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Konzert-Bericht
 
Bittersüße Schokolade

Tindersticks
David Kitt

Köln, Gürzenich
22.10.2001

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Tindersticks
Es war nicht so besonders überraschend, daß die Tindersticks noch um kurz vor 19:00 Uhr mit dem Soundcheck beschäftigt waren. Schon ohne Orchester dauern die Soundchecks der Band ja für gewöhnlich länger als die Konzerte. Dieses Mal kam aber noch ein weiterer, verstörender Umstand dazu. Der Drummer, Al, hatte die Band kurz zuvor verlassen, weil er mit dem Tour-Streß nicht mehr zurecht kam. David Kitt, der irische Songwriter, der das Vorprogramm bestritt, wurde rekrutiert, um Ersatz zu leisten. Dementsprechend nervös erschien er dann auch vor dem Konzert. Zum Glück einigte man sich darauf, es lieber ohne Drums zu versuchen, was sich als Glücksfall erwies.
Zunächst einmal durfte David Kitt sich auf ein gut gefülltes Haus freuen. Der Gürzenich-Saal - sonst eher für Karnevalsveranstaltungen bekannt - war bis auf den letzten Platz gefüllt, was indes nicht so schlimm war, da man großzügig bestuhlt hatte. Kitt trat mit zwei Kollegen, einem Keyboarder und dem Saxophon und Klarinette spielenden Multiinstrumentalisten Diarmuid Mac Diarmada auf. Sein aktuelles Album, "The Big Romance", war noch nicht veröffentlicht, und so konnte er vergleichsweise unbefangen aufspielen. In Irland ist Kittser, wie er von seinen Fans auch genannt wird, ein Superstar. Hier galt es erst mal Überzeugungsarbeit zu leisten. Das dürfte spätestens mit dem Stück "Pale Blue Light" - auf CD, wie auch im Live Set der Dreh- und Angelpunkt - gelungen sein. Kitt's Rezept ist es, normale Singer-Songwriter-Stücke mittels vielschichtiger Arrangements und Soundspielereien geschickt aufzupeppen. Während das auf Konserve recht fragil daherkommt, langt Kitt live manchmal ganz schön hin (an den lauteren Stellen kam noch ein zweiter Gitarrist hinzu, der Grunge-Riffs schrammelte). Auch benutzt Kitt die raumgreifende Struktur seiner Tracks für lange Improvisations-Passagen. Das wurde manchmal gar ein wenig zuviel des guten. Unterm Strich konnte Kitt's Live Debut jedoch überzeugen.
Die Tinderstick machten dann vergleichsweise wenig Aufhebens. Begleitet von 12 Geigen- und Bratschenspielern und drei Cellos konnten die Jungs um Stuart Staples endlich mal ihren orchestralen Sound voll ausleben. Das Dumme daran war eigentlich nur, daß die Stücke von der neuen Scheibe, "Can Our Love..." dafür nicht so geeignet sind und deshalb eher unterrepräsentiert waren. Die alten Hits wie "Travelling Light" oder "Tiny Tears" gab's dann aber im vollen Treatment. Das war immer dann am schönsten, wenn sich die Geschichte langsam aufbaute und zum Crescendo hocharbeitete. Meist sah das dann so aus, daß der bandinterne Geiger, Dickon, begann und sich dann irgendwann das Orchester einschaltete - so wie bei "She's Gone". Daß der Drummer fehlte, fiel nur nicht weiter auf, sondern stellte sich als Vorteil heraus. Alles, was rhythmisch getan werden mußte, erledigte Stuart mit einem Tambourine und Pianist David (und bei einem Stück David Kitt) mit ein paar Maracas. Wenn der Drummer noch dabei gewesen wäre, wäre es zuweilen schon ein bißchen viel des Guten gewesen. Die Tindersticks waren ein bißchen angespannt - was sich dadurch äußerte, daß Stuart noch weniger sagte, als sonst - was indes der Sache gar nicht so schlecht bekam, denn so wurden die Tracks mit einer gewissen kämpferischen Note präsentiert. Ebenfalls konnte man den Jungs die von Stuart bereits im Interview angesprochene neue Spielfreude anmerken. Wie z.B. Gitarrist Neil manchmal seine akustische Gitarre traktierte, war schon bemerkenswert. Abwechslung gab es dadurch, daß auch ein paar Stücke ohne Orchester gegeben wurden, bei einem Stück Dickon singen durfte und bei einem anderen selbiger an einem zusätzlichen E-Piano Platz nahm. Aber Abwechslung ist ja nicht unbedingt der Grund, warum man ein Tindersticks-Konzert besucht. Ein Kritikpunkt sei erlaubt: Wenn man dieses Konzert (und z.B. auch die Live-CD "At The Bloomsbury Theater") etwa mit der Sache vergleicht, die die Walkabouts 1997 mit einem Orchester anstellten, dann schnitten die Tindersticks hier eher schlecht ab. Denn während Mark Nichols damals für die Walkabouts für die Live-Auftritte neue Arrangements schrieb, wurden hier die Arrangements der Studio-CD 1:1 nachgespielt. Dennoch: Es war schon beeindruckend, die Tracks der Band einmal in der kompletten, schweren Süße (mit übrigens exzellentem Sound) genießen zu können, die auf den Scheiben immer so beeindruckten. Toppen ließe sich dieses lediglich durch noch mehr Streicher. Aber vermutlich reicht es der Band erst mal, wenn ihr Drummer wieder zu ihnen zurückkehrt...

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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