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Konzert-Bericht
 
Traditionell, aber nicht altmodisch

Hiss Golden Messenger

Münster, Pension Schmidt
03.02.2014

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M.C. Taylor
M. C. Taylor hat den Bogen raus. Bei seinem Solokonzert in Münster begeistert der frühere Frontmann von The Court & Spark und heutige Mastermind von Hiss Golden Messenger mit wunderbaren Songs, die etwas von vergilbten Fotos haben, aber trotz Beschränkung auf Stimme und Akustikgitarre weniger puristisch-traditionell klingen, als das bei vielen seelenverwandten Singer/Songwritern der düsteren Americana-Spielarten der Fall ist. Grund dafür ist nicht zuletzt die lässige Vortragsweise des Amerikaners, an der man ablesen kann, dass er zwar mit der Musik von The Byrds und Crosby, Stills & Nash aufwuchs und ein Faible für Townes Van Zandt oder Guy Clark hat, als Jugendlicher allerdings eher im Punk- und Hardcorebereich unterwegs war. Die Pension Schmidt entpuppte sich derweil als der ideale Ort für das erste Deutschland-Konzert der Hiss Golden Messenger-Tour, denn auch hier gilt: Trotz heimeliger Atmosphäre mit Holzfußboden und den plüschigen alten Sesseln direkt aus Omas guter Stube – angestaubt ist anders.
Taylor beginnt das Konzert a cappella. Ohne einleitende Worte stellt er sich ans Mikro und intoniert das alte Jazz-Traditional "One Morning In May". Danach sagt er lächelnd: "Das war meine Art, das Eis zu brechen. Mir ist klar, dass das bei euch ein Gefühl des Unbehagens verursacht hat, doch das Gute daran ist, dass der Rest des Konzerts jetzt großartig wird!" Dann greift er zur Gitarre und setzt die Ankündigung in die Tat um. Vollkommen mühelos springt er dabei zwischen zerbrechlichen Fingerpicking-Folk-Nummern und eindringlichen, dezent von punkiger Attitüde beseelten Songs hin und her. Denn trotz eines Interesses an Geschichte geht es Taylor doch in erster Linie darum, Episoden aus seinem eigenen Leben in North Carolina kunstvoll in Songs zu verpacken. "Ich bin jetzt fünf, sechs Tage auf Tournee, und das ist der Punkt, an dem man anfängt, seine Familie zu vermissen", erklärt er beispielsweise dem Publikum, bevor er seinem fünfjährigen Sohn Elijah den Song "Blue Country Mystic" widmet und für seine letztes Jahr geborene Tochter Ione "Chapter & Verse" spielt, ohne dass es übermäßig sentimental wird. Dafür sorgen nicht zuletzt seine punktgenauen Ansagen. Nie verrät er zu viel über sich selbst oder die Stücke, trotzdem sagt er genug, um neugierig zu machen. Ganz nebenbei hat er auch noch ein Händchen für unterschwelligen Witz. So vergleicht er die Schwangerschaft seiner Frau mit einem einzigen langen Acid-Trip ("Als Mann kannst du nichts anderes tun, als dabei zuzusehen") oder beschreibt sein früheres Zuhause wie folgt: "Die Gegend war so ländlich, unsere Nachbarn... die gab es nicht!" Obwohl nur mit seiner Akustikgitarre bewaffnet, gelingt es ihm dennoch, die Weite und mitunter auch Trostlosigkeit seiner Heimat auch in Münster lebendig werden zu lassen.
Doch nicht immer sitzt Taylor der Schalk im Nacken. Als er über seinen letztes Jahr nach langer Alkoholsucht verstorbenen Kollegen und Freund Jason Molina spricht, wird er plötzlich ganz ernst. Auch wenn der Song nicht von ihm handele, seit dem Tod des früheren Masterminds von Songs: Ohia und Magnolia Electric Co. müsse er bei "The Sufferer" immer an Molina denken, verrät er und singt im Anschluss eine ergreifende Version des Stücks, das solo noch um einiges emotionaler klingt als in der Bandversion auf der letztjährigen LP "Haw". Gleich danach spielt er sogar noch "What Comes After The Blues" von Magnolia Electric Co. und unterstreicht damit, wie sehr sein Schaffen bei allem Respekt vor der Tradition im Hier und Jetzt verankert ist. Bob Dylan, Neil Young oder Joni Mitchell sollen andere covern!

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Surfempfehlung:
hissgoldenmessenger.blogspot.com
www.facebook.com/HissGoldenMessenger
jellyfant.wordpress.com/artists/hiss-golden-messenger/
en.wikipedia.org/wiki/Hiss_Golden_Messenger‎
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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