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Kanarischer Pop

Sofi De La Torre
Joel Ney

Köln, Blue Shell
10.10.2013

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Sofi de la Torre
Bis vor kurzem war Joel Ney aus Kerpen noch ein richtig harter Kerl - als Frontmann der Rockband Creative Injection. Ein Hauch der Abendsonne habe ihm dann die Erleuchtung gebracht, es dann doch lieber als Solo-Songwriter zu versuchen. In dieser Eigenschaft stellte sich der junge Mann aus Kerpen dann auch als Support für Sofi de la Torre dem Kölner Publikum vor. Dass dieses fast ausschließlich aus jungen Damen bestand, von denen nicht wenige wohl eigens wegen ihm gekommen waren, gefiel dem Meister dann wohl recht gut und inspirierte ihn auch gleich dazu, das Publikum einzubinden. Da hilft es natürlich, dass Neys Musik sozusagen selbsterklärend ist: Einer seiner Songs heißt "Let The Music Do The Talking" - und das ist dann auch sein Programm.
Denn inhaltlich hat er eigentlich nicht viel zu sagen - macht sich Gedanken über Wind und Wetter und singt über das, was ihm so auffällt, ohne große Themen anzusprechen oder gar mit erhobenem Zeigefinger zu predigen. Das hat aber auch seine Vorteile, denn so kann man sich ganz auf den Flow seiner Musik einlassen - und die hat es in sich. Denn Ney präsentierte sich als virtuoser, sehr rhythmisch orientierter Gitarrist auf höchstem Niveau und seine Kompositionen können sich durchaus mit denen der großen dieser Art von Ansatz vergleichen. Dave Matthews kommt da z.B. in den Sinn - oder aber (aufgrund der sonnigen Themen und des sonnigen Gemüts Neys) Jack Johnson. Insgesamt war das dann eine schöne Überraschung, denn nicht immer bekommt man bei Showcases dieser Art einen Support mit Substanz und Potential präsentiert.
Sofi de la Torre präsentierte auf dieser kurzen Club-Tour gleich dreierlei: Erstens die neue EP "Closer", auf der sie diverse Songs etablierter Acts mit anzüglichem Inhalt auf durchaus charmante, akustische Manier neu definiert, dann natürlich ihren Single Hit "Faster" aus dem Film "Rubinrot" und letztlich aber - und das war dann vielleicht auch das Spannendste - brandneue Songs, die eine ganz andere Sofi de la Torre zeigte als jene, die man bislang von ihrem Solo-Album "Mine" und dem Soundtrack "Rubinrot" kennt. Dennoch war Sofi alleine mit ihrem Gitarristen Daniel Hoffknecht unterwegs. Die Backing-Tracks des neuen Materials (und jenes von "Faster") kamen dann von der Konserve. Das war dann vielleicht nicht die beste Idee, denn schon beim Soundcheck haderte Sofi mit der Technik und vepasste mehrfach ihren Einsatz - so auch beim Konzert und das ausgerechnet bei "Faster".

Nun ist das aber so, dass sich die Performerin Sofi de la Torre von so etwas nicht unterkriegen ließ. Mit jeder Menge Attitüde und mehr derben Flüchen als so manches professionelle Flintenweib auf Tasche haben mag, machte sie klar, dass das doch wirklich nun irrelevante Lappalien waren. Dennoch: Besser als die halb-produzierten Nummern klappten die Akustik-Songs - und hier gab es dann den zweiten Fehler, denn anstatt auf der akustischen Gitarre, wurde zu oft zur elektrischen gegriffen, was den Songs dann gleich schon wieder von ihrem Charme nahm. Insofern geriet der einzige Song, zu dem Sofi dann selbst zur Gitarre griff - dem als Zugabe gegebenen "A Little Bit" - auch gleich zum Höhepunkt der Show. Auch die Video-Backdrops wären nicht unbedingt zwingend nötig gewesen - zwar waren die schwarzweiß Zeitlupen-Aufnahmen von Land- und City-Scapes durchaus geschmackvoll - aber aufgrund der örtlichen Gegebenheiten wurden diese ständig auf die Musikanten projiziert. Ansonsten folgte die Beleuchtungsstrategie - nicht unerwartet - dem Rubinrot-Prinzip, so dass sich am Ende vieles im Halbdunkel abspielte.

Davon aber mal abgesehen überraschten dann die neuen (nach wie vor sehr persönlichen, aber musikalisch vollkommen neu konzipierten) Songs wie "Denial", "Ocean View", "Glorious", "Motherland" und "Baby Bye Bye" mit einem durch Beats, Loops, Keyboards und Effekten gepimpten Sounddesign aus der Richtung Trip Hop, das Sofis Herkunft aus dem Folkpop-Sektor gleich wieder relativierte. Insgesamt steht der Frau von den Kanarischen Inseln dieses Setting aber sehr gut zu Gesicht, denn aufgrund ihres warmen Timbres ist Sofie eigentlich weder eine klassische Folksängerin, noch eine Rock-Röhre, sondern die perfekte, potentielle Pop-Queen. Die neuen, melodischen Songs mit melancholischer Note standen ihr jedenfalls sehr gut zu Gesicht und machten auch gleich neugierig auf die endgültige Umsetzung auf der nächsten Scheibe. Sofi, die im Gespräch erklärte, dass sie nicht so gut Gitarre spiele (was an diesem Abend am Beispiel von "A Little Bit" gar nicht nachzuvollziehen war) und die neuen Songs teilweise auf Keyboards geschrieben habe, hat mit diesem neuen, kanarischen Ansatz jedenfalls die Chance aus den verschiedenen Schubladen, in die sie seit Erscheinen von "Rubinrot" und "Mine" gesteckt wurde, wieder herauszukommen.

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Surfempfehlung:
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www.facebook.com/joel.ney.music
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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