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Konzert-Bericht
 
Magical Mystery Tour

Marianne Dissard
Allyson Ezell

Köln, Die Wohngemeinschaft
20.02.2015

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Marianne Dissard
So ist das eben manchmal: Eigentlich war dieses Konzert Marianne Dissards in der Kölner Wohngemeinschaft ja nur als ganz normaler Termin auf der Tour zu ihrem aktuellen Tonträger "The Cat Not Me" angekündigt worden - am Ende nahm Marianne dann aber die Zuschauer mit auf eine Reise ins theatralische Wunderland, die zumindest Interpretationshilfen für Mariannes eher kryptische Textwelten bot, die insbesondere das Katzen-Album zieren. Zusätzlich arbeitet die nunmehr wieder in Europa ansässige Französin ja noch an einem Roman, der als Bedienungsanleitung zu der Scheibe herhalten soll - der scheint aber noch nicht fertig zu sein.
Zunächst ein Mal eröffnete Allyson Ezell, die zusammen mit ihrem Drummer auch als Teil der "Marianne Dissard Band" agierte, die Show mit einem knapp gehaltenen Set, in dem sie ihre eigenen Songs präsentierte, die irgendwo zwischen E-Pop, Rap und Kunstlied angesiedelt waren. Dabei erreichte die Dame mit Samples, Minimal-Keyboard, E-Drumkit und einem Omnichord, das mit Hilfe des Drummers dreihändig gespielt wurde, durchaus ihre Wirkung. Als Performerin überzeugte Allyson indes noch nicht vollständig, da ihre Darbietung unter einer vermutlich aus einer gewissen Unsicherheit herrührenden Spannung litt, die sich in nicht zündenden Witzen, theatralischen Gesten und nicht wirklich sympathischen Ansagen manifestierte.
In einem ihrer Songtexte singt Marianne Dissard davon, nicht mehr so recht zu wissen, wer sie eigentlich sei. Auch wenn sie diese Textzeile dann charmant für ihre eigene Vorstellung nutzte: Irgendwie schien dieses das Thema der dann über die verdutzten Zuhörer hereinbrechende Performance zu sein, denn hier präsentierte sich eine - bislang unbekannte - Marianne Dissard, die es so noch nicht gegeben hatte. Dass Marianne für große Gesten bekannt ist, mit denen sie ihre Songs illustriert, war man ja schon von vorangegangenen Touren gewöhnt. (Diese sind auch insofern erklärlich, als dass diese für eine Französin, die auch in den USA konsequent auf französisch singt, ja fast schon notwendig sind, um sich verständlich zu machen.) Besagte Gesten waren hier aber nur die Spitze des Eisberges.

Da war zunächst mal das Bühnensetting, das sich teilweise in Goldlamee gehüllt präsentierte und teilweise als ornithologische Ausstellung: Es gab mehrere beleuchtete Tafeln, die Fotografien von Vögeln zeigte. Das ist dann in etwa so zu verstehen: Das Cover der aktuellen CD zeigt einen Haufen Vogel-Federn, die Mariannes Katze (ja, die aus dem Titel) anschleppte und die Marianne dann als Ausgangslage der Inspiration zu den neuen Songs nutzte. Die Katze war es also - und nicht Marianne -, die das Vogel-Thema der neuen Scheibe vorgab. Diese Songs zeigten Marianne ja bereits in einem zunehmend dramatischeren Setting - obwohl die Tracks noch in ihrer damaligen Wahlheimat Tucson entstanden waren. Und dieses Setting wurde dann auch auf die neue Bühnenshow übertragen. Diese bestand aus zwei Teilen: Im ersten hatte ihr Gitarrist ziemlich heftig den Blues - zunächst mal auf der akustischen Gitarre, die freilich durch ein unüberschaubares Effektpedal soundmäßig dann in Bereiche vorstieß, die nie ein Mensch zuvor gehört hatte. Das Ganze dann psychedelisch nennen zu wollen, wäre noch schwer untertrieben gewesen. "Ihr werdet die nächsten Songs in ganz anderen Versionen kennen", kündigte Marianne dann Klassiker wie "Le Lendemain" oder "La Cayenne" an, "es sind Songs, die sich immer weiter entwickeln." In der Tat entwickelten sich dann filmreife Szenarien, in denen man das Ausgangsmaterial sozusagen suchen musste, wie in einem Labyrinth, in dem man sich verlaufen hatte. Am "normalsten" wirkte da fast noch einer der wenigen "fröhlichen" Dissard-Songs "Les Confettis", zu denen es dann - schon nicht mehr überraschend - Konfettis regnete. Und Seifenblasen. Als Krönung gab es dann noch eine zunächst entkernte, dann runderneuerte Cover-Version von Billy Idols "White Wedding", die Marianne - in ein schwarzes Plissee-Kleidchen gehüllt - sozusagen ins musikalische Gegenteil verkehrte.

Es folgte eine kurze Pause, in der sich Allyson Ezells Drummer (im Skelett-Kostüm) mit Mariannes Gitarristen einen atmosphärischen Soundclash als Intro zum zweiten Teil der Show lieferte, in dem Marianne dann Titel wie "La Tortue" oder - das selbst auf der Setlist immer noch falsch geschriebene, mit deutschen Zeilen durchzogene - "Am Letzen (= am letzten Tag)" sezierte. Hier griff dann auch das eh angestrebte Theater-Setting, indem dann plötzlich hinter dem Goldlamee ein weiterer Vogel zu sehen war: Ein ausgestopfter Fasan, der auf einem von einer Lichterkette erhellten Ast saß. Mariannes Gitarrist lief hier elektrisch zur Hochform auf und präsentierte ein Setting, das dem Zuhörer Led Zeppelin schon irgendwie ersetzte (zumal ein gesampeltes Cello munter Kashmir-Riffs in die Gemengelage warf). Damit war Mariannes Pulver freilich noch nicht verschossen: Zur Zugabe setzte sie sich einen Helm auf, der aus einer Disco-Kugel gefertigt war und las mit dem Rücken zum Publikum, aber einem T-Shirt, das ein Tiergesicht zeigte, ein englisches Gedicht von einer psychedelischen Backdrop-Projektion ab. Kunst-Karaoke nennt man so etwas wohl. Es ist ja immer schön, wenn sich Musiker ein Mal bemühen, das normale Bühnensetting bei Live-Shows ein Mal ein wenig aufzubrechen. Mit ihrer Magical Mystery Tour Weltentheater hat Marianne Dissard aber - nicht nur im übertragenen Sinne - den Vogel abgeschossen.

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Surfempfehlung:
www.mariannedissard.com
www.facebook.com/mariannedissard
allysonezell.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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