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Konzert-Bericht
 
Folk, klassisch

Kristina Jung

Düsseldorf, BiBaBuZe
30.10.2015
Kristina Jung
"Danke fürs Bleiben, obwohl ich nicht Colin Wilkie bin", sagt Kristina Jung am Ende ihres Auftritts. Eigentlich soll die Singer/Songwriterin aus Baden-Württemberg den Abend in Düsseldorf nur mit einem kurzen Set für den 81-jährigen britischen Folk-Veteranen eröffnen, doch als der krankheitsbedingt absagt, wird Kristina kurzerhand vom Supportact zur Hauptattraktion befördert - und macht sich in 80 hinreißenden Minuten viele neue Fans und Freunde. Das liegt nicht zuletzt am Auftrittsort: Ein besseres Ambiente als die Buchhandlung BiBaBuZe im Düsseldorfer Stadtteil Bilk, in der selbst Themen wie "Soziale Armut", "Knast" und "Repression" ein eigenes Regal haben, ist für das Gastspiel der 31-jährigen Sängerin und Gitarristin kaum vorstellbar. Eine studierte Literaturwissenschaftlerin, die in ihren zerbrechlichen Folk-Songs das Hauptaugenmerk auf die Texte legt, inmitten von Tausenden von Büchern zu erleben - das hat schon was.
Kristina Jung
Obwohl sie erst vor wenigen Jahren das Gitarrespielen erlernt hat, findet die weit gereiste Musikerin erstaunlich selbstsicher und locker irgendwo zwischen Sibylle Baier, Nico und Karen Dalton ihren eigenen Weg, wenn es darum geht, Schwermut in zeitlos schöne, fragile Folk-Songs amerikanischer Prägung zu verpacken, die trotzdem sanft und leichtfüßig anmuten und durch Kristinas klassische Gesangsausbildung die besondere, oft angenehm düstere Note erhalten. Frühe, willkommen unorthodoxe, manchmal zugegeben auch etwas spröde Lieder ihrer bislang einzigen EP "Into The Light That I Have Known", die oft ohne das übliche Strophe-Refrain-Schema auskommen, spielt sie genauso wie zumeist eingängige Stücke neueren Datums.
Kristina Jung
Zwischen den Liedern erzählt sie herrlich unaffektiert von ihren Inspirationen und verrät sogar, dass am Konzert tags darauf in Freiburg sogar ihre Mama im Publikum sein wird. "Das macht mich immer ein wenig nervös, weil sie ja meine komplette musikalische Ausbildung finanziert hat", gesteht sie lachend. Das zu Mamas Ehren einstudierte Joni Mitchell-Cover "The Priest" spielt sie dann zum Glück auch schon in Düsseldorf und begeistert damit die Zuschauer so sehr, dass ihr sogar die langwierigen Pausen zwischen den Songs zum Umstimmen ihrer Gitarre verziehen werden. "In meinen wildesten Träumen habe ich natürlich mehrere Gitarren dabei und Techniker, die sie zwischendurch stimmen. Ich schlafe in Suiten und habe einen großen Tourbus", sagt sie augenzwinkernd. "Heute bin ich allerdings mit der Deutschen Bahn gekommen." Überhaupt streut sie immer wieder Coverversionen von Bon Iver, Billy "Prince" Bonnie oder Townes Van Zandt ein und erläutert ausführlich (und oft mit einem Lachen) die oft persönlichen Geschichten hinter ihren Texten, die nicht selten eine Art von Selbsttherapie darstellen. Das Publikum hört ihr dabei so andächtig zu, dass sie die letzten Nummern sogar vollkommen unverstärkt spielen kann. Dass Kristina an diesem Abend eigentlich nur der Supportact sein sollte, haben die meisten da vermutlich schon vergessen.
Surfempfehlung:
www.facebook.com/kristinajungmusic
soundcloud.com/kristina-jung
kristinajung.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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