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Kompliziert wie die Liebe

Traded Pilots

Köln, Die Wohngemeinschaft
19.04.2015

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Traded Pilots
Obwohl Emma Greenberg und Sam Vance-Law schon des Öfteren auf Kölner Bühnen unterwegs waren, wäre es doch nicht vermessen, das mittlerweile um die Cellistin Illay Chester zum Trio erweiterte Duo als Geheimtipp zu bezeichnen - einfach deswegen, weil die Traded Pilots bislang eher als Support Act oder Co-Musikanten für Dear Reader oder Wallis Bird in Erscheinung getreten sind, denn als Headliner. Außerdem haben die Traded Pilots außer einer selbstgebastelten EP noch keine reguläre CD-Veröffentlichung vorzuweisen.
Dennoch: Ganz so schlimm wie beim letzten Besuch in der Domstadt, wo nur acht Leute anwesend waren, von denen die Hälfte auf der Straße eingesammelt wurden, wie Emma berichtete (wenn das denn stimmte), war es dann doch nicht, denn die Unterhaltungs-Qualitäten des seltsam lebenslustigen Paares hatten sich offensichtlich herumgesprochen, so dass sich doch einige Interessenten in die Wohngemeinschaft verirrt hatten. Hartnäckig hält sich das Gerücht, die in Berlin ansässige englisch-kanadische Vereinigung mache in Sachen Weird Folk. Das ist Quatsch. Nicht, weil insbesondere Emma und Sam nicht weird genug wären, um diesem Anspruch gerecht zu werden, sondern weil die Traded Pilots schlicht keinen Folk machen. Zwar spielt Sam eine akustische Geige und eine Niveadose, aber schon Emma greift zur elektrischen Jazzgitarre (und gelegentlich einem Flügelhorn) und dann gibt es da noch Illays Effektpedal für das Cello, das auch einen Sampler enthält. Und musikalisch geben sich die Traded Pilots schon mal gar nicht mit folkseliger Lagerfeuer-Ästhetik ab. Da gibt es sehr viel mehr Elemente aus Kammermusik, Jazz, Avantgarde und Merseybeat als Klampfenromantik (kein Wunder: Denn eine Klampfe beschäftigen die Traded Pilots auch nicht). Und die Songs folgen dann auch weniger dem klassischen Storytelling-Schema. "Die meisten unserer Stücke handeln von schwierigen Trennungen", erklärte Emma die Hintergründe des Materials, "aber einige sind auch Liebeslieder. Wobei die Liebe ja auch schwierig ist." Und - nicht zu vergessen - kompliziert. Sam erklärte das noch genauer: "Manchmal geht es in den Songs aber auch um das Gute, was dann nach dem Schlechten in der Liebe noch bleibt." Kompliziert eben.
In etwa wie übrigens auch die bemerkenswert abenteuerlustig verstiegenen Kompositionen der Traded Pilots. Dergestalt komplexe Strukturen, anspruchsvolle instrumentale Details und wagemutige Gesangsharmonien finden sich ja teilweise nicht ein Mal bei ambitionierten Auftragskomponisten. Im Gegensatz zu den traurigen Themen und der vielschichtigen, ernsthaften musikalischen Umsetzung gerät der Vortrag - nicht zuletzt aufgrund der humorvollen Formulierungen der Lyrics und den umwerfend komischen Ansagen der Protagonisten - zu einem immens unterhaltsamen Metapherncocktail, in dem es vor Mäuse, Eimern, Kreisen, Pennies, Felsen, Lollipops und Justin Biebers Zigarettenasche nur so wimmelt. Bei allem Jux nehmen die Traded Pilots dabei ihre Musik eben durchaus ernst. Denn diese - s. o. - verstünde wohl auch keinen Spaß. Für die Musik der Traded Pilots braucht man ein großes Hirn. So wie die Dame aus dem Publikum, die wusste, dass mit den in dem Song "Bucket" besungenen "Wellingtons" eben nicht die Hauptstädte Neuseelands, sondern Gummistiefel gemeint sind. Natürlich wurde das Publikum (das sich - nebenbei bemerkt - vor Begeisterung kaum einkriegen konnte und die Band zu einer zweiten, außerplanmäßigen Zugabe und Emmas Bemerkung, dass Köln sie immer so unseriös werden lasse, veranlasste) auch in die Performance eingebettet. Das war dann - nicht mehr überraschend - auch eher kompliziert. Jedenfalls hatte es noch nie eine dermaßen ausufernde Anweisung über die Aufgabenbeteiligung gegeben, wie jene, die Sam für den Song "Songs For The Dead" (der bei der Performance im anhängenden Video ja noch vergleichsweise simpel ausgefallen war) ausrief - wobei er Singen, Klatschen, Pfeifen und Summen quasi als lebende Partitur darbot. Kurzum: Es wird nun langsam Zeit, dass die Traded Pilots mal mit einer CD um die Ecke kommen (die aber freilich bereits in Arbeit ist), damit sich deren Bekanntheitsgrad proportional zu deren Unterhaltungswert und den zweifelsohne bereits vorhandenen großen Herzen propagieren ließe.



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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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