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Konzert-Bericht
 
Ertrinkende Kannibalen

Marika Hackman
Mari Mana

Köln, Blue Shell
10.05.2015

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Marika Hackman
Das kommt ja auch nicht so oft vor, dass sich mit Support-Act und Headliner zwei Geistesverwandte zusammen finden. Und doch war das genau dieselbe Konstellation, in der Marika Hackman - die Headlinerin des heutigen Abends - weiland ihr Debüt in Köln als Support Act für Laura Marling absolvierte. Heute gab die Dame aus Hampshire, die dereinst über den Umweg über die Model-Szene den Weg zur Musik fand, sozusagen die Staffel an ihre Berliner Kollegin Mari Mana weiter. Was allen drei genannten Acts gemein ist, ist das Bemühen, in der prinzipiell hinlänglich abgemähten Folkpop-Szene nach eigenen musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen und sich dabei (mehr oder minder erfolgreich) auch vom klassischen Folksong-Setting zu entfernen.
Bei Mari Mana funktioniert das so, dass die Songs sozusagen um sich selbst kreisen. Dass sie dabei keine Berge gebären, sondern eher Plateaus und Mari in Sachen Harmonie, Akkorden und Gesangsmelodie immer wieder zum Ausgangspunkt zurückkehrt und somit ein eher lineares Geschehen präsentiert, mag dem Umstand geschuldet sein, dass sie ihren Weg noch nicht gefunden hat - bzw. noch nach den sprichwörtlich weniger begangenen Pfaden nach einer Spur sucht. Dabei passiert musikalisch eigentlich eine ganze Menge: Da wandern die Fingerchen wieselflink zwischen den kunstvoll gestimmten Saiten hin und her, da werden wagemutige Akkorde gegriffen und aneinandergereiht, da werden Klänge aus Gitarre, Stimme und Hall ineinander geflochten und die Lyrics mit jazziger Leichtigkeit untergemengt - nur dass am Ende immer alles auf ein gemeinsames Level zurückkehrt und sich am Ende somit ein unerbittlich monotones Gesamtbild einstellt. (Allerdings mag das auch darin begründet sein, dass Mari aufgrund des Bahnstreiks ihren Cellisten nicht mitbringen konnte.) Auf der Haben-Seite gibt es da eine facettenreiche, relativ tiefe Stimme, die einfach nicht zum optischen Eindruck, den das zierliche Persönchen vermittelt, zu passen scheint, eine ausgewogen souveräne Gitarrentechnik und der Willen, dem Banalen auszuweichen. Was noch fehlt, sind wirklich zündende Songideen und Melodien. Aber: Mari Mana steht ja noch am Anfang ihrer Laufbahn und wohin die o.a. Ambitionen führen können, sieht man ja zum Beispiel bei Laura Marling. Oder Marika Hackman, die den o.a. Prozess schon weiter entwickelt hat.
Bei Marika Hackmans Songs (insbesondere den neuen, die auch auf ihrer Debüt-CD "We Slept At Last" versammelt sind) finden sich nämlich neben luftiger Transparenz auch immer wieder Melodien und vor allen Dingen gibt es klangliche Varianz. Nicht nur, aber auch weil Marika live mit drei verschiedenen Gitarren hantiert (eine davon eine elektrische) und vor allen Dingen mit einem Effektpedal, mittels dessen sie unter der Verwendung von Hall-, Echo- und Harmonizer-Effekten gewaltige Klanggebirge auftürmt, die sie mit ihrer klaren Gesangsstimme immer wieder zu erklimmen versteht. Dass sie dabei nicht lächele, so erklärte sie während des Konzertes, hänge damit zusammen, dass sie nicht allzu verrückt wirken wolle, da ein Lächeln oder Grinsen nicht zu ihre morbide/düster/desolaten Songs passe. Nun - ähnlich verfährt ja auch Laura Marling, was eine weitere Parallele zwischen den beiden Damen darstellt. Immerhin treffen Marikas Songs über Kannibalen, Zimt, sterbende Liebende, verrottende Haut oder das Ertrinken in allen möglichen Formen den Nerv vieler Zuhörer - denn diese sangen viele der gewiss nicht lebensbejahenden Inhalte Wort für Wort mit.

Ein besonderes Bonbon hatte die Songwriterin, die nach eigener Aussage Sylvia Plath und Laura Veirs verehrt in Form der Joanna Newsome Coverversion "81" im Gepäck, die sich bereits auf ihrer EP "Cinnamon" fand und sie sich bemerkenswert nahtlos in Marikas Oeuvre einpasste. Zwar ist auch Marika Hackman nicht unbedingt die geborene Entertainerin, aber sie schaffte es, die Zuhörer mit ihren Songs, ihren Geschichten und mit ihren Klangwelten problemlos im Bann zu halten. Auch, wenn sie dabei öfter auf den Boden oder ins Nichts blickte als etwa zu ihren Fans. (Die Fotos täuschen etwas: Hier wurden quasi alle Momente abgepasst, in denen Marika ihre Augen NICHT geschlossen hatte.) So weit so gut - eines sollte aber vielleicht doch mal angemerkt werden: Für jemand, der sich - zumindest zeitweise - als Model betätigt hatte (Marika war eine Zeitlang das Gesicht von Burberry), kleidete sie sich doch etwas zu despektierlich in ein unförmiges Ensemble aus zu kleinem Zirkuszelt und zu großem Müllsack. Das hätte nicht unbedingt sein müssen.

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Surfempfehlung:
marikahackman.com
www.facebook.com/MarikaHackman
mari-mana.com
www.facebook.com/MariManaMusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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