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Sunday Night Fever

Lilly Wood & The Prick
Hannah Georgas

Köln, Luxor
29.09.2013

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Lilly Wood & The Prick
Mit Zeitreisen ist das ja immer so eine Sache: Ständig muss man aufpassen, dass man keine Zeitparadoxen verletzt und man muss auf verräterische Modeaccessoires achten, die die eigene Herkunft verraten könnten. Das war an diesem Sonntag aber alles kein Problem - denn es ging nur zurück in die 80er, zu jener seligen Zeit, in der sich Disco und New Wave ablösten und die Welt noch ein wenig einfacher war als heute. Die Kanadierin Hannah Georgas etwa hatte sich für die New-Wave-Pop-Variante entschieden - kam somit also ein wenig "moderner" rüber als Lilly Wood & The Prick, die doch mehr dem Disco-Pop zugetan sind. Aber: Immerhin hatte man mal darauf geachtet, dass Support-Act und Headliner musikalisch kompatibel agierten!
Hannah war in unseren Breiten bereits ein Mal als Support ihrer Freundin und Landsfrau Kathleen Edwards unterwegs. Damals zehrte sie noch von selbst produzierten Spielzeug-Pop-Elaboraten, wobei sie noch mit Sounds und Formaten experimentierte. Inzwischen liegt ihre "ordentlich produzierte", zweite (nicht zu unrecht selbst betitelte) CD "Hannah Georgas" vor und hier hat sie endgültig ihren Sound gefunden, den sie nun auch - mit eigener Band - live umsetzte. Dass Hannah mal als eher konventionelle Songwriterin begann, hört man ihren Tracks auch heute noch an: Zwar arbeitet sie mit den Grooves und Beats des Elektro-Pop, aber ihre Songs sind doch meistens auf nachvollziehbare Art mit Strophen und Refrains strukturiert, so dass man diese als solche auch wahrnimmt. Was beim Live-Auftritt im Luxor gefiel, war der Umstand, dass ihre Band unerwartet druckvoll agierte - es also durchaus auch mal rockte - und dass sie ihr Spielzeug-Keyboard nur punktuell einsetzte und sich lieber auf den Gesang konzentrierte. Was nicht so gut funktionierte war die Bühnen-Persona: Hannah singt konsequent mit geschlossenen Augen und wenn sie mal Kontakt zum Publikum sucht, dann lässt sie ihre Musiker "schon mal anfangen" und spricht über Beats oder Intros - das macht keinen Sinn, da so die Botschaft dann doch untergeht. Zum Glück bietet aber gerade die neue CD jede Menge attraktives Material, so dass man sich durchaus auf den Flow der Performance einlassen und sich an der allgemein etwas plüschigeren Live-Darbietung erfreuen kann. In Kanada ist Hannah mit diesem Konzept schon recht erfolgreich (auch durch Product Placement) - ob das bei uns so klappt, wird die Zukunft zeigen.
Die etwas unglücklich platzierte Tour von Lilly Wood & The Prick bot da jedenfalls noch Potential nach oben, denn der Zuspruch blieb überschaubar. Nili Hadida, die Stimme und Frontfrau von Lilly Wood & The Prick, formulierte das so: "Wir sind zum ersten Mal in Deutschland und möchten uns bei euch dafür bedanken, dass dieser Club nicht leer ist." In Frankreich zählt das für die Tour zum Sextett aufgestockte Duo zu den Überfliegern schlechthin - was ergo dazu führte, dass vor allen Dingen Franzosen im Publikum waren. (Diese hätten aber wohl eher im Stadtgarten nach diesem Act gesucht, weswegen am Ende insgesamt auch nicht mehr als 50 Nasen im Luxor herumturnten.) Das Konzept von Lilly Wood & The Prick ist recht einfach zu verstehen: Es gibt einen saudummen Bandnamen und ansonsten Party Nonstop. Wie gesagt haben sich Lilly Wood & The Prick die Disco-Musik als Grundthema ausgesucht - und zwar jene groovende handgemachte Sorte, die in der Zeit vor dem Einzug und der Dominanz der Elektronik in dieser Sparte dominierte. Dazu gibt es - insbesondere in den z.T. hymnisch angelegten, Gospel-inspirierten Refrains - jede Menge poppige Melodien und Momente und Nili Hadida singt (übrigens auch betont geschlossen-augig) mit einer gewissen, heiseren Soul-Note, die der Sache durchaus einen eigenen Pep verleiht. Dass Nili und ihr Partner Benjamin Cotto (der übrigens bei diesem Konzert mehrfach und gekonnt Barry White stimmlich emulierte) mit Folk, Pop und Blues angefangen haben, ist zwar interessant - aber heute nur noch rudimentär zu erkennen. Die Songs des Duos machen ja schon auf der Konserve ordentlich was her - doch diese einfach nachzuspielen, ist nicht das Ding von Nili und Benjamin. Jeder Track wurde quasi in der Maxi-Single-Version gespielt. "Maxi-Singles" waren in den Zeiten vor CD und Remixen Singles im LP-Format, auf denen die betreffenden Titel in verlängerten Versionen gespielt wurden, die insbesondere längere Instrumentalpassagen enthielten. Genauso muss man sich das bei Lilly Wood & The Prick auch vorstellen. Zusätzlich zum Instrumentarium der Band standen am Bühnenrand noch ein paar Percussion-Instrumente für Nili bereit, so dass diese dann auch zu tun hatte, wenn sich die Band in treibenden Disco-Grooves und Jam-Sessions verlor. D.h.: "verlor" ist nicht das richtige Wort, denn das Ganze lief doch recht tight und kontrolliert ab. Neben den erwähnten Disco-Pop-Nummern haben Lilly Wood & The Prick auch anders gewichtete Songs im Gepäck, die das Set quasi in einer Art "Rahmenhandlung" umfassten: Das getragene "California" etwa oder die Zugabe "Little Johnny", bei der das Publikum dann noch ein Mal als Chor eingebunden wurde. Insgesamt überzeugten am Ende beide Acts durch ein immens unterhaltsames Programm und insbesondere Lilly Wood & The Prick empfahlen sich als mitreißender Live-Act - und zwar unter anderem auch deswegen, weil sie sich hat nun mal eine Nische ausgesucht haben, die nicht flächendeckend von zig anderen Acts auch belegt wird.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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