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Konzert-Bericht
 
Standing In The Middle Of Love

Maria Solheim

Duisburg, Steinbruch/ Köln, Underground
15.03.2014/ 16.03.2014

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Maria Solheim
Wenn jemand mehrere Jahre aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit verschwunden war, wie in diesem Fall eben Maria Solheim, dann ist natürlich immer die Frage, inwieweit sich die alten Fans dann noch an diesen Act erinnern, wenn es denn mal einen Neuanfang gibt. Als Maria Solheim voriges Jahr ihr aktuelles Album "In The Deep" zunächst in Norwegen veröffentlichte, bevor es dann nun auch bei uns erschien, musste sie in vielerlei Hinsicht von vorne anfangen. Das Hauptproblem - das Platzen des Knotens der kreativen Blockade - hatte sie zu dem Zeitpunkt bereits gelöst: Durch eine Art Arbeits-Therapie nämlich und nicht zuletzt durch die Geburt ihrer Tochter Selma, der sie dann den "Sally Song" auf den Leib schrieb und damit den Prozess des Songwritens wieder in den Griff bekam. Dennoch war es natürlich nicht verwunderlich, dass die kleine Norwegerin bei ihrer ersten Tour nach fast acht Jahren ein wenig nervös war, als sie unsere Bühnen betrat.
Im Prinzip hätte es das nicht gebraucht, denn der Zuspruch zu den Konzerten entsprach eigentlich dem, wie er vorher auch schon gewesen war. In Duisburg drängten sich über 60 Gäste im dann doch fast zu kleinen Steinbruch-Club und im Kölner Underground waren es beim ungünstigeren Sonntagstermin zumindest noch 40. Der ungewissen Situation Rechnung tragend hatte Maria beschlossen, die Tour von vorneherein als Akustik-Tour anzulegen und ließ sich nur von ihrem alten Weggefährten, dem Multiinstrumentalisten Tor Egil Kreken und dessen nicht minder begabten, charmanten Gattin Mari begleiten. Diesen Umstand nutzte Maria dann auch gleich für eine der zuweilen zwischen den Songs eingestreuten Geschichten: Kreken sei kein besonders typischer, norwegischer Name, sondern die beiden seien eben miteinander verheiratet. Das sei für sie - Maria - besonders angenehm, weil sie so immer in der Mitte der Liebe stehe.

Das Material des Sets bestand, wie das so üblich ist, aus den subjektiven Lieblingen der alten CDs und den neuen Tracks von "In The Deep". Mehr noch bei diesen als bei den alten Nummern, die eh schon relativ folky waren, zeigte sich, dass die Reduzierung auf das Wesentliche genau das richtige Setting gewesen war. Denn die notwendige Umstrukturierung des Materials und die entsprechenden Arrangements für Gitarre, Bass, Mandoline, Banjo und Dulcimer entlockten dem Material die eigentlichen Qualitäten, die durch die Studioarrangements auf der Scheibe eigentlich aktiv gesucht werden müssen. Case in Point war der "Song Of Forgotten Songs". Dieses Stück schrieb Maria als Auftragsarbeit für ein Obdachlosen-Projekt. Es ist der erste Songs, den sie auf norwegisch geschrieben hat - obwohl er aus dem englischen Grundmaterial übersetzt wurde und für die CD wieder zurück ins Englische transferiert wurde. Bei den Konzerten spielte Maria dann die norwegische Version, die sich Welten von der Rockversion auf der CD entfernte. Zwar haben auch die CD-Versionen ihre Pluspunkte, aber in den Akustik-Versionen passte alles viel besser in die melancholische Welt der Maria Solheim (in der es immer grau und 18 Grad Kalt zu sein scheint, wie einer ihrer Songs definiert).

Den Titel ihres neuen Albums erklärte Maria auch: Ihre Vorfahren seien Fischersleute gewesen und auch sie fühle sich zum Meer hingezogen. Jedoch sei die Musik ihr Ozean und heute tauche sie in dessen Tiefen ab - nicht wissend, ob sie untergehen oder schwimmen wird. Im Prinzip hat Maria damit ihre Situation recht schön in ihr poetisches Universum eingegliedert. Maria Solheim 2014 kommt nachdenklicher, geerdeter aber auch relaxter rüber als jene Maria, die 2006 über unsere Bühnen hüpfte. Sie selbst meint, sie sei weniger naiv als früher. Klar, dass dadurch auch die Songs etwas ernsthafter und gewichtiger rüberkommen. Von wenigen Ausnahmen, wie dem "Movement Song" namens "My Suspicion" abgesehen. "Es ist vollkommen in Ordnung, wenn man bei meinen Konzerten schläft", meinte Maria vergleichsweise ernsthaft, "aber mein Movement-Song hilft euch, wach zu bleiben, wenn ihr wie ich dabei hin und her wackelt." Ach ja: Marias Markenzeichen, der nicht enden wollende Hofknicks, gibt es auch noch. Tor Egil an Bass, Banjo und Gitarre und Mari an der Mandoline und am wirklich mit Bedacht gespielten Dulcimer, den sie etwa mit einem Geigenbogen bearbeitete und dem sie sogar Melodien entlockte - überboten sich darin, die jeweiligen Songs auf immer wieder kurzweilige und interessante Art zu akzentuieren. Das Konzert in Duisburg war dabei stimmungsmäßiger und jenes in Köln jeweils etwas optimierter eingestellt. Als die Show in beiden Fällen mit "Lady Of My Life", dem Song, den Maria im Alter von 17 Jahren für die Hochzeit ihrer Schwester geschrieben hatte, zu Ende ging, gab es jedenfalls niemanden im Auditorium, der nicht zumindest mit einem zufriedenen Schmunzeln nach Hause gegangen wäre. Maria Solheim sorgte jeweils für eine versöhnliche, friedfertige, entspannende Verschnaufpause in unseren hektischen Tagen. Das ist schon eine Menge Wert.




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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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