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Lady In Red

Broken Twin
Talking To Turtles

Köln, Studio 672
17.05.2014

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Broken Twin
Dass das Headliner-Debüt der Dänin Majke Voss Romme und ihrem Projekt Broken Twin keine heitere Tanzparty werden würde, war ja schon alleine aufgrund ihrer bisherigen Veröffentlichung zumindest ungefähr zu erahnen gewesen. Insofern machte es dann Sinn, dass der Support von dem Leipziger Troubadour-Duo Talking To Turtles eingestielt worden war. Denn zuverlässig schaffen es Claudia Göhler und Florian Sievers - zumindest im Live-Kontext - die ideale Balance von melancholischen Inhalten, folkiger Darbietung und poppiger Zugänglichkeit auf die Beine zu stellen.
Im Prinzip funktionieren ihre "Light Versionen" - wie sie die für zwei Personen umarrangierten Live-Versionen ihres Materials nennen, im direkten Live-Kontext sogar besser als auf den dann doch wieder ambitionierteren Tonträgern (von denen der neueste gerade in Arbeit ist und durch ein paar neue Tracks entsprechend repräsentiert wurde). Die schüchterne und bescheidene Art, auf der das Duo seine angenehm Temperierten Folkpop-Elegien darbietet, und die verletzliche Nähe im intimen Rahmen nehmen den Hörer jedenfalls sofort für sich ein. Und dann noch was: Claudia und Florian sind Wahnsinnige, die für ihre Musik alles tun würden - zum Beispiel nur für solche Gigs zwischen Leipzig und Köln hin und her pendeln (und das haben sie nicht zum ersten Mal gemacht). Alleine schon deswegen verdienen sie unser aller Aufmerksamkeit. Auch wenn das Duo - wie allerdings viele Kollegen - auch keine besonders spannende Art, das Gitarren-Stimmen zu überbrücken sein eigen nennt.
Aufmerksamkeit verdiente dann im Folgenden auch Broken Twin - wobei Majke & Co. ein ganz eigenes Konzept entwickelt haben, diese auch einzufordern. Die Band war in der Besetzung Gitarre/Bass/Geige/Electronics und Piano/Stimme angereist. Das aber nur am Rande, denn irgendeine Art von fülligem Band-Sound durfte natürlich nicht erwartet werden. Bei Broken Twin geht es auch um etwas anderes. Zunächst mal wurde die Bühne konsequent in Rotlicht getaucht. Nichts sollte hier etwa von der Musik ablenken - schon gar nicht irgendwelche optischen Elemente oder eine erkennbare Performance. Maijke möchte vor allen Dingen eine geeignete Atmosphäre kreieren, in der sich die Musik dann breit machen kann. Dazu gehört auch, dass sie stets mit geschlossenen Augen singt und den direkten Kontakt mit dem Publikum vermeidet. Das darf aber nicht als despektierlich aufgefasst werden. Es scheint nur so zu sein, dass es Majke irgendwie unangenehm ist, im Mittelpunkt zu stehen (was sie sowieso nicht tut: Entweder sitzt sie seitlich am Klavier oder versteckt sich in der zweiten Reihe ihrer Musikanten). Ein Ausdruck der Teilnahmslosigkeit ist das also auch nicht.

Ganz im Gegenteil: Wie angespannt und konzentriert Majke ist, kann man daran ersehen, wie sie quasi am ganzen Körper zitternd und bebend ihr Material mit einer ungeheuren Intensität "durchlebt". Worum es ging, machte schon gleich der Opener "Sun Has Gone" deutlich: Um eine musikalische Interpretation der Düsternis und der Einsamkeit - bzw. umgekehrt das Fehlen von Licht und Glück. Dass das Debütalbum dabei "May" heißt, schlägt sich musikalisch - auch live - wirklich überhaupt nicht nieder. Und selbst Stücke mit Titeln "No Darkness" sind dann am Ende doch wieder ziemlich düster - auf jeden Fall aber melancholisch. Eigenartigerweise ist diese ganz spezielle Art von Slow Core, die - nicht zuletzt aufgrund der Geigenbegleitung - zuweilen einen kammermusikalischen, ja zum Teil gar liturgischen Charakter annahm - aber überhaupt nicht irritierend oder unerbittlich. Die einzelnen Tracks unterscheiden sich im Detail durchaus recht deutlich voneinander und sind zudem so getimt/gestaffelt/konstruiert, dass so etwas wie Langeweile überhaupt gar nicht aufkommen kann. Man nimmt ein Broken Twin-Konzert halt nur nicht wahr, wie ein Rock- oder Songwriter-Konzert, sondern etwa so, wie man auch ein Sigur Ros-Konzert erleben würde: Als wellenartig sich ausbreitendes Gesamtkunstwerk etwa. Wes Geistes Kind Majke Voss Romme dann auch ist, zeigte sie dann noch mit der zweiten Zugabe, in der sie Johnny Thunders "Can't Put Your Arms Around A Memory" auf ihre ureigene Art zu einem eigenen Stück umdeutete. (Es war indes durchaus als Cover-Version konzipiert, wie sie nach dem Konzert noch bestätigte.) Als dann das Licht wieder anging und sich Majke am Merchandise Stand den Fans stellte, erlebte man eine ganz andere Person als jene, die man - nach dem Anschein auf der Bühne - noch in die Autisten-Schublade hätte stecken können. Freundlich lächelnd, aufgeweckt und durchaus kommunikativ präsentierte sich Majike am Ende als ganz "normale" Person ohne Seelenschatten und Düsteraspekte - hier galt dann tatsächlich "No Darkness".

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Surfempfehlung:
brokentwin.com
www.facebook.com/brokentwin
www.talkingtoturtles.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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