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Der Schwarzkopf-Effekt

Ida Gard

Köln, Die Wohngemeinschaft
28.11.2014

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Ida Gard
Ida Gard entspricht so gar nicht den Vorstellungen, die man sich von einer skandinavischen Songwriterin im Allgemeinen so macht. Genau genommen, entspricht sie überhaupt keinen Vorstellungen. Das weniger, weil sie ihre Haare in Form einer Rosinenschnecke auf dem Kopf arrangiert hat (das wurde im Folgenden auch hinreichend erklärt), sondern weil sie eine der wenigen ist, die verstanden haben, dass ein Tonträger und eine Live-Performance durchaus zwei grundverschiedene Dinge sein dürfen. Wer jedenfalls Ida Gard bislang nur von ihren zwei LPs her kannte (von denen die soeben erschienene zweite Scheibe "Doors" der Gegenstand der aktuellen Tour war), der dürfte jedenfalls recht überrascht gewesen sein, von der angenehm unkonventionellen Art, mit der Ida und Ihre Drummerin Anne Kristin Winkler das Material live umsetzten.
Das heißt: Wenn sie es denn umsetzen, denn ein Gutteil der Show bestand aus neuen Songs, von denen einige sozusagen songwriterisch noch warm waren. Was auf den Tonträgern noch als gutgelaunt blubbernder Elektro-Pop mit hohem Keyboard-Abteil daherkam, war nämlich im Live-Kontext konsequent auf das Stimmen/Gitarre/Drums Indie-Duo-Format eingedampft worden. Mit erstaunlichen Folgen, denn in diesem luftigen Ambiente blieb sehr viel mehr Raum für die Aufmerksamkeit auf Idas betont humorvolles Storytelling, das die gute Ida zudem auch auf sympathische Weise und ausführlichst erläuterte. In der Tat hat es schon lange keine Songwriterin mehr gegeben, die sich und ihr Leben auf der Bühne auf dergestalt unterhaltsame, abwechslungsreiche und überraschende Art erklärte. Am Ende kannte man als Zuhörer Ida Gard tatsächlich sehr viel besser als vor dem Konzert - und das kommt nicht allzu oft vor.

Was Ida Gard als Songwriterin so einzigartig macht, ist der Umstand, dass sie ihre eigentlich ganz alltäglichen Beobachtungen auf humorvolle Art universell zugänglich macht. Der Zuhörer freut, lacht, leidet und wundert sich mit Ida Gard. Und auf die Perspektiven, die Ida in ihrem Material wählt, muss man auch erst mal kommen. So singt sie über so unterschiedliche Sachen, wie einen Schwan, den sie im Kreise ihrer Familie verzehrt haben will, ihre Füße, den Wunsch, Konkurrentinnen umzubringen, den Grund, warum sie ihre Scheiben selbst herausbringt, die Abenteuer, die man als liebestolle 13-jährige in dänischen Kleinstädten erleben kann, Deutschland oder Einwegrasierer und andere Probleme, die man mit Frisuren haben kann. Das Thema hat es ihr in der Tat besonders angetan: Auf der Suche nach dem Wort für "Friseur" war sie auf die Firma Schwarzkopf gestoßen, die an diesem Abend entsprechend gefeatured wurde. Die Sache mit den Rosinenschnecken auf dem Kopf entstand übrigens aus einem Experiment heraus, als sie auf der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten, die sie eifersüchtig bei Konkurrenten entdeckt hatte, denen sie etwas entsprechendes entgegen setzen wollte (thematisiert wird das in dem Song "If I Were Crazy").

Musikalisch blieb sich Ida insofern treu, als dass sie ihre Songs im knackigen Pop-Schema spielte - dann aber entsprechend mehr als üblich - nur dass sie dabei halt ziemlich rockte (mal elektrisch und mal akustisch). Dabei zehrt sie von dem Umstand, dass sie sich als typische dänische Musikerin keinem bestimmten Genre verpflichtet fühlt, sondern von Pop über Folklore bis zum Rock alles in ihren Konstrukten einzubauen versteht. Immer wieder wurden dabei neue Songs ins Spiel gebracht, was Ida mit den Worten kommentierte: "Wir haben viele Songs, die ihr nicht kennt... den nächsten könntet ihr aber vielleicht kennen, denn den habe nicht ich geschrieben..." In der Tat lieferte sie dann eine erstaunliche Version von Kate Bushs "Running Up That Hill" ab - und zwar als Indie-Rock-Song mit Orkan-Finish. So gesehen war dieses vielleicht sogar die beste Version dieses Stückes, das ja ansonsten immer sehr durch sein Arrangement bestimmt wird - was sich bislang in allen Coverversionen dieser Nummer niederschlug. Nur halt nicht bei Ida Gard - es kommt halt eben auf die Perspektive an. Und dann war da noch die Sache mit dem Auto: Anne Kristin hatte von ihrem Vater ein Auto geschenkt bekommen, mit dem die Mädels nun auf Tour sind - was ja weiter nicht schlimm gewesen wäre, tendierte das Fahrzeug nicht dazu während der Fahrt essentielle Teile wie Räder oder den Boden zu verlieren. "Das Auto steht übrigens draußen", erklärte Anne Kristin, "wenn sich jemand dazu ausersehen fühlen sollte, es in die Luft zu sprengen, denn nur zu."

Ida war zum ersten Mal in Köln, schien aber recht angetan von der Location und dem Publikum. Dabei entwickelte sie eine sympathische Art, mit demselben zu kommunizieren - etwa indem sie den Blickkontakt mit einzelnen Personen suchte, Leute direkt ansprach oder eine Mailing-List herumgehen ließ. Zuvor war sie als Support des Songwriters Gregor Meyle aber bereits in Deutschland unterwegs gewesen - auch über diese Episode hat sie einen Song im Gepäck ("Beginners") - vor allen Dingen aber ist sie seither bemüht, Deutsch zu lernen, was im Folgenden zu weiteren amüsanten Situationen führte. Ida Gard hat offensichtlich die seltene Gabe, die Menschen mit ihrer Kunst nicht bloß zu unterhalten, sondern auf gewisse Art sogar glücklich zu machen. Nennen wir das mal den "Schwarzkopf-Effekt". Schon alleine aus diesem Grund sei wirklich jedem empfohlen, sich Ida Gard ein Mal live anzusehen - und zwar ganz gleich, was man von den Tonträgern halten sollte...

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Surfempfehlung:
idagardmusic.com
www.facebook.com/idagard
twitter.com/idagard
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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