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Konzert-Bericht
 
Exotische Messe

Marketa Irglova
Rosi Golan

Köln, Kulturkirche
11.11.2014

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Marketa Irglova
"Schön, dass ihr an diesem unsinnigen Abend den Weg in die Kulturkirche gefunden habt", begrüßte Pastor Thomas Diederichs das Publikum, das trotz der Eröffnung der Karnevals-Session (was in Köln einem amtlichen Feiertag gleichkommt) zum Konzert von Marketa Irglova gekommen war. Und das war dann sogar recht vollständig angetreten, denn die Sitzbänke waren am Ende komplett gefüllt. Das Programm eröffnete dann Rosi Golan aus New York, die zusammen mit ihrem Partner Brendon Walters und als Teil der Marketa Irglova Band diese auf Tour begleitete. Marketa hatte Rosi bereits in ihrer New Yorker Zeit kennengelernt, wie sie später erläuterte, während Pläne für eine gemeinsame Zusammenarbeit erst zu dieser Tour realisiert werden konnten.
Die israelisch-stämmige Songwriterin ist des Öfteren in unseren Breiten unterwegs - wenngleich sie physikalisch hier noch nichts veröffentlicht hat - ihre drei CDs sind (außer bei Konzerten) offiziell bei uns nur als Download erhältlich. Der Qualität ihrer geschickt konstruierten Songs tut dieses natürlich keinen Abbruch. Rosi, die sich von Anfang an kumpelhaft an das Publikum wandte, ist eine dieser Songwriterinnen, die es - zumindest in den USA - über Platzierungen ihres Materials in Film- und Fernsehproduktionen und Werbespots zu Ruhm und Ansehen gebracht haben. Was nicht heißen soll, dass sich ihr Material als Popmusik per se bezeichnen ließe. Die feinsinnig konstruierten Songs variieren vom Aufbau und der Struktur her erheblich und bieten auch melodiös einige attraktive Aspekte. Dass Rosi mit dem Songwriter William Fitzsimmons professionell verbandelt ist (der auf ihrer letzten CD "Fortuna" als Duettpartner bei dem Song "Hazy" mitmachte), macht Sinn, denn wie der stille Riese hat es auch Rosi nicht so sehr mit den lauten Tönen, sondern setzt auf ruhige, melancholisch gefärbte, melodiöse Songs. Ihr Gitarrist, Brendon Walters, übernahm nicht nur die männlichen Gesangsparts, sondern auch die Rolle des "Fall Guy", auf dessen Kosten Rosi ihre Witzchen machen durfte (z.B. indem sie Brendon versteigern wollte). Insgesamt passte das alles recht gut zu dem, was danach folgen sollte - was ja auch nicht so erstaunlich war, da Marketa und Rosi offensichtlich eine ähnliche Zielrichtung anstreben.
Als Marketa noch mit Glen Hansard zusammen das Swell Season Projekt aktiv betrieb, meinte sie auf die Frage, warum ihre Gesangsbeiträge dortselbst im Verhältnis relativ gering seien, dass sie schlicht nicht gerne im Mittelpunkt stehe. Wenn man dann allerdings eine Solo-Karriere anstrebt, muss dieses Konzept natürlich noch mal überarbeitet werden. Marketa hat für sich dabei die ideale Lösung gefunden, als dass sie - als Haupt-Akteurin - links am Rande der Bühne hinter ihrem Piano sitzt (das sie gelegentlich auch als Orgel verwendete), während sie das optische Zentrum ganz ihrer iranisch-stämmigen Perkussionistin Aida Shahghasemi überlässt. Auf der linken Seite kommen dann noch die Frames-Musiker Rob Bochnik und Joe Doyle hinzu, während Rosi Golan hinter Marketas Piano positioniert war.

Für den Live-Vortrag hatte Marketa die zum Teil recht komplexen, fülligen Arrangements ihrer beiden Solo-Scheiben "Anar" und "Muna" auf elegante Art entschlackt und schaffte es so mühelos ein sehr intimes Setting zu produzieren. Das auch deswegen, weil Marketa sehr, sehr leise singt und die Arrangements schon alleine deswegen sehr feinsinnig angelegt sind. Dabei gelang es der Band, mit den fünf vorhandenen Stimmen den teilweise auf den CDs zu beobachtenden Gospel Faktor recht anschaulich zu emulieren. Ansonsten bot das Setting eine unerwartet deutliche orientalische Prägung. Teilweise wegen der Melodieführung Marketas, teilweise, weil Rob Bochnik filigrane Gitarrenornamente miteinander verflocht, die nun wirklich mit Rockmusik nichts mehr zu tun hatten - hauptsächlich aber aufgrund Aidas faszinierender Präsenz an ihrem exotischen Percussion-Instrument, dem Daf. Das ist eine freihändig getragene Flachtrommel in der Art einer irischen Bodhran, die indes nicht mit Drumsticks, sondern mit den Fingerkuppen gespielt wird. Mittels einer geschickten Platzierung von zwei Mikrofonen hinter dem Instrument, entstand so ein erstaunlich voluminöser Sound. Gute Gastgeberin, die sie ist, überließ Marketa Aida dann auch eine Solo-Nummer, um die Möglichkeiten dieses Instrumentes zu demonstrieren.

Das Programm des Abends bestand vorzugsweise natürlich aus den epischen Nummern des aktuellen Albums "Muna", die dank Aidas Beiträge einen stark betonten, rhythmischen Akzent erhielten, sowie einigen älteren Tracks - darunter natürlich auch Swell Seasons "If You Want me" und "Falling Slowly", mit dem Marketa das Konzert offiziell beendete. Als kleines Bonbon gab es dann noch eine Coverversion von Sam Smiths "Stay With Me", die Marketa Rosi Golan und Brendon Walters überließ. Zunächst schien es, als wolle Marketa nicht so recht mit dem Publikum kommunizieren - doch dann taute sie sichtlich auf und plauderte munter darauf los - erwähnte, dass sie zwar an dem Tag nicht beim Karneval gewesen wäre, dennoch aber nur nette Leute kennengelernt habe, erklärte ihre Beziehung zu Rosi Golan, erläuterte, was sie an Aida Shahghasemi so faszinierte und erklärte ausführlich die Geschichte hinter den Dreharbeiten zu dem Video ihres favorisierten Songs "The Leading Bird" (bei dem sich eine schwangere Tänzerin aus Brasilien um den Job als Darstellerin beworben hatte und in dem es um freiheitsliebende Flugtiere geht, die wir als Menschen so beneiden), der dann auch in einer ausführlichen Version inklusive ekstatischer Daf-Einlage dargeboten wurde. Nicht zuletzt aufgrund der einfühlsamen Band und der freundlichen Art, wie sich Marketa hinter ihren eigenen Songs zurücknimmt und keineswegs nur der Location wegen, geriet dieser Konzertabend am Ende zu einer eindrucksvollen, spirituellen Erfahrung. Und: Marketa Irglovas Musik im Live-Kontext erscheint weit weniger melancholisch als das Material ihrer Tonträger vermuten ließe.

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Surfempfehlung:
2014.marketairglova.com
www.facebook.com/MarketaIrglova
www.rosigolan.com
www.facebook.com/rosigolan
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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