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Madison Violet
Emily Barker

Köln, Kulturkirche
06.11.2014

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Madison Violet
Immer häufiger kommt es in letzter Zeit vor, dass diese und jene Acts - zum Beispiel auch Madison Violet - vor der offiziellen Veröffentlichung der jeweils neuen CD auf Tour gehen. Über den Sinn solcher Aktionen kann man sich streiten - im Falle von Madison Violet kann solch ein Konzept aber natürlich aufgehen, denn Brenley MacEachern und Lisa MacIsaac können sich in Deutschland - insbesondere in Köln und hier insbesondere in der Kulturkirche - auf eine alteingesessene, treue Fangemeinde verlassen. Diese indes wurde - vorbehaltlich etwa im Vorfeld betriebener Studien oder Besuche anderer Shows der aktuellen Tour, auf der Köln die Station 22 darstellte - auf der falschen Gesäßbacke erwischt. Denn selbst ein gewiefter Semiotiker (ein Zeichendeuter also) hätte Schwierigkeiten gehabt, alleine aus dem im Vorfeld verstreuten Anzeichen herauszulesen, was insbesondere treue Fans, die mit einer gewissen Erwartungshaltung an die Sache herangehen, auf dieser Tour erwartete.
Aber der Reihe nach: Zunächst ein Mal eröffnete die Australierin Emily Barker - eine Labelkollegin von Madison Violet - den Abend mit einem Solo-Set. Seit ihrem letzten Köln-Besuch hatte Emily dazugelernt, ein paar Worte auf Deutsch einstudiert und fragte auch nicht mehr, wie der Fluss denn hieße, an dem Köln liege. Die Stories, mit denen sie ihr Programm ergänzt, waren dieselben geblieben - etwa jene von der 12-stündigen Autofahrt an den Strand, im Verlaufe dessen sich die reisende Barker-Familie - was die musikalische Unterhaltung betrifft - einzig auf Springsteens "Tunnel Of Love" habe einigen können, weswegen sie auch wieder dessen "Tougher Than The Rest" als Coverversion spielte. Des Weiteren erfuhren die Zuhörer, dass Emily holländische Wurzeln hatte, wonach sie erst nach dem Tod der Großeltern erfahren hatte und dass es in ihren Songs darum geht, einen Platz im Leben zu finden bzw. diesen bewusst zu erfahren. Das Programm bestand aus Stücken ihres aktuellen Albums "Dry River" und einem neuen Track - jedoch keinem ihres aktuellen Nebenprojektes Vena Portae.
Musikalisch passte Emilys locker-flockiger und vom Publikum eifrig beklatschter Folkpop sehr gut zu dem, was Madison Violet bislang auf der Bühne geboten hatten. Die Betonung liegt hier auf "bislang" - denn mit der neuen CD wurde alles anders. Womit wir bei der Zeichendeutung wären: Die CD heißt "Year Of The Horse" und bezieht sich auf das chinesisch Jahr des Pferdes - was ein Sinnbild für ein Jahr der Veränderungen ist. Diese machten sich dann auch schon durch das auf der Bühne versammelte Instrumentarium bemerkbar. Neben auffällig vielen elektrischen Gitarren standen dort nämlich ein Drumkit, ein Bass und diverse Keyboards bereit. In den Interviews zu der neuen Scheibe hatten die Damen des Weiteren darauf hingewiesen, dass man doch bitte unbedingt das neue Bildmaterial beachten solle, das die Mädels in einem vergleichsweise rockigen Outfit zeigte, was sich dann auch bestätigte, als sie nach einer kurzen Pause mit zwei zusätzlichen Musikern und in Lederjacken die Bühne betraten und... nun ja, wie soll man sagen... losrockten.

Genau genommen gab es keinen Rock, sondern druckvolle Popmusik - aber für MV-Verhältnisse war das, was da von der Bühne quoll, schon sehr, sehr energisch und flott. Brenley und Lisa haben sich für "Year Of The Horse" musikalisch nämlich komplett neu aufgestellt. Der Folkanteil in den Songs wurde konsequent zurückgefahren und dafür gibt es Pop- und Disco-Elemente en Gros. Madison Violet 2014 ist grundsätzlich als Tanzparty ausgelegt. Das Problem dabei ist dann zunächst mal das Grundsetting, denn wie bisher, war auch dieses Konzert mit den Kirchenbänken bestuhlt. Die Reaktion des Publikums war demzufolge irritiert. Zum Beispiel zeichnete sich eine ganze Reihe von emsigen Claqueuren dadurch aus, dass sie bereits die Emily Barker-Songs zuvor mit entsprechenden perkussiven Elementen aufzupeppen gesucht hatten. Als nun Madison Violet zunächst ein Mal das neue Material spielten, verstummte das Geklatsche ganz schnell und das Publikum hörte erst mal interessiert zu. Am Ende der Songs toste dann allerdings wieder der Beifall im gewohnten Umfang, sodass davon auszugehen ist, dass das Publikum den Stilwandel mit machte. Allerdings wendet sich das musikalisch äußerst jugendlich aufbereitete Material eigentlich auch an ein jüngeres Publikum - das zumindest in Köln indes deutlich in der Minderzahl war. Es wird spannend sein, zu beobachten, inwieweit es Madison Violet gelingen wird, ein neues Publikum zu erschließen.

Musikalisch war die Sache - trotz der einen oder anderen Synthie-Einlage - recht erdig angelegt. Lisa spielte z.B. nur noch gelegentlich Geige, sondern griff zunächst zum Bass und dann zur E-Gitarre und auch Brenley griff des Öfteren nach diesen Instrumenten. Inhaltlich hat sich hingegen nicht so viel geändert. Es geht immer noch um mehr oder minder persönlich gefärbte Songs aus dem familiären Umfeld - beispielsweise Lisas "Ohio" über einen Aufenthalt ebendort oder Brenleys "Hang On, Mama", das sie für ihre erkrankte Mutter als "Durchhaltesong" geschrieben hatte. Brenley hat übrigens damit begonnen, mit einem Übersetzungsprogramm Deutsch zu lernen. Zwar radebrach sie zum Teil recht abenteuerlich durch die Gegend, aber einer Kanadierin kann alleine das Bemühen gar nicht hoch genug angerechnet werden und es zeigt auch den Stellenwert, den Deutschland für Madison Violet eingenommen hat. Da man die beiden zusätzlichen Musiker nicht nur zum Spaß mitgenommen hatte, wurde die Chance genutzt, auch älteres Material, wie z.B. den heimlichen Hit "If I Could Love You" im neuen Gewand zu spielen. Hier hatte das Publikum dann auch keine Probleme mehr mit dem neuen Klangbild. Als Lisa zum Beispiel dem Publikum den Gesangsteil von "Come As You Are" vorsingen wollte, legte dieses von selber gleich los. Und schließlich gab es im letzten Drittel des Konzertes dann auch einen Solo-Teil, bei der die Songs (mit elektrischer Gitarre zwar) dann wieder im Duo-Format vorgetragen wurden.

Am Ende der - wie üblich recht langen Show - verfestigte sich dann die Vermutung, dass es in dem Fall vielleicht nicht die schlechteste Idee gewesen war, vor der Veröffentlichung der CD zu touren, denn so konnte das Publikum auf sozusagen organische Art an den neuen Stil herangeführt werden. Ach so: Sympathisch ist der Grund, warum Madison Violet von ihrem bisherigen Erfolgskonzept abgewichen sind und sich nun im Pop-Gewand präsentieren: "Wir werden langsam älter", erklärt Brenley hierzu, "da müssen wir uns einfach ein bisschen mehr bewegen."

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Surfempfehlung:
madisonviolet.com
www.emily-barker.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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