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30 Jahre

Haldern Pop Festival 2013 - 1. Teil

Rees-Haldern, Alter Reitplatz Schweckhorst
08.08.2013

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Haldern Pop Festival 2013
Zugegebenermaßen war es auch dieses Jahr nicht ganz einfach, das Motto des Haldern Festivals herauszufinden. Jenes der Doku zum Festival heißt "Du die Schwalbe, wir der Sommer" und jenes auf den Publikationen "Be True. Not Better". Und letzteres trifft die Sache denn auch im Kern: Zum runden Jubiläum war Festivalmacher Stefan Reimann lieber sich (und den Traditionen des Festivals) treu geblieben als zu versuchen, ein besonders bombastisches Line-Up aufzustellen. Wie das dann immer so ist: Es gab auch dieses Jahr viel zu entdecken - während subjektiv das Ausbleiben scheinbar offensichtlicher Favorites auf der anderen Seite für Irritationen sorgte. Sei es drum: Gerade deswegen ist das diesjährige Haldern-Festival ein durch und durch typisches seiner Art.
Los ging es - wie im letzten Jahr erfolgreich eingeführt - in der Halderner Kirche mit einer Auswahl eher ruhiger Vertreter ihrer Zunft: Songwriter, klassisch geprägte Konzeptualisten und Avantgardisten teilten sich Altar und Bühne mit den andächtig lauschenden Zuschauern des bis auf den letzten Platz (und weit darüber hinaus) gefüllten Gotteshauses. Luke Sital-Singh etwa ist ein Songwriter Insider-Tipp aus London - und stammt dem Vernehmen nach aus demselben Viertel, aus dem auch John Martyn stammte. In dessen leicht jazziger Tradition (insbesondere wenn er zur elektrischen Gitarre griff) arbeitete sich Singh durch ein Oeuvre ruhiger, pflegeleichter Songs, die mehr auf Atmosphäre denn auf gewagte Konstruktion oder überbordende Melodik setzten. Letztlich machte sich Singh das zu Nutze, indem er einen seiner Songs ohne Mikro "unplugged" vorführte - was aufgrund seiner tragkräftigen Stimme auch ohne weiteres möglich erschien.

Das Spiegeltent eröffnete dann gegen 17:15 Uhr seine Türen. Insgesamt erschien der Zeitplan dieses Jahr besser abgestimmt als im letzten - gleichwohl eine einzige Kasse für die Ausgabe der Festivalwährung "Poptaler" dann doch eher unterdimensioniert erschien und zu langen Warteschlangen führte. Im Zelt begannen Kate Stables und ihre Mitstreiter aus Bristol - besser bekannt als This Is The Kit - das Programm mit einer Mischung von geradlinigen Folkpopsongs im Indie-Setting. Bemerkenswerterweise bot das Quartett die gleichen Stärken und Schwächen wie auf den Konserven. Kate, die ihren Lebensmittelpunkt in Paris hat, hat einige starke Songs im Gepäck - die allerdings technisch zuweilen in die falsche Richtung laufen. Bestes Beispiel ihr Track "Hook Line & Sinker". Hier verzichtete die Band darauf - wie so oft -, die Rhythmussektion einzusetzen. Das Bemühen der Fans, dieses durch rhythmisches Nicken zu kompensieren, führte dann zu einer Sammlung höchst unterschiedlich wippender Köpfe. Will meinen: Am rhythmischen Gefüge muss die Band noch arbeiten. Sehr gefielen hingegen die jazzigen Passagen, die insbesondere Gitarrist Jesse Vernon zuweilen mit Soli begleitete, die Pat Metheny auch nicht besser hinbekommen hätte. Anderseits überraschte er zuweilen mit regelrechten Schweinerock-Einlagen inklusive Hendrix-Gepose. Das hätte nicht sein müssen. Insgesamt hinterließen This Is The Kit einen durchaus sympathischen aber auch ein wenig unegalen Eindruck.

Auf der ebenfalls letztes Jahr eingeführten Bierzelt-Bühne gab es dieses Jahr Wacken-Light (also Hardrock ohne Feuerwehr-Kapelle). Den Anfang machten Mikal Cronin und seine Band. Der Mann aus Los Angeles wurde im Festivalblatt als Garagenrocker ausgeschrieben. Das täuschte aber. Es gab poppigen Kindergarten-Hardrock ohne viel Struktur, dafür aber mit jeder Menge Headbanging, verfilzter Haare - und einer unerklärlich attraktiven und im Sinne der Mucke durchaus auch effektiven Drummerin. Immerhin: Heavy Metal-Pauschalisierungen blieben dem Publikum erspart, das aber dem Unterhaltungsfaktor dieser Art von Musik durchaus zugetan erschien, denn die Bierzeltbühne war stets gut besucht.

Im Zelt hatten sich derweil Florian Ostertag und seine Band und ihre vielen - meist jüngeren und vor allen Dingen weiblichen Fans - versammelt. Florian stammt aus dem Umfeld des Haldern-Veteranen Philip Poisel und hat sich in dieser Hinsicht durchaus einen gewissen Star-Status erarbeitet. Insgesamt gefiel die Band durch die originelle Umsetzung des durchaus ordentlich zusammengebauten, englischsprachigen Songmaterials. Mit einem Tonbandgerät, einer Schreibmaschine als Rhythmusinstrument, Ukulele, Mandoline und einer saftigen Orgel schafften es Florian und seine Jungs, eine gediegene Kleinorchester-Atmosphäre hinzulegen. Dass die Mädels die Songs in und auswendig kannten, störte in dem Zusammenhang dann auch nicht mehr.

Weiter ging es mit Knüppel-Hardrock auf der Biergarten-Bühne. We Were Promised Jetpacks aus Edinburgh haben sich im Laufe ihrer zehnjährigen Karriere weit von dem in Schottland vorherrschenden, eklektischen Indie-Sound entfernt und lieben heute rabenschwarze, brutale Frontalattacken, die im wesentlichen therapeutischen Charakter zu haben scheinen, denn mit dem Publikum wollte sich die Band nicht beschäftigen: Oft mit dem Rücken zu demselben und konsequent mit geschlossenen Augen arbeiteten sie sich durch ihre musikalischen Pflichtübungen, die indes beim Publikum durchaus zu ernstgemeinten Begeisterungsstürmen hinreichten.

Den ersten Höhepunkt des Festivals lieferte Julia Holter aus Los Angeles ab. Die bislang vorwiegend mit elektronischen Mitteln arbeitende Songwriterin hat sich im Rahmen ihrer demnächst erscheinenden zweiten CD neu aufgestellt und trat mit voller Band inklusive Geiger, Cellist, Saxophonist und Drummer an. Es ist ja immer schön, wenn es Musiker gibt, die eine eigene Vision haben und nicht ziellos im Dickicht der Möglichkeiten stochern und dazu gehört auch Julia. Ihre Stücke als Popsongs abstempeln zu wollen, ginge am Thema vorbei. Hier handelt es sich um vielschichtige, komplexe Kompositionen, die insbesondere durch die Kombination der verschiedenen Klangquellen geradezu innovativen Charakter aufweisen. So oder ähnlich müssen Roxy Music oder King Crimson in ihren Findungsphasen geklungen haben - nur das Julia heutzutage schon sehr genau weiß, was sie will und wie man das erreichen kann... und dafür nicht ein Mal Gitarren braucht. Das war Avantgarde, Jazz und überhaupt große Kunst - die allerdings nie verkopft blieb, sondern stets zu berühren wusste. Interessante Anekdote noch am Rande: Während des Soundchecks spielten die Musiker aneinander vorbei als gäbe es kein Morgen mehr - erwiesen sich dann aber während des Konzertes als tightes, aufeinander eingespieltes Ensemble. Die Band hatte während des Soundchecks tatsächlich noch neue Details für die Show erarbeitet. Das muss man auf diesem Level auch erst mal hinbekommen.

Auf der Bierzeltbühne betraten dann die nächsten Dunkelmänner dieselbe. Und das war wörtlich zu nehmen. Konsequent vermieden es die vier Herren von Suuns aus Montreal, sich irgendwelchen Beleuchtungsbemühungen zu stellen, sondern versteckten sich im Gegenlicht oder den Schatten auf der Bühne. Anders als viele ihrer Landsleute haben sich Suuns einer härteren Gangart verschrieben - die indes durch die Hinzunahme von elektronischen Elemente weitab von Hardrock-Klischees beheimatet ist. Vielmehr sorgen die zwitschernden und pulsierenden Sounds und Beats oft für ein gewisses Dancefloor-Feeling (das auch vom begeisterten Publikum ausgelebt wurde) und auch für eine gewisse spirituelle Atmosphäre und das entsprechende Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Publikum.


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www.haldern-pop.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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