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Giant Giant Giant Sand

Giant Sand

Düsseldorf, Zakk
20.05.2015

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Giant Sand
Rein rechnerisch war die Besetzungsliste auf dem aktuellen Giant Sand-Album "Heartbreak Pass" zum 30-jährigen Bandjubiläum ja eher noch größer als jene auf dem Giant Giant Sand-Werk "Tucson", auf dem sich Altmeister Howe Gelb erstmals ernsthaft als Orchesterleiter betätigte. Insofern war es sicherlich folgerichtig, dass er die entsprechende Tour zur neuen Scheibe - wenn auch nicht in Orchesterbesetzung, dann doch zumindest mit einer international besetzten All-Star-Cast bestritt. (Auf der Giant Sand-Website sind wir mittlerweile bei "Giant³ Sand" angelangt.)
Neben ihm selbst bestand diese aus mindestens vier Kollegen, die auch selbst als Songwriter tätig sind. Als da wären: Die Pedal-Steel-Virtuosin Maggie Bjørklund aus Kopenhagen, Brian Lopez und Gabriel Sullivan aus Tucson und nicht zuletzt Dunja Ercegovic aus Zagreb, die unter dem Namen Lovely Quinces agiert. Los ging die Show im kleinen Zakk (das bis kurz vor der Show nahezu leer war, um dann aber doch aus allen Nähten zu platzen) erst mal ganz locker, indem der ausgezeichnet aufgelegte und offensichtlich hoch motivierte Howe alleine vor das Publikum trat und dann (nachdem er dem Publikum seine soeben in Düsseldorf für fünf Euro erstandene, neue Uhr präsentiert hatte) meinte: "Dann will ich mal für mich selbst eröffnen. Was wollt ihr hören?" Ansatzlos spielte er dann den ersten genannten Publikumswunsch "Fields Of Green". Es folgte ein erster Auftritt von Maggie Bjørklund, die er "mit großem Vergnügen" als die Frau ankündigte, die die Pedal-Steel Gitarre endlich mal so spiele, wie sie gespielt werden sollte. (In dem Fall mit Verve, Sampler und psychedelischer Grundeinstellung.) Brian Lopez stellte dann ein Paar Tracks seines Repertoires vor - z.B. das brillante "Modern Man", das zu seiner Freude bereits im deutschen Radio gehört habe oder "Pray For Rain" - wobei er sich hierfür gleich beim Publikum entschuldigte, weil es in Deutschland ja ständig regne. Gabriel Sullivan fällt insbesondere stimmlich etwas aus dem üblichen Tucson-Kanon heraus, weil sein sonorer Bariton einen ganz anderen Gesangsstil gebiert als jenen seiner eher zweckdienlich agierenden Wüstenrock-Kollegen. Gabriel hatte seine noch frische LP "JVPITER" im Gepäck und nutzte die Gelegenheit, auch als Sänger zum Line-Up beizutragen, weil er im Folgenden eher hinter dem Drumkit zu finden war. Dabei erzählte er von seinem erstaunlichen Projekt im letzten Jahr, das darin bestand, jeden Tag einen Song zu schreiben und aufzunehmen. So etwas hat selbst Howe Gelb noch nicht geschafft. Dunja Ercegovic präsentierte sich dann als schicksalsgebeutelte Mean-Bitch, die in ihren Songs a la "When I'm Gone" über ihre verflossenen Boyfriends lamentierte. "Eigentlich bräuchte ich ja einen Therapeuten - den kann ich mir aber nicht leisten", meinte sie zu diesem Thema. Nun: Ganz so depressiv war das alles dann doch nicht - zumal dann noch Sullivan und Bassist Thoger T. Lund hinzu kamen und das Ganze episch aufdröselten.
Schließlich ging es dann nach einer kurzen Pause mit der eigentlichen Sause los. Wer sich irgendwann mal damit abgefunden hatte, dass Gelb sein Material unberechenbar immer wieder neu zu zerstückeln pflegte und fragmentarisch durch die Gegend schleuderte, der muss wohl langsam umdenken: So sortiert wie bei dieser Tour scheint das Projekt Giant Sand noch nie bei der Sache gewesen zu sein. Mit der Unterstützung eines lokalen Zusatz-Drummers polterte die ganze Band gut gelaunt und druckvoll in die brillante Grunge-Oper "Transponder" vom neuen Album. Letztes wurde dann im Folgenden tatsächlich ganz gegeben - aber nicht nur das: Die einzelnen Songs wurden nicht (wie früher) nur angetestet und vermengt, sondern tatsächlich in ausgearbeiteten, langen Live-Versionen mit Intros, Bridges, Soli und Schlussakkorden präsentiert - in etwa so, wie man das von einer normalen Rockband erwartet hätte. Wenn das so weitergeht, dann gibt es demnächst womöglich noch Setlists bei den Giant Sand-Konzerten. Ganz so schlimm wurde es dann doch nicht. Nicht nur Howe Gelb schlug nämlich experimentell über die Stränge, wann immer sich die Möglichkeit bot. Insbesondere das Hantieren mit Samplern und Effekten schien allen Beteiligten mächtig Spaß zu machen (und erwies sich als äußerst effektiv und unterhaltsam). Und seinen Humor hatte Howe auch nicht verloren: Als während eines Songs ein Handy die Akustik torpedierte, meinte Gelb: "Da will jemand mit uns jammen - bringt doch das nächste Mal lieber eine Mundharmonika anstelle eines Handys mit." Wenn es dann zu konventionell zu werden drohte, verzog sich Howe hinter ein eigens mitgebrachtes Piano und improvisierte seine berüchtigten Jazz-, Honk-Tonk- oder Ragtime-Emulationen. Oder er löste eine Saite seiner Gitarre und spielte diese dann hinter dem Griffbrett (was übrigens eine elaborierte Form des Schweinerocks ergibt). Und schließlich ließ sich Howe sogar dazu hinreißen, in zwar kryptischer Form aber immerhin, die Genese einiger seiner neuen Songs zu erläutern: Etwa dass die Lyrics des letzten Albumtitels "Forever And Always" von einem Frühstück mit seiner Tochter Tallulah inspiriert sei.

Gegen Ende der Show bot er dann nochmals allen Beteiligten Gelegenheit für einen Solo-Spot, bevor das alles in allem grandiose Set dann, nachdem auch tatsächlich noch der letzte Track von "Heartbreak Pass" gegeben worden war, mit "Man Of Want" vom allerersten Giant Sand-Album "Valley Of Rain" gespielt wurde. "Das Stück wurde aufgenommen, als Gabriel und Dunja noch nicht mal geboren waren", erklärte Howe, "aber es klingt immer noch so frisch wie morgen." In der Tat hauten Giant Sand dann dem Publikum den Punk um die Ohren, dass es nur so krachte. Angesichts der wechselvollen Qualität, die Howe Gelb an gleicher Stelle im Laufe der letzten Jahre bereits demonstriert hatte, war diese Show seine bisherige Glanzleistung im Zakk. Punkt.

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Surfempfehlung:
www.howegelb.com
www.facebook.com/giantgiantsand
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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