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Wettermusik

Dean Wareham
Die Sonne

Köln, Gebäude 9
29.07.2014

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Dean Wareham
Schöner hätte es Dean Wareham wahrlich nicht formulieren können: Als er beim Soundcheck seinen neuen, von einem Sonett inspirierten Titel "Love Is Not A Roof Against The Rain" spielte, ging über Köln gerade einer der üblichen Sommer-Sturzbäche runter – wie um das Ganze eindrucksvoll zu illustrieren. Die Wetter-Verschwörung ging aber noch weiter: Als Support gingen die Kölner Lokalmatadoren Die Sonne an den Start. Die Sonne ist das Folgeprojekt von Oliver Minck und Benedikt Filleböck, die zuvor als Duo Wolke auf sich aufmerksam gemacht hatten. Wolken und Sonne bringen am Ende und nach den Erfahrungen dieses Sommers eben unter Umständen auch mal Regen. Und so wunderte sich Oliver denn auch, ob der Name der Band damit irgendwie zu tun haben könnte. Kurz gesagt: Die Sonne machen – anders als noch Wolke - Gitarrenorientierten Deutschen Rockpop - und überzeugten bei dieser Vorstellung restlos.
Wo ähnlich orientierte Kollegen oft rumkrampfen, sich anbiedern oder auf Comedy machen, haben Oliver Minck & Co., einen Weg gefunden, Anspruch und Unterhaltung mit leichter Hand miteinander zu verquicken. Warum? Nun, weil schon bei Wolke offensichtlich wurde, dass sich Oliver Minck nicht zu schade war, in Sachen Pop zu denken und deswegen sehr viel unverkrampfter an das Thema heranging, als manch anderer Act. Dass man dazu auch intelligente, vielseitige Musik gestalten kann und Texte, die weder peinlich berührt noch schenkelklopfend pfiffig sein wollen, sondern einfach ordentlich neben der Musik existieren möchten, zeigten Die Sonne auch. Musikalisch gab es da ziemlich viel zwischen New-Wave, Rock, Schmusepop und stadientauglichen Hymnen (nun ja - so ähnlich assoziierte es Minck jedenfalls). Am Ende war dann wirklich nicht zu erkennen, warum nur ca. 20 interessierte Zuschauer im Auditorium verblieben waren.

Seit Dean Wareham - damals noch mit seiner Band Luna - das letzte Mal im Gebäude 9 gastiert hatte, sind nun auch schon wieder ca. 12 Jahre ins Land gegangen. Viel verändert hat sich da eigentlich nicht (weder im Gebäude 9 noch bei Dean Wareham). Dass der Mann mittlerweile unter eigenem Namen agiert, schlägt sich musikalisch nämlich viel weniger nieder, als man denken könnte. Im Prinzip spielt Dean immer noch die gleiche Musik, die er weiland mit Galaxie 500 lostrat und bis heute - mit nach wie vor vorhandener Ehrfurcht vor Velvet Underground und Andy Warhol - zelebriert. Nur dass er heute sehr viel bessere Songs schreiben kann, zu einem selbstsicher-souveränen Sänger heranreifte und auch mal richtig losrocken kann. Letzteres freilich schob Dean am Ende auf den Soundmixer, der der ganzen Sache so richtig Druck und Schmackes verliehen hatte.

Das Programm bestand weitestgehend aus Material von Deans Solo-Bemühungen - der EP "Emancipated Hearts", mit deren Titeltrack er auch gleich die Show eröffnete und der LP. Hinzu kamen einige liebgewonnene Gassenhauer aus Galaxie 500- und Luna-Zeiten. Stücke wie "Temperature's Rising" und "Tiger Lily" wurden von dem (inzwischen dann doch vollständig erschienenen) Kölner Fanclub auch gleich mit Szenenapplaus bedacht und entsprechend gefeiert. Vielleicht auch deswegen gelangen die Versionen besonders gut. Dean Wareham gilt ja gemeinhin als der Mann, der die heitere Gelassenheit - wenn dann auch nicht unbedingt erfunden, so doch immerhin - gepachtet hat. Es gibt nichts, was einen Dean Wareham aus der Contenance bringen könnte. Umso erstaunlicher war es, dass er dann sein melancholisches Gesicht gleich mehrfach zu einem Lächeln verzog. Trotz der verregneten und mäßig besuchten Veranstaltung schien die Sache Dean tatsächlich Spaß zu machen. Im zweiten Teil der Show - besonders im letzten Drittel und bei den Zugaben - versammelte Dean dann all seine Drones - "Babes In The Woods", "Blue Thunder", "Tugboat", "Lost In Space" - das schepperte dann ganz ordentlich (und nur mäßig psychedelisch) dahin. Der Grund, warum Dean seinerseits das Projekt Luna beendet hatte, war der, dass er erstens mit seiner Frau, Britta Phillips (deren angekündigtes Solo-Album übrigens noch bis nächstes Jahr auf sich warten lässt, wie sie mitteilte) als Dean & Britta ein neues Standbein aufgebaut hatte, und zweitens, dass Sean Eden, der ehemalige Luna-Gitarrist ausgestiegen war. Mit jenem hatte sich Dean weiland inspirierte Gitarrenduelle geleistet - und das ist vielleicht auch das, was Dean Wareham solo von Luna unterscheidet, denn die Gitarren-Soli steuert heutzutage Dean alleine bei. Der zweite Mann für solche Fälle, Raymond Richards, sieht sich nach eigener Aussage eher als vierarmiger Allrounder, der auch mal zu Keyboards und Bass greift, denn als Gitarrenheld. (Dabei muss er noch ein wenig üben: Als Britta Philips mal ans Keyboard wechselte, spielte Raymond munter in einer falschen Tonlage - die richtige musste Britta ihm schmunzelnd zurufen.)

Damit wären wir beim technischen Teil: Weder bei Galaxie 500, noch bei Luna, noch bei Dean & Britta und schon gar nicht Dean Wareham selbst kommt es auf technische Perfektion an. Zwar ist es keineswegs so, dass er - wie ein irregeleiteter Kritiker mal behauptete - mit mittelmäßigen Leistungen, die von gelegentlich genialischen Inspirationen durchsetzt seien, zufrieden sei - aber: Dean Wareham ist ein sehr empathischer Musiker, der den Moment, die Umstände und das Zusammenspiel mit seinen Musikern wichtiger nimmt, als saubere, vorhersehbare Abläufe. Deswegen wird bei Konzerten auch immer etwas gewagt, experimentiert und gegen den Strich gebürstet. Das kann dann dazu führen, dass es mal hakelig oder umständlich wird - aber andererseits auch zu regelrecht erhebenden Momenten. Wer das nicht mag oder als Makel begreift, der ist bei einem Wareham-Konzert sowieso nicht richtig. Die Fans jedenfalls waren - wie auch wohl Dean selbst - mit dem Konzert durchaus zufrieden. Schon alleine deswegen, weil man den Guten ja offensichtlich nur alle 12 Jahre ein Mal zu Gesicht bekommt.



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Surfempfehlung:
www.deanwareham.com
www.facebook.com/DeanWareham
www.deanandbritta.com
en.wikipedia.org/wiki/Galaxie_500
www.facebook.com/mehrsonne
sonnesonnesonne.tumblr.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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