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Blown Away

Lake Street Dive
Jake Isaac

Köln, Kulturkirche
16.05.2014

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Lake Street Dive
Das ist so eine Sache mit dem Phänomen Lake Street Dive. Zwar existiert das Quartett bereits nominell seit 2004, jedoch dauerte es (aufgrund vertraglicher Querelen) sozusagen bis zur offiziellen Veröffentlichung der aktuellen CD "Bad Self Portraits", bis die Band auch hierzulande einer breiteren Öffentlichkeit substantiell bekannt gemacht werden konnte. Dass Mike Olson und seine Musikanten dennoch auch vorher schon für Furore sorgten, liegt weniger daran, dass sie vorab schon diverse Tonträger auf diversen, dubiosen Kanälen veröffentlichten, sondern daran, dass das Unternehmen von vorneherein als Live-Band konzipiert wurde. Schon der Name weist darauf hin: Lake Street Dive ist schlicht und ergreifend ein Musikclub auf der Hauptstraße in Minneapolis (der Heimatstadt Olsons).
Auch bei uns war die Band - freilich in kleinerem Rahmen - schon live unterwegs. Dennoch überraschte es schon, dass die Kulturkirche am Ende aus allen Nähten platzte und die Band von der ersten Sekunde an geradezu frenetisch gefeiert wurde. Selbst der Support Act, der junge Songwriter Jake Isaac aus London, wunderte sich über den Zuspruch, der auch seinen Songs entgegen schlug. "Ihr scheint ja ziemlich höfliche Leute zu sein", meinte er verwundert zwischen zwei Songs, "aber interessiert euch das wirklich, was ich hier mache?" Auch der Gag aus dem Publikum, dass er sich ja schließlich in einer Kirche befände, konnte dann im weiteren nicht verhehlen, dass sich das Publikum echt für die anspruchsvolle Kost des jungen Mannes begeistern konnte. Isaac ist einer dieser Songwriter-Typen, der mit seinem Gitarrenspiel sozusagen verwachsen zu sein scheint. Seine vertrackt arrangierten, komplexen Kompositionen trägt er in einer Art rhythmisch akzentuierten Zwiegespräch zwischen Vocals und Gitarrenfiguren vor. Die virtuos hingeschlenkerten, filigranen Riffs und Pickings - irgendwo zwischen Led Zeppelin und Nick Drake (Isaac arbeitet akustisch) werden mit den mal kraftvollen und mal einfühlsamen Vocals zu einer jazzig/bluesigen Einheit verwoben, das mit den Aspekten konventionellen Folkpops angenehm wenig zu tun hat. Wenn Isaac dann man nachdrücklicher wird dann eher in Sachen Rock oder Soul - nicht aber als Pop-Songwriter.
Faktisch passte das vom Anspruch ganz gut zu dem, was Lake Street Dive live zu bieten haben. Nominell geht die Sache ja in Richtung Retro-Soul-Rock. Aufgrund dessen, dass die Band mit Rachael Price zwar eine charismatische Frontfrau besitzt, die aber - bis auf eine Ausnahme - selbst keine Gitarre spielt und zudem Olson selbst des Öfteren zur Trompete greift, obendrein Bassistin Bridget Kearny mit einem akustischen Bass arbeitet und abschließend auch noch alle Musiker einen Background als Jazzer haben, verwundert es nicht, dass das Klangbild einen jazzigeren, vor allen Dingen aber auch transparenteren Eindruck hinterlässt, als bei den Studioaufnahmen ersichtlich. Dieser Eindruck wurde noch dadurch genährt, dass das Publikum dazu tendierte, selbst bei nur angedeuteten Soli in Szenenapplaus auszubrechen. Es scheint also so, dass Lake Street Dive viele ihrer Fans aus der Jazz-Szene rekrutieren konnten. Kein leichtes Unterfangen übrigens, da dort ja gerne puristisch gedacht wird und Lake Street Dive keineswegs eine puristische Band sind. Ganz im Gegenteil: Die Band scheint wirklich in jeden einzelnen Song alle möglichen musikalischen Ideen gleichzeitig einbringen zu wollen. Das galt vom ersten Ton des Openers "Stop Your Crying" bis zur letzten Verbeugung nach der letzten Zugabe: Bei jedem LSD-Song gibt es eine virtuose, stilistische und performerische Vollbedienung, bei der sozusagen keine Wünsche übrig bleiben.

Beantwortet wurde das durch frenetischen Applaus und eine ungemein beflügelnde Stimmung, die Rachael Price bei ihrer ersten Ansage zu der Aussage hinriss: "Right now we are blown away". Und dabei ist das gar nicht so einfach, bei einem LSD-Song im klassischen Song "mitzugehen", denn kaum eine Nummer kommt ohne vertrackte Haken und Ösen und vor allen Dingen ständige Tempiwechsel aus. Freilich ist da die immense Spielfreude der Musikanten und die immer wieder atemberaubend/hinreißende Performance der ständig röhrenden Powerfrau Price, die das alles dann doch immens erleichtert. Es führt allerdings auch dazu, dass nahezu jeder Song mit der gleichen Intensität dargeboten wird und jede "Atempause" in Form einer Blues-Nummer ("Just Ask") oder Gospel-Nummer ("Bad Self Portraits") oder nur mal einem ruhigen Intro oder Solo dann doch irgendwie dankbar registriert wird. Und sei es auch nur als Verschnaufpause bis zur nächsten Full-Frontal-Darbietung. Rockig wird die Sache dennoch nicht, denn Olson verzichtet bei seinem Spiel auf alle Rock-Klischees und spielt stattdessen - im Stile klassischer Motown-Cracks - fast nur Rhythmus-Gitarre. Dafür swingt und groovt dann alles schön jazzig daher. Storyteller sind LSD auch nicht - auch wenn (wie z.B. in "Neighbors") mal Alltagsgeschichten aus dem Leben der Band (die zwischenzeitlich in NY ihre neue Heimat gefunden hat) erzählt werden. Dass bei solch einer Vollbedienung kein Raum für Beliebigkeiten bleibt, dürfte klar sein. Die Band - insbesondere Rachael Price - kontrolliert ihr Material bis hin zum letzten Akzent und zur letzten Drumroll. Und noch was: Auf der Setlist hatte ein Spaßvogel aus dem Paul McCartney-Cover "Let Me Roll It" tatsächlich "Let Me Rule It" gemacht. Das passte dann irgendwie.

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Surfempfehlung:
www.lakestreetdive.com
www.facebook.com/lakestreetdive
www.facebook.com/pages/Jake-Isaac/32761784510
soundcloud.com/iamjakeisaac
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Lake Street Dive:
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