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Konzert-Bericht
 
Sprungbretter

Trixie Whitley
Echo Beatty

Köln, Luxor
09.12.2015

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Trixie Whitley
Ein wenig befremdlich war die Sache schon, als das Konzert von Trixie Whitley im Kölner Luxor angekündigt wurde. Denn 2001 schließlich hatte Trixie Whitleys Vater, der 2005 verstorbene Chris Whitley, an gleicher Stelle, als das Luxor noch Prime Club hieß, unter einem sehr schlechten Stern auf der Bühne gestanden. Verständlich, dass seine Tochter heutzutage nicht auf dieses Thema angesprochen werden möchte. Aber es ging bei dieser Tour ja auch einzig um die Präsentation der runderneuerten Trixie Whitley.
Zunächst ein Mal durfte das Belgische Duo Echo Beatty sein Glück als Support-Act versuchen. Annelies Van Dinter und Jochem Baelus beeindruckten dabei vor allen Dingen mit einem einzigartigen Sammelsurium von einer in einer Art Percussion-Box montierten Haushaltsgeräten, zahlreichen Effektgeräten inkl. eigenem Mischpult und Sampler sowie diversen elektronischen Klangerzeugern, die insbesondere Baelus umtriebig und emsig bediente. Dazu singt Annelies - mal mit elektrischer, mal mit akustischer Gitarre bewaffnet - mit eigenartig verzerrter Mimik und hochkonzentriert intensiv vor sich hin. Echo Beatty machen eine Art Slow-Core-Indie-Prog-Pop, bei dem am Ende in dem ganzen emsigen Gewusel das Songformat ein wenig zu kurz kommt - bzw. genau gesagt aus dem Ruder läuft, denn Echo Beatty finden - wie viele Acts, die heutzutage mit Samplern hantieren - zwar noch zu Strukturen, aber weder zu einem Ende noch zur Melodie. Das liegt eben daran, dass die überlangen Tracks meistens auf zwei Akkorden aufgebaut sind, mit denen dann ziemlich viel passiert, sich aber nichts so recht entwickelt. Immerhin: Unangenehm ist der von ihnen selbst als "Pop-Noir" bezeichnete Mix auch wieder nicht - es wäre halt nur wünschenswert, wenn die Sache in Zukunft auf die wesentlichen Bestandteile verdichtet werden könnte.
Damit hat Trixie Whitley keine Probleme. Ihre aktuelle CD "Porta Bohemica" (die bei uns leider erst im Februar 2016 offiziell erscheinen wird) enthält zum Beispiel gerade mal neun Tracks - die dann allerdings allesamt großartig ausgefallen sind. Trixies Erfolgsgeheimnis hierbei ist nach eigener Aussage, dass sie alles, was nicht unbedingt notwendig ist, weggelassen habe. Insofern sind die neuen Stücke denn auch geradliniger strukturiert als das noch etwas unfertig wirkende Material des Debüt-Albums. Nicht, dass das im Live-Kontext unbedingt deutlich wurde. Denn hier überraschten Trixie und ihre ausgezeichneten Musiker dadurch, dass sie die Konserven-Versionen ihres Materials bestenfalls als Sprungbretter für Exkursionen ins Land der musikalischen Abenteuer nutzten. Alle Arrangements - auch die der neuen Songs - waren gründlich umgemodelt worden und zeigten zum Teil vollkommen neue Perspektiven auf. Dabei präsentierte sich Trixie als eine enorm starke Musiker-Persönlichkeit, die das neu zusammengesetzte Material mit ungeheurere Intensität und Spielfreude präsentierte. (Das ist dann auch unter "runderneuert" zu verstehen.) Dabei ging es keineswegs um die volle Kontrolle über das Material (Trixie haderte etwa mit den Lyrics und verpasste den einen oder anderen Einsatz), sondern um die zu übertragenden Emotionen. Trixie hat nämlich eine interessante Theorie aufgestellt, nach der die menschliche Rasse sich zwar intellektuell, nicht aber emotional weiterentwickelt habe und es darum geht, an diesem Umstand in einer Art erforschender Reise ins Ich zu arbeiten.

Dass sie dabei zuweilen ein wenig kühl rüberkommt, mag daran liegen, dass sie gleichzeitig konkret daran arbeitet, jeden Anflug von Routine und/oder Mittelmaß zu vermeiden, sondern in jeder Sekunde bis zum Äußersten zu gehen bereit ist. Es dürfte in diesem Jahr schwerlich ein anderes Konzert gegeben haben, das somit von der ersten bis zur letzten Sekunde eine dermaßen intensive Faszination ausgestrahlt hat, wie jenes. Die Sache begann mit einer inspirierten Solo-Version des letzten Songs der Debüt-CD "Oh The Joy", bevor es dann nach "Irene" vom gleichen Album an das neue Material ging. Hier überraschten Trixie und ihre Mannen dann mit polyrhythmischen, druckvollen Umspielungen des eigentlichen Songmaterials, bei denen sich Trixies Vorliebe für vertrackte Harmonieführungen noch deutlicher Bahn brach, als dies auf den Studio-Aufnahmen der Fall ist. Songs wie "Salt" etwa hätte auch Duke Ellington nicht feinsinniger hinkomponieren können. Auf die Spitze trieb Trixie das Ganze schließlich mit einer wahrlich atemberaubenden Variante des alten Nat King Cole-Stückes "Nature Boy", zu dem sie nicht nur hinter einem zweiten Drumkit-Platz nahm, sondern das sie auch nach allen Regeln der Kunst zerlegte und - eigentlich nur am Text erkennbar - nach völlig eigenen Vorstellungen wieder zusammensetzte. Solcherlei musikalischer Wagemut ist auf der Bühne wahrlich nicht oft zu finden.

Eingerahmt wurde das Ganze durch weitere ungewöhnliche Ideen, wie zum Beispiel den neuen Song "Closer" als geradlinige Soulballade aufzufassen oder aus "I Need Your Love" vom letzten Album einen funky-treibenden Club-Rausschmeißer zu machen. Leisten kann sich Trixie Whitley das schon alleine deswegen, weil sie seit ihrer letzten Tour als Sängerin immens gewachsen ist und ihre Vocals heutzutage auch variantenreich einzusetzen versteht. Das war nicht immer so und ist insbesondere für eine Künstlerin, die von sich selbst sagt, sich gar nicht als Sängerin zu sehen, schon bemerkenswert. Damit noch nicht genug: Mit "1000 Thieves" und "The Shack" gab es noch zwei ganz neue Tracks, die noch nicht mal eingespielt worden sind und bei dem Finale des Songs "New Frontiers" kippte dann in der allgemeinen Begeisterung für das eigene Tun sogar das Keyboard um und konnte gerade noch so aufgefangen werden. Die Show endete dann mit einer hinreißenden Version von "Breathe You In My Dreams", bei der Trixie (wie schon zuvor des Öfteren) die Gitarre zur Seite legte und sich ganz auf's Singen konzentrierte. Kurzum: Trixie Whitley zeigte an diesem Abend, was man als Musikerin eigentlich leisten kann, wenn man sich nicht um Konventionen oder das Erfüllen von Erwartungshaltungen (eigenen und deren anderer) bemüht. Das war schlicht ein perfekter Konzertabend für all jene, die bei Live-Shows eben nicht die tongetreue Reproduktion von Studioaufnahmen erwarten.

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Surfempfehlung:
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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