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Von Cowboys und Köhler-Frauen

Zella Day

Köln, Studio 672
07.11.2015
Zella Day
Eine eher ungewöhnliche Karriere hat die heute gerade mal 20-jährige Songwriterin Zella Day zu verzeichnen: Ersten Auftritten im Café ihrer Großmutter folgte im Alter von 14 eine heute nicht mehr verfügbare, erste CD mit eigenen Songs. Danach nahm sich die Dame eine Auszeit und zog aus ihrem Heimatort Pinetop, Arizona, nach Nashville und verfeinerte dort u.a. unter der Obhut von John Paul White von Civil Wars ihr Songwriting in gemeinsamen Sessions. Dem Nashville-Stil konnte sie persönlich indes nichts abgewinnen und zog deswegen weiter nach L.A., wo sie zunächst eine EP auf Vinyl veröffentlichte, bevor es dann mit den Produzenten Wally Gagel und Xander Barry (Best Coast) an die Aufnahmen des Albums "Kicker" ging, das sie nach einem Vorarbeiter auf der heimatlichen Ranch benannte, der sie inspiriert hatte und das sie nun auch bei uns live präsentierte.
Das alles blieb nicht unbemerkt und so landete Zella nicht nur Features in allen möglichen großen Magazinen (von Interview über Nylon bis hin zum Playboy), Auftritte im TV (u.a. bei Conan O'Brien), Sessions für Vevo und Digster und Placements ihrer Songs z.B. auf Soundtracks ("Sanctuary" für "Divergent"). Und so kam es dann, dass sich Zella Day mit ihrer jungen, hochprofessionellen Band ohne erkennbaren, offiziellen Promotion-Aufwand in Köln vor einem ausverkauften Haus wieder fand. Das Publikum bestand dabei übrigens zu 80% aus jungen Damen, die in Zella Day wohl eine Art Leitfigur sehen. Das macht Sinn, denn Zellas Songs und Lyrics zehren von einer Altersweisheit, die manch routinierteren Kollegen vor Neid erblassen lassen könnte. Das mag auch damit zusammenhängen, dass sich die Songwriterin Zella Day von konkreten Inspirationen lenken lässt, die sie geschickt mit ihren eigenen Geschichten verwebt. "Ophelia" könnte immerhin ein Charakter aus Shakespeares Hamlet sein, "Josey Wales" ist eine Rolle, die Clint Eastwood in den 70ern verkörperte und dem zu Ehren Zella eine fiktive Geschichte über ihr Leben mit Eastwood schrieb, in "1965" singt sie von jenen besseren Zeiten, in denen sie gerne gelebt hätte (ihre Vorliebe für 60s Flair manifestiert sich nicht nur in ihrer Musik, sondern auch in ihren Outfits) und "Jerome" erzählt die fiktive Story der Frau eines Köhlers, die Zella zu ihrer Namenspatin machte (was irgendwie an die Loretta Lynn-Story erinnert) während "Jameson" einer dieser Songs ist, "die man schreibt, wenn man gelangweilt zu Hause auf dem Bett sitzt". Der Kompass aus dem gleichnamigen Song zeigt schließlich in Richtung ihrer Heimatstadt, Pinetop, der sie als Kind stets entfliehen wollte.
So weit, so gut - das Erstaunliche daran ist eigentlich nur, dass Zella diese Geschichten nicht etwa in klassischen Lagerfeuer-Folksongs verpackt hat, sondern in druckvollen, organischen Pop-Tracks, die im Studio 672 mit einer für diesem Ort ungewohnten professionellen Aplomb dargeboten wurden. Als Sängerin und Performerin hatte Zella Day dabei keine Mühe, sich gegen den Powerpop ihrer Musiker durchzusetzen - auch wenn die Arrangements im Live-Kontext beinahe rockig ausgelebt wurden. Dass Zella ihre Sache durchaus ernst meint, ließ sich nicht nur an der perfekt durchinszenierten Show ermitteln, der auch die eine oder andere große Geste nicht abging, die andeutete, dass das alles ein wenig "larger than life" angelegt ist, sondern auch an solchen Bemerkungen wie: "Unser Album ist jetzt vor vier Monaten erschienen - wir sind aber schon zehn Monate auf Tour." Das ist dann musikalisch demzufolge auch alles sehr organisch und bodenständig und hat nicht viel von der gekünstelten Scheinwelt, mit der man Popmusik im Allgemeinen assoziiert. Und dass Zella musikalisch das Herz auf dem rechten Fleck hat, zeigen dann auch ihre Coverversionen: In Köln spielte sie z.B. eine recht ordentliche - weil ziemlich weit vom Original-Arrangement gelöste, leicht verschleppte - Version von "Time Of The Seasons" von den Zombies und als Zugabe gab es dann noch ihre Version von "Seven Nation Army", mit der sie auch einem größeren Publikum bekannt geworden war. In Köln spielte sie die Nummer solo - aber auf der elektrischen Gitarre. Insgesamt überzeugte Zella Day als Live-Musikerin mit diesem Showcase also auf der ganzen Linie - wenngleich der professionelle Hokuspokus, der um das Konzert herum aufgefahren wurde (Fotoaufnahmen wurden mit dem Argument, dass Szenen zu einem Video gedreht würden, nicht zugelassen und Zella wurde von den Fans abgeschirmt) dann doch ein wenig beängstigend erschien.
Surfempfehlung:
www.zelladay.com
www.facebook.com/ZellaDay
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Alexandra Valenti-


 
 

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