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Konzert-Bericht
 
Die unerträgliche Leichtigkeit der Melancholie

Andy Shauf

Köln, Die Wohngemeinschaft
08.09.2015

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Andy Shauf
Andy Shauf ist einer dieser typischen, ruhigen, eher zurückhaltenden, melancholischen, kanadischen Songwriter - der indes dann die Tugenden seiner Zunft fast schon zu sehr ausschöpft, um wirklich unterhaltsam rüberkommen zu können. Viel weiß man nicht über den Mann, der sich selbst das Klarinette-Spielen beibrachte, um seinem - im Nachhinein sogar trefflich betitelten - Debüt-Album "The Bearer Of Bad News" zumindest musikalisch einen originellen Kick verleihen zu können. In Köln präsentierte sich der junge Mann als ernsthafter, introvertierter Spät-Hippie, der mit seiner aus formvollendeten Geeks bestehenden Band sein - nebenbei ausdrücklich als solches hervorzuhebendes - ausgezeichnetes Songmaterial merkwürdig spröde und mit autistischen Tendenzen präsentierte.
Es war dann aber gerade diese Diskrepanz zwischen performerischen Defiziten und dem besagten großartigen Songmaterial (das handwerklich auch durchaus ansprechend, abwechslungsreich und originell dargeboten wurde), die dem Abend einen gewissen Reiz verlieh. Als Performer machte Shauf eigentlich alles falsch: Der sichtlich schüchterne Herr gab sich alle Mühe, einen irgendwie gearteten Kontakt mit dem Publikum zu vermeiden. Die wenigen Ansagen beschränkten sich darauf, den jeweils nächsten Song anzukündigen und gelegentlich ein Mal nachzufragen, ob das aufmerksam zuhörende Publikum nicht zwischenzeitlich eingeschlafen sei. Dabei sang Shauf seine Songs konzentriert, aber mit in die leere oder auf den Boden gerichteten Blick bzw. mit geschlossenen Augen. Hinzu kam, dass er alle balladesken Nummern - insbesondere neue, ergo unbekannte - Tracks ans Ende des sehr kurzen Sets setzte, so dass das mit dem potentiellen Einschlafen zu einer realen Gefahr zu werden drohte. Dass Shauf sowieso keine Up-Tempo-Nummern im Gepäck hat, half da nicht wirklich.

Auf der anderen Seite waren dann aber da die Stücke, die insbesondere in ihrer hamonischen, rhythmischen und melodischen Struktur jenen der großen Vorreiter des von Shauf bevorzugten Subgenres (allen voran Elliott Smith) keineswegs nach standen. Diese wurden von Shauf und seiner dreiköpfigen Band geradezu liebevoll und detailverliebt aufgedröselt und in teilweise virtuoser Form dargeboten. Hierzu wurde zwar leider keine Klarinette, dafür aber das hauseigene Piano bemüht, und ebenso eine Effektbox mit der sich insbesondere psychedelische Klangwände erzeugen ließen. Aber auch hier gab es eine interessante Diskrepanz, denn Shauf & Co. arbeiteten mit antiken Harmony-Gitarren (das sind ehemalige Budget Gitarren, die bis in die 70er hergestellt wurden und heutzutage noch unter dem Brandnamen Silvertone von US-Kaufhauskonzernen als preiswerte Alternative zu etablierten Gitarren wie Gibson oder Fender verkauft werden), die zudem fast ohne elektrische Verstärkung eingesetzt wurden. Das führte zu einem knochentrockenen Klangbild - das aber andererseits in dieser Form adepte Virtuosen benötigte, denn Spielfehler hätten sich hier destaströs ausgewirkt.

Am Ende ergab sich so wegen der zur Schau getragenen Mühelosigkeit mit der die Band das Dargebotene umsetzte - und trotz des anspruchsvollen Settings - sogar eine gewisse Leichtigkeit, was den Vortrag betraf. Kurz: Shauf, der seine Songs im Übrigen ziemlich nasal und mit schwerem kanadischen Akzent, der das Verstehen der Lyrics nicht unbedingt erleichterte, vortrug, wusste also genau, was er tat. Es wurde aber zum Teil überhaupt nicht deutlich, warum er es so tat. Am Ende blieb da ein zwiespältiger Eindruck zurück: Andy Shauf ist zweifelsohne ein grandioser Songwriter mit einer Menge an erstklassigem Material - aber als Performer ist da durchaus noch Luft nach oben. Dennoch: Wer von einem Live-Konzert vor allen Dingen gute Musik und weniger kurzweiliges Entertainment erwartet, der wurde hier zweifelsohne gut bedient - auch wenn das Set ruhig eine halbe Stunde länger hätte sein dürfen.

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Surfempfehlung:
www.andyshauf.com
www.facebook.com/andyshaufmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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