wurde auf der Bühne nun vollkommen neu zusammengesetzt, gewichtet und akzentuiert. Der Live-Sound von Get Well Soon 2013 ist x-mal transparenter als jener auf dem "Beast"-Album. Nicht zuletzt, weil Konstantins und Verenas Vocals hier brillieren und nicht unter "ferner liefen" im allgemeinen Klangbrei untergehen. Dass dem so ist, liegt einerseits daran, dass die Herrschaften - bei aller orchestralen Grandezza - auf der Bühne den Schwulst und den Plüsch der Tonträger weit hinter sich lassen und sich auch in Sachen Sound-Overkill eher zurückhalten. Stattdessen outen sich die insgesamt sechs Musikanten als Meister der Akzentuierung und Koordination. Da greift ein Zähnchen ins andere und jeder einzelne der Myriaden von Tönen und Klängen, der an so einem Konzertabend produziert werden, hat seinen Sinn und seinen Platz. Sogar die punktgenau eingespielten Samples. Und: Auf der Bühne nutzt Gropper - als Sänger und als Dirigent - die Möglichkeiten der Dynamik meisterhaft aus, wodurch niemals der Eindruck einer beliebigen Klangwolke entstehen kann und jeder Track seine dramatischen Elemente in Formvollendung ausleben darf.

Deswegen betrachtet man ein Get Well Soon-Konzert auch besser als Gesamtkunstwerk, bei dem es sich nicht lohnt, nach irgendwelchen Highlights zu suchen. Da funkelt und brilliert einfach alles - seien es neue Songs, oder jene der Alben oder Soundtracks Groppers. Und noch etwas fiel beim Konzert in dem relativ überschaubaren Rahmen der Harmonie auf: Die Performances von Get Well Soon - und hierbei insbesondere die Vokalbeiträge von Verena, Konstantin und Keyboarder Marcus Wüst (in dieser Reihenfolge) sorgen mittlerweile für eine regelrecht liturgische Stimmung. So etwa dürften sich Messdiener fühlen, die singend durch den Weihrauch um den Altar flanieren. Nun, Weihrauch gab es zwar keinen, dafür aber Kunstnebel, den das WDR-Team eigentlich zur Kamera-Kalibrierung braucht, der aber freilich in diesem Zusammenhang dem spirituellen Miteinander diente. Witzig in diesem Zusammenhang war dann noch der Umstand, dass Groppers Referenzen an kitschige Filmmusik (die ja u.a. das Thema des letzten Albums darstellte) in all dem durchaus erhalten blieben. Dieser konzeptionelle Humor nahm dem Ganzen dann auch wieder jenen Teil des Pathos weg, der das Ganze ansonsten vielleicht hätte lächerlich erscheinen lassen können. Gropper & Co. nimmt man die zur Schau gestellte Gravitas einfach ab. Und abschließend darf noch erwähnt werden, dass Get Well Soon wirklich etwas als Gegenwert des Eintrittspreises zu bieten haben: Da agieren sechs Musiker auf höchstem Niveau und Intensitätslevel und spielen dabei ungefähr 20 Instrumente (teilweise auch alles zusammen). Da hatte Rembert Stiewe am Ende also schon recht: Get Well Soon sind die aufregendste deutsche Band seit ewigen Zeiten. Punkt.

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www.youwillgetwellsoon.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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