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30 Jahre

Haldern Pop Festival 2013 - 2. Teil

Rees-Haldern, Alter Reitplatz Schweckhorst
09.08.2013

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Haldern 2013
Der zweite Tag des Festivals begann mit einer harten Prüfung für diejenigen, die jetzt nicht unbedingt wegen deutscher Popmusik gekommen waren. Gleich drei Acts auf der Hauptbühne machten jenen das Leben schwer: Pascal Finkenauer, der mit seinen gepflegten, rockorientierten und mit Grabesstimme vorgetragenen Düster-Chansons nur wenige Aufrechte vor die noch wolkenverhangene Hauptbühne locken konnte, die in Berlin der Hamburger Schule nachgehenden Exil-Burgenländer Ja Panik, die mit ihren 80er Popper-Outfits und den auf intellektuell gemachten Nonsense Dada-Texten (die zumindest mal englische Schlagworte enthalten durften) eher irritierten als amüsierten und letztlich die Goldenen Zitronen - persönlicher Favorites von Stefan Reimann -, die unbeirrt seit 30 Jahren denselben, mit gepfefferten Slogans durchsetzten, monotonen Krautrock-New-Wave Mix bedienen und die dann sogar polarisierten. Alles was recht ist: So rechte Festival-Stimmung oder gar echtes Haldern-Feeling wollte da nicht so wirklich aufkommen.
Im Spiegelzelt ging es dann vergleichsweise konventionell los: Bear's Den ist ein typisches Mistaken-Identity-Americana Trio. Denn die Jungs kommen aus London. Weitere Besonderheiten sind (neben der Band-Bärte) die Umstände, dass das Trio ohne eigenen, hauptamtlichen Bassisten auskommt (dass der Drummer gelegentlich zum Bass greift, ist hierbei ein eher ungelenkes Unikum) und dass sie vor poppigen Refrains nicht zurück schrecken. Selbst ohne offiziellen Longplayer haben sich die Herren so bereits (auch auf unseren Bühnen - etwa als Support von Daughter) eine ordentliche Fangemeinde erspielt. Die Stimmung im Zelt war demzufolge recht ordentlich - jedenfalls besser als vor der Hauptbühne.

Es folgte der Folk-Chaot Sam Amidon mit seinem einzigartigen, unberechenbaren Programm. Der weitgereiste Ire und Gatte von Beth Orton trat mit einem Drummer auf und zerpflückte mit Banjo, Gitarre und Geige seine sehr speziellen Folklore-Konstrukte mit der gewohnt anarchistischen Energie. Seine Vorliebe und Vergangenheit als begeisterter Free Jazzer kamen dabei ebenso zum Vorschein wie sein sehr skurriler, knochentrockener Humor. Sam Amidon ist schon sehr speziell.

Das sind im Prinzip auch Balthazar aus Belgien - nur auf eine ganz andere Art. Im Festival-Journal "Datt Blatt" hieß es, dass eine Band wie diese nur aus Belgien kommen könne und das stimmt. Das Quintett, das in BeNeLux auch gerne vor riesigen Menschenmassen auftritt, überzeugte im Spiegelzelt mit einer grandiosen, unberechenbaren Mixtur aus allen möglichen Pop-Elementen, die mit unglaublichen Details angereichert wurden, extrem "tight" dargeboten wurden, von geradezu hymnischen Melodiebögen gekrönt wurden (die es in dieser Qualität ansonsten höchstens noch von Get Well Soon geben mag) und als I-Tüpfelchen gab es noch fantastische Harmoniegesänge. Was will man eigentlich mehr? Das war dann mit Sicherheit für viele die Haldern-Entdeckung und musikalische Krönung des Tages.

Die hierauf folgenden Retro-Paisley-Popper Allah-Las aus Los Angeles hatten es im folgenden schwer, das Stimmungslevel aufrecht zu erhalten - obwohl sie mit ihren unterhaltsamen Westcoast-60s Pop-Songs und Trash-Instrumentals die seligen Whiskey A Gogo-Zeiten zumindest punktuell erfolgreich wieder auferstehen ließen. Ein Problem bei diesem Act war aber, dass sich die Herren zu ernst nehmen und zu wenig Interesse am Publikum haben zu scheinen (ergo also eher autistisch vor sich hindaddeln). Dieser Umstand wurde durch das diesjährige Beleuchtungskonzept im Spiegelzelt - das ab diesem Zeitpunkt immer extremer wurde - leider noch unterstützt: Die Acts wurden - wenn überhaupt - von hinten angeleuchtet (in der Mitte sogar gar nicht), während gleichzeitig das Publikum mit allen verfügbaren Mitten geblendet wurde und zusätzlich die Nebelmaschine den Durchblick erschwerte. Nochmal Jungs: Musik wird dadurch besser, dass man die Musiker auch sehen kann!

Auf der Hauptbühne ging es dann recht pflegeleicht weiter. Dass der britische Overnight-Superstar Tom Odell eine sichere Bank sein würde, war ja zu erwarten gewesen. Demzufolge wurde der Mann vom jugendlichen Publikum auch frenetisch gefeiert, Odell hat sich aber auch feine Versatzstücke für seine Mixtur ausgesucht: Piano-Pop à la Elton John (inklusive Bennie & The Jets-Hommagen), ein wenig Glam-Rock mit Bowie-Pathos, eine Prise Indie-Rock-Sensibiltät und die notwendige Leidensfähigkeit im Vortrag, die einen sensiblen, melancholischen Songwriter auszeichnen, sorgten für ein volles Haus und immense Begeisterungsstürme, die bei seinem Hit "Another Love" sozusagen keine Grenzen mehr kannten. Sicher: Das Rolling Stones-Cover "Honky Tonk Woman" machte in diesem Kontext wenig Sinn und dass der schüchterne Mann nur selten ein Mal ins Auditorium blickte, war ein wenig irritierend - insgesamt überzeugte Odell aber mit einer soliden Blockbuster-Show.

Die dann folgenden Villagers gehören zu den Haldern-Veteranen, denn 2010 spielten die Iren bereits schon mal im Zelt. Nachdem Conor J. O'Brien bereits am Vorabend als Secret-Act in der Kirche aufgetreten war, freute er sich nun, auch auf der großen Bühne stehen zu dürfen. Mit ihrer speziellen Folkpop-Variante (bei der es dem Songwriter O'Brien bislang gelingt, seine irische Identität zu wahren, aber jedes Irish-Folk-Klischee zu vermeiden) und der sympathischen Darbietungsweise (denn hier hatten wir tatsächlich mal einen Protagonisten, der mit dem Publikum zu kommunizieren bemüht war) gelang es den Herren, die Fans für sich zu gewinnen. Allerdings verpuffte auf der großen Bühne (und vielleicht auch deswegen, weil es noch nicht dunkel war) ein Teil der Wirkung des Villagers-Sets. Das lag auch daran, dass sich die Musiker auf der Bühne ein wenig verloren - das hätte man auch geschickter anstellen können. Insgesamt gefiel das Villagers-Set aber durch die warmherzigen Vibes, die da - zusätzlich zu den ordentlichen Songs mit Mitsing-Charakter - von der Bühne strömten.


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Surfempfehlung:
www.haldern-pop.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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