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Wilde Feuer

Missincat
Lasse Matthiessen

Köln, Die Wohngemeinschaft
08.05.2015

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Missincat
"Ihr werdet vielleicht schon erraten haben, dass ich nicht Missincat bin", begrüßte Lasse Matthiessen das zahlreich angetretene Publikum in der Kölner Wohngemeinschaft, als er mit seinen melancholischen Folkpopsongs den Abend eröffnete. "Ich bin der Däne", stellte sich der Liedermacher vor, "und ich singe trotzdem meine Songs." Matthiessen, der wie seine Kollegin, die Italienerin Caterina Barbieri, die sich Missincat nennt, in Berlin ansässig ist, gehört dabei zur Spezies "skandinavische Melancholiker" - ergo war es denn auch nicht verwunderlich, dass dieses eher ein Abend zum Zuhören, als einer zum Partymachen werden würde. (Gleiches galt dann auch für das Set von Missincat.)
Matthiessen präsentierte Songs seiner Alben "Carry Me Down" und dem aktuellen "Wildfires", das in Zusammenarbeit mit TV Noir entstanden war. Im Gegensatz zur feinsinnigen Art, in der er seine Studioversionen als feinfühlig/transparente Song-Schmetterlinge herumflattern lässt, trägt er sein Material als Solo-Künstler mit kräftiger Stimme, geradlinig und gewissem Nachdruck vor. Dabei schaut er zuweilen etwas skeptisch drein - was sich aber aus dem Umstand erklärt, dass er ansonsten eher mit seiner Band zusammenspielt und die Solo-Performances - hinter denen man sich ja nicht verstecken kann, wie er richtig bemerkte - eher eine Ausnahme für ihn darstellen. Zwischen den Stücken erzählte er von den Umständen, unter denen die "Wildfires"-Songs entstanden waren (in einer kleinen Hütte mit Außenklo und ohne Duschen im verregneten Norwegen nämlich), die dann zweifelsohne die melancholische Qualität des Materials noch ein Mal unterstrichen. Wobei indes gesagt werden muss, dass Lasse keineswegs ein depressiver Trauerkloß ist - eher jemand, der die Ernsthaftigkeit seines Materials mit einer Prise multilingualen Mutterwitzes zu relativieren weiß.
Wie Lasse ist auch Missincat bei TV Noir aufgetreten. Seither kennt und schätzt man sich, weswegen Lasse nun auch mit Missincat durch die Lande zieht. Wie in Lasses Titelsong "Wildfires" gibt es auch in Missincats aktuellem Single-Titel "Pirates" wilde Feuer. Thematisch war man sich da schon mal einig. Auf ihrer dritten Solo-CD "Wirewalker" hat Caterina Barbieri einen konsequenten Schritt in Richtung Popmusik getan und die neuen Songs deutlich selbstbewusster als voll orchestrierte kleine Pophymnen inszeniert. Rein musikalisch ist "Wirewalker" also gar kein Drahtseilakt. Dass sie dieses bei der Live-Tour nun nicht 1:1 würde replizieren können, war natürlich klar - zumal sie nur mit einem weiteren Musikanten unterwegs war, der indes mit Gitarre, Basspedal, Klarinette und diversen Perkussion-Instrumenten schon ganz gut ausgerüstet war. Hier wurden die Songs nun wieder auf das Wesentliche zurückgeführt. Des Öfteren stand Caterina hierzu mit ihrer Gitarre vor dem Keyboard, sodass die Songs eher in ihrer ursprünglichen Form zu hören waren. Das galt natürlich für die "Wirewalker"-Songs ebenso wie jene von den Vorgängeralben "Wow" und "Back On My Feet".

Dass die Tracks auch in diesem reduzierten Ambiente funktionierten, spricht dann natürlich für die Qualität derselben. Eigentlich, so wurde es deutlich, brauchen Missincats Stücke gar keine großartige Verzierung, um funktionieren zu können. Dass es ja eher ums Zuhören ging, auch wenn es gelegentlich ganz gut groovte ("Ihr könnt dann ja mit den Köpfen wackeln", schlug Caterina dem sitzenden Publikum vor), war ja schon angedeutet worden. Die aufmerksame Stille schien Caterina dann eher unangenehm zu sein, denn zuweilen war es so ruhig, dass die Zuschauer sich kaum trauten, am Ende der Nummern zu applaudieren. Dennoch gab es einiges zu entdecken. So arbeitete Caterina zuweilen intensiv mit einem Sampler, mittels dessen sie kunstvolle Rhythmusfiguren aufbaute, auf die dann die eigentlichen Songs gepflanzt wurden (sofern der Tontechniker das Sample nicht gerade wegdrehte). Das Basspedal (auf dem auch einige Pad-Sounds lagen), das Keyboard und die Klarinette und ein Glockenspiel sorgten für weitere Klangtupfer, sodass Songs wie "Pirates" dann doch recht kurzweilig daherkamen und als Caterina dann für Ten Lines" selbst zur E-Gitarre griff, wurde das Ganze - zumindest ansatzweise - auch gerockt. Zwischen den Tracks erzählte Caterina auf charmante Art von der Entstehung derselben oder lud das Publikum ein, mitzumachen und am Ende gab es mit "Capita" auch einen Song auf Italienisch und der alte Missincat-Song "Back On My Feet" wurde mit einem Taschen-Glockenspiel akzentuiert. Insgesamt zeigte Missincat mit ihrer sympathischen Darbietung an diesem Abend, dass man Popmusik nicht unbedingt als bloße Unterhaltung begreifen muss, sondern auch das zugrundeliegende Songmaterial als solches in den Mittelpunkt stellen kann.

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Surfempfehlung:
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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