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Konzert-Bericht
 
Ekstase im Nebel

Anna Aaron

Köln, Blue Shell
28.04.2014

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Anna Aaron
Dass es keinen Support beim Auftritt von Anna Aaron im Kölner Blue Shell gab, hatte vor allen Dingen wohl logistische Gründe - denn die Bühne war mit Instrumenten (vor allen Dingen einer Unzahl miteinander verkabelter Keyboards) dermaßen zugestellt, dass da schlicht kein Platz mehr für zusätzliche Musiker gewesen wäre. Gegenüber ihrem letzten Besuch in der Domstadt hatte die Schweizerin Cécile Meyer, die sich Anna Aaron nennt, offensichtlich mächtig aufgerüstet, wie ja schon das beeindruckende Sound-Universum, das sie auf ihrer gerade erschienenen, zweiten CD "Neuro" präsentierte, erahnen ließ. Gleich mal vorweg: All jenen, denen besonders die unkomplizierten Pop-Momente ihres Debüt-Werkes "Dogs In Spirit" gefallen hatten, standen insofern harte Zeiten bevor, als dass die schmächtige Dame und ihre Band ganz auf den fast idustrialen Science-Fiction-Charakter der düsteren Aspekte von "Neuro" konzentrierte.
Eine große Ernsthaftigkeit und Schwermut dräute da von der Bühne. Oft getrieben von einer gewissen New Wave-Ästhetik und teilweise in rohen, schmirgelnden Blues umbrechend arbeiteten sich Anna und ihre Musiker konzentriert durch zum Teil episch ausufernde Versionen ihres Materials. Nicht dass der Eindruck entsteht, das sei etwa unpassend oder uninteressant geworden - aber das (mit enormer Lautstärke und enormen Druck) vorgetragene Material überraschte dann doch in der konsequenten Ausrichtung auf schroffe Sounds. Tracks wie das fast chartmäßig poppige "Siren" blieben da definitiv die Ausnahme. Obwohl sich da teilweise die älteren Herren im Publikum irritiert an die Bar zurückzogen, strahlte das Unterfangen dann doch einen durchaus ästhetischen Reiz aus, denn es gab schließlich auch viel Reizvolles im Mix. Die Instrumentierung etwa, bei der die Gitarrenparts oft von der manisch agierenden Gitarristin (und Songwriter-Kollegin) Emily Zoe akustisch erzeugt wurden, in der es keinen Platz für einen eigenen Bass gab und in dem Anna Aaron ihre Parts wechselseitig auf einem Keyboard mit Wurlitzer-Setting, abgerufenen oder live eingesungenen Samples gestaltete, sorgte immer wieder für Überraschungsmomente. Und wenngleich sich Anna bei dieser Live-Show weit weniger chamäleonartig (oder soll man sagen: schizophren) gebärdete als auf den diesbezüglich unberechenbaren Konserven, gefiel dann doch wieder die Bandbreite die sie beim Gesang zeigte; der von (wenigen) flüsternd vorgetragenen Passagen im Stil eines musikalischen Liebesbriefes über kontrollierten Sirenengesang bis hin zum hysterischen Keifen gereichte (teilweise innerhalb eines einzigen Songs).
Kongenial unterstützt wurde Anna dabei übrigens von der zweiten Stimme Emilies, die wie eine Harpyie auf ihre Einsätze lauerte. Die Songs selbst wurden dann - unter Betonung der rhythmischen Aspekte - zu waschechten Live-Versionen aufgebohrt und von Anna z.T. mit dramatischen Gesten illustriert, während sich die Musiker dann teilweise regelrecht in Ekstase zuckten. Unterstützt wurde das Ganze von einer ausgeklügelten Beleuchtungsdramaturgie und dem Einsatz einer speziellen Nebelmaschine. Letzteren unterband Anna indes während des Konzertes und erklärte in einer der wenigen Ansagen, die sie ans Publikum richtete, dass sie allergisch gegen das Zeug sei und dass der Trockeneisnebel, den es früher gab, sowieso ganz giftig gewesen sei. Das machte aber nix, denn die Konturen bei einem Anna Aaron-Konzert können eigentlich gar nicht scharf genug sein. Dass Anna Aaron ihre oft überraschenden musikalischen Eskapaden intuitiv erarbeitet, erwies sich übrigens als fruchtbar, denn zu den Ergebnissen, zu denen eine Anna Aaron kommt, kommt man nicht, wenn man sich an die Regelbücher der Genremusik hält. Es präsentierten sich Anna Aaron und ihre Band am Ende vielleicht ein wenig geradliniger und lauter, als das nach dem Konsum der Konserven zu erwarten gewesen wäre - dafür aber auch weniger elektronisch ausgerichtet und keineswegs technokratisch oder gar steril. Ein faszinierender Live-Abend war das am Ende dann also durchaus.

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Surfempfehlung:
annaaaron.com
www.facebook.com/annaaaronmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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