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Sternenstaub

Robert Francis
The Melodic/ Maxim Ludwig

Köln, Kulturkirche
28.05.2014

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Robert Francis
Dass der Songwriter Robert Francis – zumindest in Europa - mit den großen Romantikern seiner Zunft zu recht in einer Reihe steht, konnte man bei seinem Besuch in der Kölner Kulturkirche schon allein daran erkennen, dass das Publikum vor allen Dingen aus jungen (und weniger jungen) Damen bestand - im weiten Abstand gefolgt von Hetero und Homo-Pärchen aller Couleur. Die ansonsten bei solchen Veranstaltung für gewöhnlich anzutreffenden Herren in Flanellhemden waren praktisch nicht vorhanden. Die besagten jungen Damen hatten im Vorfeld auch bereits dafür Sorge getragen, dass das Tor schon weit vor der geplanten Öffnungszeit überrannt worden war, so dass - als das Programm überraschenderweise eine halbe Stunde früher als angekündigt losging - das vorsorglich entstuhlte Auditorium auch tatsächlich schon gefüllt war.
Den Opener machte Roberts Gitarrist, Maxim Ludwig. Der Mann aus Los Angeles hat nicht nur einen deutschen Vornamen als Nachnamen, sondern spricht auch ziemlich fließend deutsch (gleichwohl er sich die emotionaleren Ansagen in englisch aufsparte). Ludwig ist auch ein Songwriter von eigenen Gnaden - hatte es aber versäumt, seine CD zum Verkauf mitzubringen (bzw. hatte keine mehr), so dass er - wie Robert Francis später auch - dazu aufforderte, sich auf der Mailing List einzutragen und die CD runterzuladen. Zum musikalischen Stil konnte man aufgrund des Solo-Auftrittes nicht so viel sagen: Francis spielte seine Songs auf der elektrischen Gitarre, die er mit einem gewaltigen Vibrato verbrämt hatte, so dass sich das Material eher nach Rocksongs als nach Lagerfeuer-Folk anhörte. Dabei nutzte Francis die großen Rock-Gesten, die er sich als Sidekick von Francis angeeignet hatte, auch für seinen eigenen Vortrag. Insgesamt machte Maxim als Solo-Künstler einen sympathischen Eindruck und schien echt vom Zuspruch für sein Tun angenehm angetan zu sein.

Den eigentlichen Support leisteten dann The Melodic aus London. Das Quintett, dessen Namen bei keiner der dahingenuschelten Ansagen zu verstehen war, hatte ebenfalls keine Tonträger zum Verkauf dabei. Das darf als marketingtechnisch nicht besonders geschickt angesehen werden, denn die Musik, die die Band bot mit ihrem eigenartigen Mix aus englischem Folkpop, afrikanischen Rhythmen, ihrer Verehrung des chilenischen Protestsängers Victor Jara (dem The Clash weiland schon ein musikalisches Denkmals setzten) und der eigenartigen Besetzung mit Gitarre, zehnsaitiger Ukulelen-Mandoline, Autoharp und zwei Melodicas eine höchst attraktive Mixtur von hohem Wiedererkennungswert und ansteckend guter Laune. Dabei bietet die Band mit Huw Schmidt und Lydia Samules zwei recht unterschiedliche Frontleute, die sich aber am Ende dann - vielleicht auch wegen der offensichtlichen Gegensätze - gut ergänzen. Die Band spielte das Material ihrer Debüt-Scheibe "Effra Parade" in einer ungemein lebhaften, ansteckend bewegungsorientierten Art dar, bei der sich die Musiker - zwar durchaus konzentriert und dabei ungemein virtuos agierend - hüpfend umtanzten. Dabei schadete es dann nicht, dass sie über ausgezeichnetes Songmaterial verfügen, inhaltliche Botschaften zu vermitteln haben und ihre Folkwurzeln durchaus demonstrativ zur Schau stellen. Solcherlei überraschende Support Acts wünschte man sich als Zuhörer durchaus öfter. Dabei machte es dann auch nix, dass das musikalisch mit dem, was Robert Francis mit seiner Band The Night Tide eigentlich zu bieten hat, nicht viel zu tun hatte: Hier stimmten einfach die Vibes und die Atmosphäre. Das man sich mochte, machte Francis im Folgenden dann deutlich, indem er Lydia später noch für ein Duett auf die Bühne zurück bat.

Das, was Robert Francis von vielen seiner Kollegen unterscheidet, ist der Umstand, dass er sich nicht alleine auf seinen Typ des attraktiv unrasierten Schönlings mit der akustischen Gitarre verlässt, sondern sich musikalisch recht eindeutig der Rockmusik verschrieben hat. Auch auf seinem aktuellen Album, "Haven", mit dem er sich soeben - nach einer Phase persönlicher Schwierigkeiten - musikalisch aus dem Sumpf gezogen hat, ist das so; im Live-Kontext gibt es jedoch viel weniger Konzessionen in Richtung Pop, Folk und Americana, die dort etwa als willkommene Stilmittel eingesetzt werden. Das ganze Set präsentierten Francis und seine Jungs elektrisch, wobei Robert zwischen einer 6- und einer 12-saitigen Gitarre wechselte und Maxim Ludwig zuweilen kurze Ausflüge an ein Keyboard beisteuerte. Francis selbst verfolgt dabei in etwa jene Strategien, die auch der junge Springsteen dereinst an den Tag legte. Nicht nur, dass sich in vielen von Francis Songs epische Riffs wie jene des Boss finden - sogar dessen Mimik und Gestik emuliert Francis zuweilen. Ja, er scheint sogar die gleiche Art von Schmerzen beim Spielen von Soli zu verspüren, bei denen er dann entsprechend groß angelegte Grimassen zieht und mit großer Geste das Publikum bedient. Das macht aber nix, denn dem ist ja die Frühzeit des Boss nicht persönlich bekannt und somit ist das neu für dieses.

Das Publikum ist dann auch in der Lage, wirklich jeden Songs lautstark mitzusingen - egal ob alt oder neu. Und für den Pop-Faktor sorgen dann am Ende die Vokal-Harmonien, die Francis und Ludwig mit vielen "Ohhs" und "Aahhs" zur Verstärkung der Refrains einsetzen - wie z.B. bei dem ordentlich marschierenden "Keep On Running" oder seinem Hit "Junebug", den er sich ganz bis zum Schluss als letzten Titel vor den Zugaben aufsparte. Und dann ist das noch der Romantik-Faktor, dem alle Songwriter, die das weibliche Publikum als Zielgruppe im Sinn haben, verpflichtet sind. Hier macht Robert Francis keine halbem Sachen. Natürlich hat er - wie alle großen seines Genres - dementsprechende Love-Songs mit einer Prise Männerschmerz im Gepäck, aber die Art, wie er sich hier inspirieren lässt, hat schon etwas Besonderes: Nicht nur, dass er Songs mit Titeln wie "Star Crossed" im Gepäck hat: Bei seinem Track "Little Girl", den er solo als Geburstagsständchen für eine Dame aus dem Publikum vortrug, schaffte er es etwa die Begriffe "Little Girl", "Rock'n'Roll" und ganze Passagen aus William Shakespeares "Romeo & Julia" in seinen Lyrics zu einer durchaus schlüssigen Melange zu verquicken. Viele Kollegen träumen ja heimlich davon, den großen Barden und den Rock'n'Roll miteinander in Einklang zu bringen - Robert Francis gebührt die Ehre, das tatsächlich auch geschafft zu haben. Und das vollkommen unpeinlich und ohne dass es aufgesetzt wirkte.

Bei all dem fällt dann auf, dass natürlich Robert Francis nichts Neues macht - jedoch macht er das was er tut, dann auch ziemlich perfekt. Dazu gehört auch, dass seine Band da durchaus ins Bild passt und seine Manierismen mit unauffälliger handwerklicher Perfektion, aber augenscheinlich mühelos und lässig umspielt. "Ich liebe diese Band", meinte Francis dann auch bei einer seiner wenigen Ansagen zum Publikum hin. Letztlich zeigte Francis mit diesem Auftritt, dass man nicht einfach nur gefällig sein muss, um als Songwriter heutzutage bei den Damen punkten zu können, sondern sich durchaus so etwas wie eine konkrete musikalische Identität leisten kann.

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Surfempfehlung:
www.robertfrancismusic.com
www.facebook.com/robertfrancisofficial
themelodic.com
www.facebook.com/MaximLudwig
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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