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Zwischen warmherzig und cool

Phela
Kenay

Köln, Yuca Club
20.10.2015

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Phela
"Popmusik in Deutschland traut sich nicht so richtig cool zu sein", sagt der Hamburger Kenay in seiner Bio - und setzte dann bei seinem Live-Auftritt im Kölner Yuca Club folglich auch alles daran, möglichst cool rüberzukommen. Das Problem dabei war dann nur, dass es sich hier um eine dieser ungelenk zusammengestellten Showcase-Situationen handelte und Kenay sozusagen mit einem Publikum hantierte, das quasi nicht vorhanden war, denn hier hatten vielleicht zehn zahlende Besucher den Weg in den Yuca Club gefunden - der Rest waren dann Fachvertreter und Freunde und Verwandte der Musiker. Insofern wirkte das Animationsgehabe des Meisters (das unangenehm an Club-Urlaube für Pauschaltouristen erinnerte), eher lächerlich und irritierend als cool.
Musikalisch hat sich Kenay, der als ehemaliger Zulieferer der HipHop-Szene bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, heutzutage auf deutschsprachige Popmusik festgelegt. Heraus kommt dabei so eine Art Powerschlager: "Power" deswegen, weil die meisten Tracks von recht knackigen Rock-Riffs leben, die gar nicht mal so ungeschickt in den allgemeinen, technisch auch ansprechend aufbereiteten, clever zusammengeschraubten Popflow eingebunden werden, "Schlager" in dem Sinn, dass hier inhaltlich alles auf einen absolut minimalen (und unnötig lamentösen) Banalkonsens eingedampft wird und in unerträglichen Zwangreimen über den Tag gerettet wird. Nun ja: So klingt das eben, wenn man mit den Knüppelversen eines Xavier Naidoo (der auf Kenays kommender Debüt-CD "Rot und blau" als Gast auftritt) aufwächst und dann der allgemeinen Kolportage, dass dies große Poesie sei, Glauben schenkt. Im Kern heißt das, dass Kenay dann als Wortschmied auch nicht schlechter ist als Naidoo. Aber eben auch nicht erträglicher. Und dann noch etwas: Wer, bitteschön, hat es denn nötig, sich den eigenen Vornamen (und sei es auch nur der Künstlername) auf den Vorderarm zu tätowieren. Wie verzweifelt ist denn so etwas?
Nun ja: Es hat ja niemand gesagt, dass deutsche Popmusik einfach ist. Wenn dem so wäre, gäbe es ja auch mehr Acts wie zum Beispiel Phela, der zweiten Newcomerin des Abends, die im Prinzip eindrucksvoll illustrierte, wie man all das sehr viel besser, liebenswerter, aufrichtiger, sympathischer und origineller machen kann. Das fängt zum Beispiel damit an, dass die junge Dame, die dem Vernehmen nach in der bayrischen Provinz ohne Fernseher, aber mit jeder Menge Musik aufwuchs, bei ihrem Debüt als Headlinerin auf Gitarreneinsatz fast vollständig verzichtete (ein wenig Akustik-Gitarre gab es) und es hört nicht damit auf, dass sie geigenspielend ihre (dann auch tatsächlich) poetisch angehauchten Songs mit der markant rauchig-weichen Stimme intoniert, als gäbe es kein Morgen mehr. Anders als Kenay hat es Phela verstanden, dass es bei poetischer Popmusik nicht darum geht, dass sich die jeweils letzten Silben von Phrasen reimen müssen, sondern darum, Gerüche, Farben, Emotionen, Bilder und Gedanken mit Tönen, Klängen und Melodien in Einklang zu bringen. Und etwas zu sagen haben, sollte man besser auch. Was etwa bei Kenay in "Abschied nehmen" in unerträglichem Selbstmitleid versumpft, gerät bei Phela in "Lass mich gehen" (der auf einem Frankreich-Trip entstand, den sie als Straßenmusikerin absolvierte) zur klug beobachteten, philosophisch-nachdenklichen Kontemplation mit überraschendem Twist.

Cool sein zu wollen ist nicht so Phelas Ding. Ihr scheint es eher darum zu gehen, mal zu schauen, was sich aus ihrem Material so alles rausholen lässt. Dazu gehört auch, dass die Arrangements ihrer Debüt-CD "Seite 24" für den Live-Vortrag zum Teil recht stark überarbeitet wurden. Wie gesagt, fehlen hier ja die Gitarren, die indes durch das eigene Geigenspiel oder in Kombination mit dem Cello oder den Keyboards mehr als kompensiert werden. Hinzu kommt, dass die Sache bewusst akustisch ausgerichtet ist. Das mag zwar weniger hip (oder cool) sein, aber es sorgt für einen organisch-handgemachten Charakter, der im Prinzip dann sogar die Glaubwürdigkeit des Materials noch mal unterstreicht. Nicht, dass Phela das nötig hätte, denn sie singt sich hier sozusagen - auf ziemlich persönliche Weise - die Seele vom Leib. Es wird spannend sein zu beobachten, wie das weiter geht, denn der Fundus an zerbrochenen Beziehungen, aus dem die Gute hier offenherzig zu schöpfen scheint, kann ja nicht unbegrenzt sein. Egal: Am Ende war das dann eben die Art Deutscher Popmusik, wie sie tatsächlich besser sein sollte: Eher warmherzig als cool und besser aufrichtig als clever.

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Surfempfehlung:
www.phela.de
www.facebook.com/Phela.Offiziell
www.kenay.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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