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Konzert-Bericht
 
Teil einer Jugendbewegung

Nathaniel Rateliff
Siiga

Köln, Blue Shell
05.02.2015

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Nathaniel Rateliff
Etwas irritierend war das schon: Da war also Nathaniel Rateliff, seines Zeichens Vertreter der Americana-Songwriter-Zunft, angekündigt - zwar erstmals mit Band, aber immerhin nach wie vor als Songwriter - und da standen anstelle der zu erwartenden gleichaltrigen Flanellhemdträger, die für gewöhnlich zu solcherlei Konzerten gehen, vorwiegend junge Damen in Strickjacken vor der Bühne. Mal abgesehen davon, dass das mit den Strickjacken eher der Jahreszeit geschuldet werden musste, darf doch wohl angenommen werden, dass ein Americana-Songwriter, der junge Damen anzieht, es geschafft haben dürfte. Und dabei sieht Rateliff auf seine schratig-knorrige, seemansmäßig tätowierte Art gar nicht nach Boygroup-Material aus (auch seine Band übrigens nicht). Es musste also etwas anderes sein, das den von Anderen oft vergeblich bemühten Publikumszuspruch auslöste.
Zunächst mal gab Richard Macintiyre, der sich lieber Siiga nennt, seinen Einstand als Live-Musikant in deutschen Landen. Der junge Mann von der Isle Of Skye sah zwar nun erheblich publikumskompatibler aus als der Headliner (und wurde durchaus auch wohlwollend aufgenommen), erklärte aber natürlich nicht hinreichend den Zuspruch des jugendlichen Publikums. Richard und sein Sidekick bearbeiteten ein unglaublich ausuferndes Effekt-Instrumentarium, das am Ende dann - zwar effiziente - vor allen Dingen aber erstaunlich dezente, atmosphärische Klangwolken produzierte, die als Basis für Richards melancholische Folkpop-Balladen dienten. Dabei hat Richard eine recht eigene Sichtweise der Dinge entwickelt: Als Inselbewohner war er mangels Alternativen (Schafhirte oder Fischer) - und wie er selbst sagte - fast zwangsläufig zur Musik gekommen und viele seiner Songs beschäftigen sich auch mit dem Thema "See". Das erklärte vielleicht auch, warum viele seiner Nummern auf einer halbelektronischen Wellendramatik daher-reiten (oder -schwimmen). Sei es drum: So etwas ist ja heutzutage en vogue (und auch eine willkommene Ergänzung des konventionellen Folksong-Vortrages) und wurde somit auch vom Publikum ohne weiteres verstanden und verarbeitet. Zwischendurch unterhielt Richard mit launigen Ansagen zu seinen Stücken - hätte indes aber doch gerne verraten können, warum genau er nach nur zwei Tagen in Deutschland von der Polizei verhaftet worden war und von seinem Kollegen ausgelöst werden musste…
Wie gesagt war Rateliff ja erstmals mit Band unterwegs (aber nicht mit seiner Soul-Band Night Sweats) - allerdings in Köln keineswegs unbekannt. Bei seinem vorherigen Solo-Gastspiel hatte der Mann aus Missouri offensichtlich so viel Begeisterung ausgelöst, dass durch die Mund-zu-Mund-Propaganda offensichtlich nun die - sowieso wünschenswerte - Publikums-Struktur zustande gekommen war. Qualität setzt sich manchmal eben doch noch durch. In der Tat bietet Rateliff alle Voraussetzungen, die ein begeisternder Performer besitzen sollte. Er ist ein begnadeter Musiker, ein virtuoser, aber einfühlsamer Gitarrist, ein "Belter" mit gewaltigem Druck auf der Stimme, ein gewiefter Songwriter mit Sinn für Dramatik und Dynamik und nicht zuletzt ein witziger, unterhaltsamer Typ. So begrüßte er das Publikum auf Deutsch wie alte Freunde - nur um dann gleich darauf hinzuweisen, dass er selbstverständlich kein Deutsch spreche - weil er den Unterschied zwischen "Fick dich" und "Wichtig" als Amerikaner phonetisch nicht nachvollziehen könne.

"Dafür haben wir aber tolle Songs für euch", kündigte er sein Programm an, "das sind alles Hits, die durch uns bekannt geworden sind." Die Setlist - die im Folgenden eher beratenden Charakter zu haben schien - beschränkte sich dabei keineswegs auf das neue Material seiner EP "Closer" und der letzten Studioaufnahmen, sondern bot auch neue Songs (also solche, die es nicht auf die EP geschafft hatten, noch nicht auf CD erschienen waren oder solche, die er mit seiner Band Night Sweats demnächst erst veröffentlichen wollte). Dabei wies er darauf hin, dass das neue Material souliger sein werde als sein Solo-Zeug oder aber nach "The Band" klingen werde, was es dann auch tatsächlich tat. In der Tat gefiel Rateliff in diesem Setting immer dann, wenn er (und die ausgezeichnete, extrem tighte Band) sich in Richtung R'n'B oder Soul orientierten - einfach schon alleine deswegen, weil man einen solchen Touch im Americana-Setting, wo man eher Country-Einflüsse vermutet, nicht so gewohnt ist. Lediglich ein wenig Blues schlich sich so noch ab und an in die Mischung. In den USA ist Rateliff ja schon länger hobbymäßig als Soulman unterwegs - schön also, dass man das ansatzweise auch ein Mal hier geboten bekam. Und: Die Band hatte durchaus auch einen eigenen Sound - zum einen wegen des bauchigen Klangs von Nathaniels halbakustischer Gitarre, zum anderen des eingesetzten Keyboards wegen und nicht zuletzt wegen des unglaublich effektiven, effektgesteuerten aber keineswegs selbstgefälligen Bass-Spiels.

Besonders effektiv floss das alles bei geschickt konstruierten Rausschmeißern wie "Out On The Weekend" zusammen. Bei allem Druck und aller Power, die Rateliff & Co. ausstrahlten, kann der Mann auch einfühlsam und sentimental werden (was ja bei Musikern seiner Richtung keineswegs selbstverständlich ist). Und so begann die Show zunächst mal eher zurückhaltend, so gab es im Mittelteil einen Solo-Part und auch die Zugaben (darunter auf ausdrücklichen Publikumswunsch dann doch noch der Titeltrack von "Closer") bestritt der Meister alleine. Kurzum: Für alle Americana-Freunde, die aber mehr als bloße Klischees von ihrer Lieblingsgattung erwarten, ist Nathaniel Rateliff der richtige Mann. Umso schöner, dass mit einer solchen eher bodenständigen Melange dann am Ende tatsächlich doch auch junge Leute zu begeistern sind.

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Surfempfehlung:
nathanielrateliff.com
www.facebook.com/nathanielrateliff
www.facebook.com/siigamusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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