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In guter Gesellschaft

Little May
The OWs

Köln, Blue Shell
15.10.2015

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Little May
Die größte Sorge von Hannah Field, Liz Drummond und Annie Hamilton war an diesem Abend, dass sich niemand zum Headliner-Debüt der drei Australierinnen, die besser bekannt sind als Little May, verirren würde - denn ihr Album "For The Company" war schließlich erst seit wenigen Tagen auf dem Markt. Vielleicht hätten aber Zugriffszahlen von fast zehn Millionen Hits auf Spotify hier einen Hinweis geben können: Den Mädels eilte bereits im Vorfeld durchaus ein gewisser Ruf voran. Und so war das Blue Shell dann am Ende auch durchaus gut gefüllt, denn es war ja durchaus schon von Interesse, wie Little May ihren (von Aaron Dessner von The National) kunstvoll arrangierten Folk-Dream-Indie-Pop im Live-Kontext umsetzen würden.
Einen gewissen Anteil am Gelingen des Abends hatte allerdings zugegebenermaßen der Support-Act, The OWs aus Köln. Die junge Band um den schlaksigen Frontmann Paul Weber hatte nämlich einen eigenen Fanclub mitgebracht, der die Jungs tüchtig anfeuerte. So konnten The OWs natürlich auch die Rolle des Anheizers optimal erfüllen. Schwer schien den Herren das auch nicht zu fallen, denn ihr druckvoller Mix aus klassischen Gitarrenpop-Elementen ist bestens geeignet, die Stimmung zu heben. Dabei gefielen The OWs etwa als gelungene Velvet-Underground-Emulation ebenso wie als songorientierte Beat-Kapelle mit einem gewissen Working-Class-Touch. Das Erfolgsgeheimnis der Band scheint zu sein, sich nicht auf einen bestimmten Retro-Stil festzulegen, sondern vielmehr das Beste aus verschiedenen Welten miteinander zu verquicken. Dafür, dass das Ganze dann nicht ziellos zerfasert, sorgt dann Webers souveräner Vortrag.
Eine gewisse Geradlinigkeit war dann auch beim Set von Little May zu beobachten. Auf der LP "For The Company" sind Myriaden von produktionstechnischen Details zu bestaunen, die sich im Live-Kontext schwerlich hätten umsetzen lassen. Und so wählten Little May dann den nächstliegenden Weg und entschlackten das Material auf seine wesentlichen Bestandteile. Dazu gehörte dann auch, dass die Songs wesentlich druckvoller dargeboten wurden, als das auf der LP (und der vorangegangen EP, die noch eine Spur folkiger ausgefallen war) der Fall ist. Akustik-Gitarren etwa gab es nur vereinzelt zu hören. Das ist dann aber auch die Richtung, aus der die Mädels ursprünglich kommen: Gitarristin Liz Drummond erzählte beispielsweise davon, dass sich die Nachbarn im heimatlichen Australien immer darüber beschwert hätten, dass die Band zu laut sei, wenn sie zusammen probten.

Zu laut waren Little May dann zwar nicht, aber besonders gegen Ende des kurzen Sets wurde die Sache tatsächlich immer rockiger. Die einzige "richtige" Rocknummer von der LP "Remind Me" bildete dann - fast schon erwartungsgemäß - das furiose Finale. Bei all dem gelang es den Damen dann aber doch, die auf den Tonträgern ausschlaggebenden, faszinierend friedfertigen Harmoniegesänge durchaus ins Zentrum des Geschehens zu stellen. Das gelang unter anderem deshalb, weil das Sounddesign zwar druckvoller als auf Konserve, aber dennoch hübsch transparent erschien. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hatte die hauseigene Rhythmusgruppe, die aus dem Keyboarder Mark Harding - der auch die Synth-Bässe mit übernahm - und der vielseitigen Drummerin Catriona Hunter bestand. Insbesondere Catriona gefiel dabei durch das variantenreiche Spiel, mittels dessen sie die Rhythmen mehr umspielte als aufzwang und dazu bei jedem Stück unterschiedliche Drumsticks verwendete. Ein wenig seltsam war der Aufbau, indem Harding im toten Winkel neben Hunter stand und diese deswegen mehr mit Liz Drummond und der zweiten Gitarristin Annie Hamilton zusammen spielen musste, wodurch sich diese dann unnötig oft vom Publikum wegdrehten. Daran sollten die Damen noch arbeiten.

Die meisten der Songs wurden von Hannah Field vorgetragen, die ihren Part konzentriert und intensiv, gelegentlich mit geschlossenen Augen und zuweilen mit interpretierenden Gesten darbot. Insbesondere dann, wenn alle drei Protagonistinnen zusammen sangen, entstand dann aber dieser Klangwolken-Aspekt, der auch die Studio-Aufnahmen auszeichnet. Als besonderes Bonbon hatte man sich ein Cover des australischen 80s-One-Hit-Wonders Icehouse, den Titel "Great Southern Land", vorgenommen - weil dieser die Band an die Heimat erinnere, wie Hannah erläuterte. Insgesamt gelang es Little May dabei durchaus, den Geist ihrer Songs ins Live-Medium zu übertragen. Besonders die ungewöhnliche Struktur der meisten Tracks, bei denen Refrain und Vers sozusagen miteinander vermischt werden, erwies sich hierbei als hilfreich, denn so bekam jeder Song seine individuelle Note - auch wenn sich diese stimmungsmäßig zuweilen ähneln. Letztlich gibt es aber auch genügend stilistische "Ausreißer" (etwa die erste Single "Boardwalks" mit einem eingeschobenen Up-Tempo-Finish oder die von Dessner mitgeschriebene und von Liz gesungene Piano-Ballade "The Shine Is Brighter At Night"), sodass die Angelegenheit keine Sekunde langweilig wurde.

Freilich geriet die Sache am Ende dann doch etwas zu kurz, weil dann doch irgendwann das Material ausging und keine Zugabe angeboten wurde - und weil die Stücke auch nicht zu richtigen "Live-Epen" ausgeweitet wurden, sondern ziemlich strukturgetreu implementiert wurden. Alleine des brillanten Songmaterials wegen und aufgrund der traumhaft sitzenden Harmoniegesänge war der Abend dennoch rein musikalisch ein Genuss. Dieses auch, weil Little May - trotz aller Rock-Attitüden - den friedfertigen Tenor ihrer Aufnahmen ins Live-Ambiente mitnehmen konnten.




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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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