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Konzert-Bericht
 
Ein schmaler Grat

The Once
Harlekin

Köln, Blue Shell
08.04.2015

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The Once
Das kanadische Trio konnte den ersten Termin ihrer aktuellen Tour in der Domstadt gleich als Heimspiel verbuchen, denn bei ihrem Support-Slot für ihren Kollegen (und Förderer) Mike Rosenberg alias Passenger bei seinem Konzert im Kölner Palladium vor einigen Monaten hatten sie sich offensichtlich eine begeisterte Fangemeinde gesichert, so dass das Blue Shell trotz des ungelenken Timings (denn das letzte Album "Departures" erschien ja bereits im letzten Jahr) sehr gut gefüllt war. Besonders erfreulich hierbei: Es fanden sich sowohl ältere wie auch jüngere Damen und Herren darunter.
Den Support machte das Country-Clown-Trio Harlekin, das sich gerne mal bei kanadischen Acts als Support anbietet. Die drei Herren spielen selbst geschriebene Country-Songs im klassischen Grand Ole Opry-Stil. Dagegen wäre ja im Grunde genommen nichts einzuwenden. Aber: Wenn man - wie in diesem Fall - eh schon fröhliche, Dur-betonte Musik dieser Art dann noch mit parodistischer Grundtendenz darbietet und obendrein dann diese Musik nicht wirklich ernst nimmt, kann dabei nichts Rechtes herauskommen. Denn um etwas parodieren zu können, muss man es ja zunächst mal perfekt inszenieren können - und daran mangelte es den Herren sowohl musikalisch, wie inhaltlich (Songs über Zombies gehören einfach nicht hier her) wie auch performerisch (des teutonischen Zungenschlages sei Dank). Und das Ganze dann noch als Comedy-Act aufzuziehen, war dann doch ein wenig zu viel des Schlechten. Jedenfalls für jene im Publikum, die auch wegen der Musik gekommen waren.
Wie man das Ganze (also tendenziell positiv gepolte Akustik-Songs im Trio-Format mit Humor und musikalischer Credibility) durchaus überzeugend und ausbalanciert darbieten kann, zeigten dann Geraldine Hollett, Phil Churchill und Andrew Dale im Folgenden eindrucksvoll. Das Trio aus St. John in Neufundland - einer der ältesten kolonialisierten Gegenden des nordamerikanischen Kontinents - ist eine Band, wie sie kanadischer nicht sein könnte. Nicht nur indem sie sich selbstironisch mit einem breiten kanadischen Akzent über die Eigenarten ihrer Heimat belustigen können, sondern auch indem sie sich musikalisch tatsächlich erfreulich von vielen Ihrer Landsleute insofern abheben, als dass sie statt der ansonsten gerne verwendeten US-Klischees lieber auf kanadische Traditionen setzen. So hat ihre spezielle Folkpop-Mischung deutlich mehr spezifische Folk-Anteile als die vergleichbarer Acts. Dazu gehört z.B., dass sie gänzlich auf eine Rhythmusgruppe verzichten und den Harmonie-Gesang dergestalt ins Zentrum des Geschehens stellen, dass da des Öfteren nur noch a cappella übrig bleibt (was übrigens ein Markenzeichen des Trios ist) und letztlich auch zu der Connection zu Passenger führte, der die Band "By The Glow Of A Kerosene Light" im Radio performen hörte und daraufhin einlud.

Freilich belassen es The Once nicht dabei: Ihre eigenen Songs kommen mit einem in diesem Setting eher ungewohnten Melodienreichtum daher (bestes Beispiel der "Departures"-Song "The Town Where You Live"), der ebenfalls mehr an Folklore als an US-Americana-Klischees gemahnt und das Instrumentarium - Gitarre, Banjo, zwei unterschiedliche Mandolinen, sowie die von Geraldine zuweilen bemühten rudimentären Percussion-Bestandteile geben der Sache jede Menge Esprit und Klangfarben. Als Songwriter machen The Once dabei alles richtig: Sie schreiben Songs über sich, Familienangehörige und ihre Heimat und lassen sich dabei musikalisch von allen möglichen Folk-Vignetten der Ostküste inspirieren - so finden sich sowohl acadische, wie auch gälische und zuweilen appalachische Spuren in dem Mix. Und auch lokale historische Charaktere wie der "Sailor Jack" finden immer wieder den Weg in die Songs des Trios. Viele der Tracks beschäftigen sich freilich auch mit Beziehungsproblemen. "Der nächste Song ist für Leute, die gerne mit dem einen oder anderen intimer geworden wären", kündigte Phil Churchill einen dieser Songs mit grummeliger Schmirgelstimme an und fügte dann hinzu: "Das ist übrigens meine Sexy-Stimme. Sie kann aber auch gruselig klingen. Das ist ein schmaler Grat zwischen sexy und gruselig."

Damit war dann das Thema des Abends auch gefunden. Denn wann immer Phil im Folgenden etwas sagte - entweder sexy oder gruselig -, erinnerte Andrew Dale an den "schmalen Grat" dazwischen. Geraldine Hollett dirigierte derweil sich, ihre Jungs und das Publikum und war stets bemüht, dieses ins Geschehen einzubinden. Das mag dann auch vielleicht der einzige Kritikpunkt an dem Konzert sein: Denn wenngleich sich die ehrliche Begeisterung der Protagonisten für den Zuspruch des Publikums durchaus nachvollziehen ließ, war es dann doch ein wenig anstrengend, dass bei nahezu jedem Song, das Publikum in Chöre oder Klatschvieh aufgeteilt wurde. Freilich, musikalisch tat das der Sache keinen Abbruch, denn so entstehen ja nun mal echte Live-Versionen. Dazu gehörten dann auch die Cover-Versionen - "You're My Best Friend" von Queen (ein Karaoke-Hit in Südkorea für die Band), "Can't Help Falling In Love With You" (der romantischste Song, den die Band kenne), Leonard Cohens "Coming Back To You" und "You Can't Always Get What You Want" - alles ins Once-typischen Folk-Setting übersetzt. Zum Schluss gab es dann aber - natürlich wieder vom Publikum unterstützt - eine sich ständig steigernde Version des Once "Hits" "We Are Running The Same Race". Insgesamt blieb so am Ende der Eindruck einer Band, die aus ihren selbst gewählten Limitierungen auf der Bühne das bestmögliche herausholen. Jedenfalls hatte man als Zuhörer nicht den Eindruck, dass hier etwas fehle. Es ist demzufolge schon folgerichtig, dass sich The Once in erster Linie als Live-Band sehen - denn nur in diesem Setting blüht das Trio so richtig auf.

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Surfempfehlung:
www.theonce.ca
www.facebook.com/TheOnceBand
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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