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Soul Train

Jonathan Jeremiah
The Leisure Society

Köln, Kulturkirche
13.05.2015

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Jonathan Jeremiah
Der Mittdreißiger Jonathan Jeremiah zieht dann doch ein deutlich älteres Publikum an als viele seiner gleichaltrigen Kollegen - was wohl damit zusammenhängt, dass sich der Herr musikalisch von Acts inspirieren lässt, an die sich eben nur noch die Älteren erinnern können: Otis Redding, Marvin Gaye oder Al Green seien hier mal stellvertretend erwähnt. Gerade deswegen klingt der Mann mit der sonoren Stimme aber auch nicht so beliebig wie die erwähnten gleichaltrigen Kollegen, sondern zieht sein Soul-Folk-Pop-Ding auch auf der Bühne konsequent durch (wobei hier Dank Gitarrist David Page noch eine bluesige Note hinzukommt).
Die Show eröffneten zunächst David Hemming und Christian Hardy von The Leisure Society. Im vereinigten Königreich ist die Band mit ihrer Neuauflage der New Romantics-Ästhetik der 80er Jahre recht erfolgreich. Unter anderem wird sie gerne als Support-Act gebucht, wenn es um sakrale Stimmungen geht (so z.B. von Laura Marling). Und sie arbeitete mit dem Heritage-Orchester zusammen, das auch Jonathan Jeremiah gerne bemüht. Eine weitere Verbindung zu "JJ" besteht darin, dass die Band - wie der Meister - in Ray Davies' Konk-Studios produzierte. Kurzum: Nachdem Hemming dem Kölner Publikum erklärt hatte, um wen es sich bei der Band eigentlich handelt, gab es einige reduzierte Leisure Society-Songs wie etwa den ersten Hit der Band, "Last Of The Melting Snow", die von Hemming und Hardy mit Akustikgitarre und E-Piano (mit Wurlitzer Setting) dargeboten wurden. Hardy erklärte noch sein Faible für 80er Jahre Pop, den er gerne rekonstruiere und Hemming erwähnte noch, dass die Band für diverse Songs für den Ivor Novello Award (eine Art Oscar für Songwriter) nominiert worden sei. Insgesamt passte der gepflegte Old-School-Folkpop der Herren ganz gut zum Setting der Jonathan Jeremiah Band.
Das neue JJ-Album "Oh Desire" weicht ja ein wenig von den Vorgänger-Alben ab - insofern, als dass hier der orchestrale Charakter stärker in den Vordergrund gestellt wird und sich sogar einige Instrumentals auf dem Werk befinden (von denen eins als Intro auch eingespielt wurde). Dennoch hatte Jeremiah (dankenswerterweise) darauf verzichtet, die Orchester-Settings im Live-Kontext zu emulieren. Dafür gab es aber eine Hammond Orgel mit Leslie-Box, so dass zumindest die hymnischen Aspekte diverser Songs entsprechend repräsentiert werden konnten. Es ehrt Jeremiah des Weiteren, dass er konsequent mit akustischem Bass (Jon Cox - der übrigens auch für The Leisure Society tätig ist) arbeiten lässt; was den Grooves eine bauchige Note verleiht und zuweilen dazu genutzt werden kann, ein Cello zu emulieren. Und zumindest auf "Oh Desire" schrieb Jeremiah die Songs z.T. auch wieder mit seinen Musikern zusammen (den seiner Frau gewidmeten Titeltrack etwa zusammen mit Page), wodurch auch im Live-Setting ein echtes Band-Feeling zustande kam.

Zum Glück gehört Jeremiah des weiteren nicht zu jener Kategorie von Live-Performern, die in der möglichst tongenauen Reproduktion der Studioaufnahmen das Allheilmittel sehen. Ganz im Gegenteil: Die wesentlichen Tracks der Show hatte Jeremiah deutlich modifiziert. Der Single-Titel "Wildfire" etwa hatte ein lyrisches Intro und eine neue Bridge verpasst bekommen, bei dem hymnischen "Phoenix Ava" ließ er seinen Musikern viel Raum für Solo-Eskapaden und die letzte offizielle Nummer "Happiness" hatte er gleich als kontrollierte Jam Session angelegt, die nicht nur jeden einzelnen Musiker ordentlich featurete, sondern auch das Publikum als Chor mit einband. Das gab dann gleich mehrfach Standing Ovations in der traditionell mit Bänken bestuhlten Kirche. Bei all dem ließ Jeremiah nie einen Zweifel daran, wer eigentlich der Kapitän im Boot war. Jede Facette seines Tuns - und auch seiner Musiker - hatte Jeremiah stets im Griff und unter Kontrolle. Bemerkenswert war daran, dass er dabei keineswegs blasiert oder distanziert rüberkam, sondern sich durchaus dem Publikum öffnete. So plauderte er z.B. darüber, dass er selbst mal als Messdiener gearbeitet habe - und seither dann eher selten in der Kirche gewesen sei, weswegen er das Ambiente durchaus zu schätzen wisse. Überhaupt hätte das ganze Unterfangen vom Setting her ja durchaus im Pathos versinken können (denn Jeremiah liebt als Songwriter die große, cinematische Geste). Irgendwie schafften es Jeremiah und seine Musiker aber, auf dem Boden zu bleiben und die ganze Show zu einem durchaus emotionalen, souligen Event werden zu lassen. Nicht zuletzt liegt das auch an der geschickten Manier, mit denen Jeremiah seine Songs aus zwar bekannten, aber immer wieder den richtigen Versatzstücken zusammensetzt. Da der Tenor des neuen Albums tendenziell eher folkiger Natur ist, schadete es dann auch nichts, dass er das Programm mit älteren Favorites wie "Heart Of Stone" auffrischte.

Abgerundet wurde das Programm dann noch durch eine obligatorische Solo-Phase, in der er dann entsprechendes Material wie z.B. das allegorische "The Birds" präsentierte. Am Ende gefiel das Programm dann als perfekt inszenierter Jeremiah-Showcase, der alle Aspekte und Phasen des künstlerischen Tuns des Meisters beleuchtete und somit zweifelsohne alle zufrieden gestellt haben dürfte.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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