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In des Teufels Küche

The Devil Makes Three
North Alone

Köln, Stadtgarten
11.06.2014

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The Devil Makes Three
In den USA gehören The Devil Makes Three zur ersten Riege der populären Vertreter der traditionellen Americana-Szene - spätestens seit sie von Mega-Acts des Genres als Support adoptiert wurden; wie z.B. von Emmylou Harris, Rodney Crowell oder Willie Nelson, nachdem sich diese von der Naturgewalt ihrer Live-Performances hatten mitreißen lassen. Nachdem das gesagt ist, heißt das aber normalerweise nicht, dass das für Acts aus dieser Ecke ein Freifahrtschein für den Erfolg auch in unseren Breiten ist, da es hier doch um ziemlich Ur-Amerikanisches Kulturgut geht, das sich nicht so nahtlos in andere Kulturkreise transferieren lässt, wie Rock- oder Popmusik. Sei es drum: Die erste Tour von The Devil Makes Three in unseren Landen war dann tatsächlich ausverkauft.
Im ansonsten gegenüber traditionellen Musikstilen weniger aufgeschlossenen Köln war dieser Umstand zumindest erklärbar: Der Großteil des Publikums bestand aus mitreisenden Hardcore-Fans und massig Niederländern. Diese standen dem kurzfristig eingesetzten Support-Act, dem wackeren Manuel Sieg alias North Alone und seinem ebenso wackeren (und zunehmend virtuoser agierenden) Stehgeiger So-Kumneth Sim zunächst mal zurückhaltend gegenüber. Immerhin gelang es dem bärbeißigen Mann mit den geradlinigen und manchmal auch ein wenig simplen Storyteller-Songs das Publikum zumindest etwas näher an die Bühne heranzulenken. North Alone, der seine Wurzeln aus der Punk-Vergangenheit durch einen immens kraftvollen Vortrag zu betonen weiß, passte - was die Americana-Ausrichtung seines Materials betrifft - eigentlich ganz gut zum Thema des Abends. Allerdings bedarf es schon einiger Konzentration, um die doch etwas blauäugig-naiven Inhalte seiner Songs, die er unnötigerweise auch noch auf Deutsch vorher zusammenfasst, auszublenden. Immerhin: Am Ende gab es dann doch relativ begeisterten Zuspruch seitens des Publikums.
Was dann folgte, war eine dieser Live-Parties im überfüllten Blue Shell, wie es sie eigentlich doch viel zu selten gibt. Vom ersten Ton des Openers "Strangers" bis zum letzten der Zugabe hatte das Trio aus Vermont das tobende (und bemerkenswert jugendliche) Publikum - nun, wenn doch nicht im Griff, dann aber doch zumindest in der Hand. Denn die wilde Bande konnte nicht nur jeden einzelnen Song von vorne bis hinten mitsingen, sondern trieb die Musiker mit ständigen Zwischenrufen, fanatischem Fan-Gekreische, Song-Wünschen und wildem Party-Gehopse immer wieder zu neuen Höchstleistungen an. Das war dann wirklich wie eine Party in des Teufels Küche (zumal der Club auch gut geheizt war). The Devil Makes Three boten ihren Power-Speed-Ragtime grundsätzlich immer druckvoll am Anschlag lavierend dar.

Im Vorfeld war ja des Öfteren kolportiert worden, dass The Devil Makes Three dem Bluegrass-Umfeld zuzurechnen seien - wohl auch deswegen, weil sie in dieser Szene mit ihrem akustischen Ansatz entsprechende Erfolge eingefahren haben. Rein musikalisch stellte sich das im Live-Kontext allerdings ein wenig anders dar. Während es z.B. auf der letzten Scheibe, "I'm A Stranger Here", durchaus noch Bluegrass-Momente gegeben hatte (ebenso wie Rock- und Folk-Elemente), wurden die meisten der hier dargebotenen Nummern in einem relativ geradlinigen Ragtime-Setting dargeboten, das zuweilen mit Rockabilly-, und Swing-Versatzstücken verbrämt wurde. Country- oder eben Bluegrass-Einflüsse gab es aber kaum und auch genretypische Storytelling-Songs (wie z.B. das musikalische Portrait über Paul Davis, einen Freund von Sänger Pete Bernhard) bilden die Ausnahme im Programm. Dafür gibt es ulkig-joviale Rausschmeißer wie den neuen Track "Halleju" (wohl gemerkt nicht etwa "HalleluJA"). Eher gibt’s dann schon mal Walzer- oder Polka-Rhythmen, mit "Black Irish" ein wenig Irish-Folk, öfters reinrassigen Swing und ab und an - besonders dann, wenn der Gitarren-Roadie zur Fidel griff - auch Folk. Dass sich die drei Protagonisten auf der Suche nach Punk-Rock-Shows kennengelernt hatten, ist heutzutage insofern noch zu erahnen, als dass sie ihren "hart gebogenen Genremix" (Bernhard) nicht, wie es üblich ist, mit einem besonderen Augenmerk auf die virtuosen Fähigkeiten, sondern druckvoll und geradlinig präsentieren. Gitarrist Cooper McBean, der auf dieser Tour mit einem gewaltigen Schrat-Bart auftauchte, attackiert etwa auch sein Banjo eher wie eine Gitarre und Bassistin Lucia Turino ersetzt mit ihrem akzentuierten Spiel die eigentlich fehlende Rhythmusgruppe schon ziemlich vollständig (übrigens ohne sich in Rockabilly-Klischees zu verlieren).

Tja - und dann war da ja auch noch das Publikum, das für eine brodelnde, kochende Party-Stimmung sorgte, die man in dieser Konsequenz an diesem Ort auch noch nicht so oft beobachten konnte. Am Ende war dann auch nicht mehr auszumachen, wer da eigentlich wen antrieb. Der Band gefiel das jedenfalls, auch wenn sie wohl bis an ihre Grenzen gehen musste. "Wir kommen auf jeden Fall zurück nach Deutschland", meinte Bernhard zum Schluss, "das ist ein Versprechen!" Kurzum: Einen gelungeneren Einstand als Live-Act hätten The Devil Makes Three nicht abliefern können - und es darf bezweifelt werden, dass die nächste Tour noch mal in solch intimen Rahmen stattfinden wird.



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Surfempfehlung:
www.thedevilmakesthree.com
www.facebook.com/thedevilmakesthreemusic
northalone.blogsport.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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