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Marlene in der Wüste

Yasmine Hamdan

Köln, Studio 672
20.11.2013

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Yasmine Hamdan
"Ach so - eines muss ich noch sagen", erklärte Yasmine Hamdan, nachdem sie das Publikum im Kölner Studio 672 eigentlich schon mit einem zünftigen "Guten Abend Köln" verabschiedet hatte, "ich bin ein großer Fan von Marlene Dietrich, weil die so eine tiefe Stimme hat und somit diese weiblichen und männlichen Wesenszüge vereint. Wenn ich auf Arabisch singe, stelle ich mir immer vor, wie Marlene Dietrich zu singen." Nun - niemand kann Yasmine Hamdan vorwerfen, dass das, was sie macht, irgendwie vorhersehbar sei oder gar klischeebehaftet wäre.
Yasmine Hamdan stammt aus dem Libanon, arbeitet heutzutage von Paris aus und stellt in mehrerlei Hinsicht so etwas wie den östlicheren musikalischen Gegenpol zu Natacha Atlas, dem "singenden Gaza-Streifen", dar. Zum einen gilt sie als Ikone der modernen, arabisch geprägten Popmusik (die es tatsächlich gibt, auch wenn das hierzulande ja nicht eben bekannt gemacht wurde) und zum anderen ist sie - wie Natacha Atlas - eine Künstlerin, die die Verquickung von arabischen und okzidentalen Elementen sucht und findet. Wobei sie tatsächlich noch radikaler vorgeht als ihre Kollegin. So singt sie ausschließlich auf Arabisch (in allen möglichen Dialekten zwar), verzichtet aber konsequent auf englische oder französische Lyrics. Dabei hält sie sich, was die arabischen Elemente auf musikalischer Ebene betrifft, eher zurück. (Zumindest auf ihrer eigenen Scheibe "Ya Nass" - nebenher ist sie auch als Theater- und Filmkomponistin und sogar Schauspielerin tätig.) Bauchtanz und Folklore sucht man bei ihr vergeblich.

Obwohl sie sich gerne von klassischen arabischen Interpreten und Komponisten aus den 40er Jahren inspirieren lässt, verzichtet sie bei der Umsetzung vollständig auf traditionelle arabische Elemente, sondern wendet ein westliches Klangspektrum an, das lediglich in Bezug auf Gesang und Harmoniefolgen den Hauch des Morgenlandes inkorporiert. Während Yasmin ihre Laufbahn als Hälfte des elektronisch ausgerichteten Duos Soapkills begann, ist ihre Musik im Laufe der Zeit - spätestens aber seit ihrer Zusammenarbeit mit Monsieur Nouvelle Vague, Marc Collin - sehr viel organischer geworden; was auch beim Konzert im Studio 672 deutlich wurde. Dieses war kurzfristig vom größeren Stadtgarten ins kleinere Studio verlegt worden - was dann letztlich dazu führte, dass dieses bis zum letzten Platz gefüllt war und somit eine gewisse, intime Club-Atmosphäre herrschte, die noch dadurch verstärkt wurde, dass großzügig mit Kunstnebel hantiert wurde und die übergroßen Bass-Boxen, die vor der Bühne aufgebaut wurden, den zur Verfügung stehenden Platz nochmals einschränkten.

Die Musik von Yasmine Hamdan lässt sich fast einfacher durch das erklären, was sie nicht ist: Keine Folklore, keine Club-Musik, keine Elektronik und keine Rockmusik. Dass sie aber andererseits Elemente aus all diesen Spielarten enthält, macht sie natürlich umso spannender und interessanter. Die Besetzung war mit Gitarre/Bass, Keyboards und Drums noch recht konventionell ausgerichtet - was im Folgenden dann mit diesen Mitteln gemacht wurde, hatte mit Konventionen nicht mehr viel gemein. Das Zusammenprallen der orientalischen Harmonien mit der westlichen Sound-Ästhetik war dabei natürlich das Thema des Abends. Im Vergleich zu dem Sounddesign der CD legte die Yasmine Hamdan Band hier sogar noch einmal zu. Nicht nur in Sachen Dynamik und Druck, sondern auch, indem die Sachen ganz anders gewichtet wurden. So traten die elektronischen Elemente nochmals in den Hintergrund und auf der anderen Seite überraschten die vielen akustischen Einlagen, bei denen die exzellente Gitarristin Liset Alea (die ständig zwischen Akustik- und Elektrik-Gitarre und dem Bass wechselte) sich offensichtlich sich von allem Möglichen zwischen afrikanischen, Samba, Flamenco bis hin zu Folk-Elementen inspirieren ließ. Zwischen den einzelnen Tracks - die übrigens alle schön knapp und direkt zum Thema kamen - erklärte Yasmine die Song-Inhalte, bei denen es um so unterschiedliche Themen wie Korruption, arabische Identität, Beduinen-Idole oder Liebes-Geschichten ging. Was freilich dann doch ein wenig erstaunte, war der Umstand, dass Yasmine immer wieder darauf hinwies, dass in den tendenziell doch eher lamentös bis theatralisch erscheinenden Nummern Humor eine große Rolle spielt. "Es ist nicht so dramatisch, wie es sich anhört", erklärte sie dazu schmunzelnd. Natürlich war dieses jetzt kein Abend, an dem das ganze Publikum die Texte mitsingen konnte, aber zum Mitklatschen konnte dieses dann doch bewegt werden.

Am Ende konnte die Band dann auch für mehrere Zugaben hervorgelockt werden. "Unser Stück 'Deni' haben wir ja schon gespielt", erklärte sie bei der letzten Nummer des Abends, "aber wir mögen es, uns zu wiederholen - das ist gut für das Gedächtnis." Tatsächlich spielte die Band das betreffende Stück am Ende aber dann sogar noch eine Spur rockiger als zuvor. Wie gesagt: Konventionell und vorhersehbar ist bei einem Yasmine Hamdan-Konzert offensichtlich gar nichts. Gerade deswegen bot dieses eine veritable Alternative zu dem, was uns gemeinhin auf der Bühne eines Rock-Clubs präsentiert wird.

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Surfempfehlung:
yasminehamdan.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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