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Kinshipshape

Larkin Poe

Frankfurt, Zoom
30.03.2015

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Larkin Poe
Der für einen deutschen Text vielleicht ein wenig seltsame und wagemutige Titel dieser Story soll im wesentlichen dafür stehen, dass die Schwestern Rebecca und Megan Lovell spätestens mit der lange verdrängten Veröffentlichung ihrer Debüt-CD "Kin" im letzten Jahr zu einem musikalischen und performerischen Idealzustand gefunden haben, der kaum noch Wünsche offen lässt. Das Konzert in Frankfurt war das erste ihrer aktuellen Europatour, zu der die Band erst am Konzerttage um sechs Uhr morgens angekommen war - und dennoch spielten die Lovell-Sisters und ihr Multitasking-Drummer Marlon Patton (der neben den Drums auch noch mit dem linken Fuß Bass spielte, da der eigentliche Bassist aufgrund einer Babypause ausgefallen war) eine Show, die so frisch rüberkam, als sei es ihre erste und zugleich so intensiv als sei es ihre letzte und überhaupt die wichtigste ihrer gesamten Laufbahn.
Im Grunde genommen streben sie das eigentlich immer an - nur dieses Mal schien es ihnen besonders gut gelungen zu sein - nicht zuletzt, weil nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker einen Höllenspaß zu haben schienen. Es ist ja sowieso so, dass keine Larkin Poe-Show ist wie die andere - was schon daran zu erkennen ist, dass selbst die langjährigen Tourbegleiter immer wieder schwören, dass sie nun dieses und jenes noch nie vorher von ihren Schützlingen gehört haben. Dazu gehört nicht nur, dass die Damen die Arrangements ihres Materials immer und immer wieder neu positionieren (und gegen die Folkpop-Szenarien abgrenzen, die ihnen zu Beginn ihrer Laufbahn zum Fallstrick zu geraten drohten), sondern auch dieses Material selbst immer wieder weiter ergänzen. So bestand das Programm bei dieser Show zum Beispiel - außer des Openers "Trick Of The Light" - ausschließlich aus Tracks der Debüt-CD, einigen ausgewählten Coverversionen ("Wade In The Water", "Black Betty" und den Sonny Bono-Song "Bang Bang") - und jeder Menge neuer Songs, die es (noch) nicht auf Tonträger gibt. Einer davon - eine mystische Hommage an den psychisch gestörten Großvater, "Mad As A Hatter" - entstand z.B. vor einigen Jahren bei einem Soundcheck im Düsseldorfer Zakk. Andere wiederum wurden als Premiere geboten: Den düsteren Voodoww-Swamp-Blues "Hey Sinner" schrieb Rebecca etwa inspiriert von der Fernsehserie "True Detective", die den Süden der USA von seiner düsteren, wahnsinnigeren Seite zeige. Ein weiterer, "American As Apple Pie", entstand als Road-Song unter dem Eindruck der konstanten Tourverpflichtungen, denen die Mädels mit Begeisterung nachkommen (und beinhaltete ein bemerkenswert abgedrehtes, psychedelisches Grateful Dead-Solo von Megan) und ganz zum Schluss gab es dann noch den messerscharfen, sarkastischen Blues-Rocker "When God Closes A Door".
Seltsam, dass das an dieser Stelle zu lesen steht: Aber Larkin Poe hätten - so gesehen - durchaus eine Zukunft als Bluesrock-Outfit. Der Grund, warum das so ist mit diesen ständigen neuen Stücken und der Vernachlässigung des Backkataloges, erklärt Rebecca so: Das alte Zeug möge sie schlicht nicht mehr und außerdem müsse man sich ja ständig herausforden und Disziplin an den Tag legen - und das beinhalte eben auch, immerzu neue Stücke zu schreiben. Man könnte es sich ja auch einfach machen - aber letztlich sei es dann doch ZU EINFACH, auf Tour keine neuen Stücke zu schreiben. Das ist zwar für Nichtmusiker schwierig nachzuvollziehen, bedeutet aber im Kern, dass Larkin Poe Musik aus den richtigen Gründen machen: Nicht (bzw. weniger) um reich und berühmt zu werden, sondern weil es Spaß macht und es ihnen schlicht ein Bedürfnis ist. Das überträgt sich dann natürlich auch auf die Zuschauer. Speziell dann, wenn - wie in diesem Fall - die Mädels so gut drauf sind, und die bislang auch schon mal etwas aufgesetzt wirkenden Bühnen-Neckereien so sympathisch nerdy daherkommen, wie an diesem Abend. Den Höhepunkt bildete dann ein besonderes Bonbon: Die akustische Unplugged-Version des ansonsten schwer im Programm zu integrierenden Tracks "Overachiever". Hier zeigten die Schwestern dann auch noch mal welche Harmonie-Power so ein "Kinship" dann produzieren kann. Ganz so, wie es sein soll. Und danach wurde dann noch nahezu jeder einzelne Besucher mit persönlichen Wünschen für eine gute Rückreise verabschiedet. Auch ganz so, wie es sein sollte (aber selten auch ist).




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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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