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Konzert-Bericht
 
Lebenslauf im Wohnzimmer

Christina Martin

Köln, Privatkonzert
17.11.2013

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Christina Martin
Dass die Kanadierin Christina Martin die Europa-Tour zu ihrer aktuellen CD-Veröffentlichung "Sleeping With A Stranger" großteils als Hauskonzert-Serie gestalten konnte, hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die Gute - zusammen mit ihrem Partner Dale Murray - zur Zeit in Dachau ansässig ist, das somit die Basis für ihre Exkursionen darstellt und wo auch Videoarbeiten stattfanden. Da hilft es natürlich, dass Christina ein mehr als passables Deutsch spricht (übrigens inklusive Umlaute und "ch"-Varianten, was für anglistische Muttersprachler ja bekanntlich eine große Herausforderung darstellte). Das ging sogar so weit, dass sie die Zugabe, bei der der Veranstalter mit seiner Band auftrat (die Christina kurzer Hand "Alte Männer" taufte), auf Deutsch mitsingen konnte. Es war des Weiteren auch die Grundlage für die vielen amüsanten Anekdoten, die Christina Martin beim Kölner Hauskonzert - im aktiven Dialog mit dem Publikum - zwischen den Stücken zum Besten gab.
In der Tat gab es schon lange keine Songwriterin mehr, über die man während eines Konzertes mehr erfahren konnte, als über Christina Martin. Dabei erstaunte dann die Offenheit, Selbstironie und Detailtiefe, mittels derer sie unter anderem ihre Songs erklärte. So erfuhr das Publikum von ihren Wurzeln, der rastlosen Kinderzeit, den schwierigen familiären Verhältnissen, den Lehrjahren, den sozialen Engagements Christinas (wo sie sich z.B. ein Jahr lang in Halifax mit dem Thema Alters-Demenz beschäftigte), ihren persönlichen Vorlieben und Abneigungen und natürlich den musikalischen Eskapaden, die sie und Dale Murray bei ihren zahlreichen Auftritten absolvierten. Und es wurde auch deutlich, dass Christina durch und durch Kanadierin ist. Während sich ansonsten ja öfter der Eindruck einstellt, dass viele ihrer Landsleute lieber US-Amerikaner wären, lebte Christina Martin geradezu genüsslich ihren heimatlichen Akzent aus (wenn sie Englisch sprach) und berichtete auch bereitwillig von den Gegebenheiten in ihrer Heimat Nova Scotia und Kanada im Allgemeinen. Das alles ist deshalb erwähnenswert, weil es einerseits keineswegs selbstverständlich ist und dem Publikum andererseits die Songwriterin/Künstlerin Christina Martin auf eine amüsante, unterhaltsame und sympathische Weise näher brachte - sozusagen in Form eines musikalisch unterlegten Lebenslaufes.

Und musikalisch präsentierten Christina und Dale Murray ungefähr jene Mischung, die sich auch auf "Sleeping With A Stranger" findet: Es gab klassischen Americana-Folkpop mit mehr Pop als (den sonst gerne bemühten) Country-Elementen und gelegentlich ein akustisches, balladeskes Folk-Setting. Eine Lagerfeuer-Veranstaltung war das Ganze aber auf keinen Fall. Zum einen sind Christinas Songs, die nicht selten um prägnante Riffs und Hooklines herum definiert sind, für diesen Zweck nicht vorrangig geeignet und zum anderen machten sowohl Dale als auch Christina keinen Hehl aus ihrer Vorliebe für elektrische Töne. Hierzu hatten sie drei Gitarren der Marke Duesenberg aus Hannover mitgebracht. Dazu erklärte Dale Murray, dass er normalerweise Gretsch-Gitarren spielt, es aber schwierig sei, diese auf Reisen mitzunehmen, da sie teilweise aus tropischen Hölzern gefertigt seien, weswegen sie gewissen Einfuhrbeschränkungen unterlägen. In den handgemachten Exemplaren der Liebhaber-Marke Duesenberg habe man aber einen adäquaten Ersatz gefunden. Da diese Gitarren offensichtlich eh auf dem Gretsch-Design basieren, war auch der klangliche Unterschied nicht allzu groß, so dass es eine Menge "Twang und Drang" zu hören gab. Und die ebenfalls mitgebrachte Lapsteel-Guitar, auf der Dale mittels zweier Hebel durchaus den Effekt einer Pedal-Steel-Gitarre erzeugte, war auch von der Marke Duesenberg.

Wie dem auch sei: Der satte Klang der Gitarren war der ideale Widerpart zu der bemerkenswert kräftigen und durchsetzungsfähigen Stimme Christinas. Dass Dale Murray mit seinem gleichermaßen virtuosen und zurückhaltenden Spiel am Gelingen des Abends einen großen Anteil hatte, mochte Christina darüber hinaus sowieso nicht verleugnen. "Jeder sollte einen Dale haben", scherzte sie etwa - und erzählte obendrein die amüsante Anekdote von einer Begegnung auf einer kanadischen Zugreise, auf der ein Kölner Geschäftsmann zu dem Schluss kam, dass Christina zwar eine schöne Stimme habe und auch recht gut sei - dass sie aber Dale nicht das Wasser reichen könne. Nun mag das zwar ein wenig übertrieben sein, aber in der Tat bilden Christina Martin und Dale Murray eine ideale musikalische Einheit. Was dann nicht mehr besonders überraschend war, war die Erkenntnis, dass Christinas Songs allesamt ziemlich autobiographisch angehaucht sind. Auch wenn sie aus Sicherheitsgründen einmal den Namen betroffener Personen ändert - wie z.B. bei dem Song "Daisy". Abgerundet wurde das Set übrigens mit der eher überraschenden Coverversion "Heart Needs A Home" von Richard Thompson, die Christina ausgesucht hatte, weil sie inhaltlich und gesanglich eine Herausforderung darstelle. Insgesamt war dieses ein Singer/Songwriter-Abend, bei dem die Musik und die Künstlerin gleichermaßen beleuchtet wurden - so dass man am Ende Christina Martin tatsächlich besser kannte, als vorher. Ein Abend also, wie man ihn sich tatsächlich sehr viel öfter wünschte.

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Surfempfehlung:
www.christinamartin.net
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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