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Tapetenwechsel

The Late Call
Jonas Zorn

Köln, Wohngemeinschaft
13.05.2015

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The Late Call
Die Kölner Wohngemeinschaft scheint ein gutes Pflaster für Johannes Mayer alias The Late Call zu sein. "Ausverkauft" hieß es, als er mit Ken Stringfellow und Tim Neuhaus unter dem Banner "Sit Down And Sing" im September 2013 hier gastierte, und auch an diesem Abend bleibt kaum ein Stuhl unbesetzt. Offenbar hat sich inzwischen herumgesprochen, dass der seit Langem in Schweden heimische deutsche Troubadour mehr Fantasie und Ideen hat als all die anderen Singer/Songwriter, die man derzeit überall sieht und hört. Mit seinem neuen Album "Golden" setzt er nach drei eher solistischen Werken nun auf echtes Band-Feeling und Live-Charakter. Dass das Konzert in der Domstadt programmatisch mit "A Change Of Scenery" beginnt, ist deshalb sicherlich kein Zufall.
Eröffnet wird der Abend vom lokalen Geheimtipp Jonas Zorn, der nicht nur mit seinen lediglich mit Akustikgitarre vorgetragenen Angry Folk Songs überzeugt, sondern auch bei seinen augenzwinkernden Ansagen immer den richtigen Ton trifft, wenn er seine Mittelschicht-Herkunft durch den Kakao zieht, oder wenn er ganz am Ende, als ihm die Zeit wegläuft, die letzte Nummer mit den Worten "Ich spiel jetzt noch schnell meinen Hit" ankündigt. Dazwischen schmiert er dem Publikum viel Honig um den Mund, dabei hat er noch nicht mal Devotionalien feilzubieten. "Ich habe keine Platte, aber ich kann euch Anleihen verkaufen", sagt er mit Blick auf sein in Bälde erscheinendes Debütalbum und sorgt damit ein letztes Mal für Heiterkeit.

Im Gegensatz zum Opening Act ist Johannes Mayer kein Entertainer. Allerdings passen seine oft schüchternen Versuche, zwischen den Songs Kontakt mit dem Publikum aufzunehmen oder Gitarrenstimmpausen mit Anekdoten von der laufenden Tour zu überbrücken, ganz ausgezeichnet zum gedämpften Ton seiner Musik und zum introspektiven Charakter seiner Texte. Reiste der Exil-Schwede auf der letzten ausgiebigen Late Call-Deutschland-Tournee noch mit leichtem Gepäck - mehr als eine Akustikgitarre, einen Halleffekt und seine feinen Songs hatte er nicht dabei -, stellt er nun "Golden" auch live mit kompletter Band vor, und es sind nicht nur die Stromgitarren und der Verstärker, sondern es ist auch die Verantwortung für seine Musiker, die er zu tragen hat. "Das ist ganz schön anstrengend", gesteht er im Anschluss an das Konzert, aber die strahlenden Gesichter am Merchandise-Stand unterstreichen: Der Aufwand, die neue Platte auch auf der Bühne adäquat umzusetzen, hat sich gelohnt. Denn auch wenn die neuen Songs ein breiteres musikalisches Spektrum rechts und links des Folk-Pop abdecken - der wohlig warme Sound der Vorgängerwerke und die Intimität von Johannes' Solo-Auftritten gehen dabei nicht verloren. In Köln ist deshalb selbst für den Heiratsantrag eines Freundes aus alten Münsteraner Tagen (Sie hat Ja gesagt!) kurz vor Ende des Konzerts noch Raum.

Musikalisch offenbaren Johannes und seine Mitstreiter in der Wohngemeinschaft trotz des unveränderten Hangs zu musikalischer Herbstlichkeit mit Songs wie "Pickpocket", "Carry" oder dem fantastischen "Ghost World" auch echte Pop-Ambitionen, wenn die Arrangements plötzlich nicht mehr allein in Richtung der großen Folkies wie Nick Drake, Tim Buckley oder John Martyn deuten, sondern auch einen Hauch von Coldplay oder Elbow versprühen. Obwohl das Hauptaugenmerk auf den neuen Stücken liegt, gibt es natürlich auch alte Lieder zu hören. Manche werden analog zur Studioversion mit kleinem Besteck nur zu zweit gespielt wie "Come Alive", doch auch die sanft elektrifizierten Versionen alter Songs begeistern, allen voran "Heavy Heart", bevor bei der Zugabe mit "Look At You Now" auch noch Johannes' Song für die Ewigkeit auftaucht. So gibt es unter der altbekannten Oberfläche an diesem schönen Konzertabend eine Menge zu entdecken.

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Surfempfehlung:
www.thelatecall.com
de-de.facebook.com/thelatecall
www.tapeterecords.de/artists/the-late-call
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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