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Konzert-Bericht
 
Southern Star

Jason Isbell
John Moreland

Köln, Luxor
13.01.2016

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Jason Isbell
Was ist denn bloß passiert? Als Jason Isbell das letzte Mal mit seiner Band 400 Unit in Köln auftrat, reichte noch das kleine Blue Shell, um all seine Fans aufzunehmen. Nachdem er aber in den USA zu einem mittelprächtigen Superstar aufgestiegen ist (im Oktober spielte er an vier ausverkauften Abenden im Ryman-Auditorium in Nashville), war die Nachfrage bei uns immerhin so groß, dass das anstehende Konzert der Südstaatler in das viel größere Luxor verlegt werden musste. Auch wenn zahlreiche Holländer, Engländer und Amerikaner im Publikum waren, ist das schon eher erstaunlich, denn Isbell spielt konsequente Südstaaten-Americana - eine Musikrichtung, mit der sich insbesondere in Köln ansonsten eigentlich so gut wie nichts reißen lässt.
Auch Jasons Support Act, John Moreland, hätte eigentlich nicht der Magnet sein können, mit der sich die Massen anlocken lassen - gleichwohl die gepflegten Männerschmerz-Balladen des Herrn gut beim Publikum ankamen. Moreland ist ein junger Mann von der Größe eines mittleren Postleitzahlengebietes, der indes dann auch über eine entsprechend sonore Stimme verfügt. Der umfangreiche Herr verfolgte dabei selbst auch einen No-Nonsense-Ansatz: "Hallo, mein Name ist John Moreland und hier sind ein paar Songs", war das Einzige, das er - außer seinen Songs und einem Hinweis auf Isbell - von sich gab. Die präsentierten Americana-Balladen folgten musikalisch dabei den Klischees des Genres - was je nach Gemütslage als Vor- oder Nachteil aufzufassen ist. Rein formal machte Moreland jedenfalls weder etwas falsch noch sorgte er für musikalische Aufregung. Die eher melancholischen Tracks über verflossene Liebschaften und verpassten Gelegenheiten gipfelten dann schließlich sogar in der Aufforderung, ihm doch bitte das Herz zu brechen. Das war dann vielleicht doch ein wenig zu viel des Lamentos. Dramatisch hingegen der Abgang des Herrn, der sich "OKLA HOMA" auf seine acht Finger tätowiert hatte: Als er sich nämlich von dem Stuhl erhob, auf dem er das Set verbracht hatte, rutschte ihm die Hose herunter. Kaum auszudenken, was passiert wäre, wenn er diese nicht im letzten Moment noch zu greifen bekommen hätte...
Nach einer unnötig langen Wartepause betraten dann Isbell und seine Musikanten die Bühne. Die Sache ist dabei die: Auf seiner letzten Scheibe "Something More Than Free" lief der gewesene Drive By Trucker (der sich übrigens letztes Jahr bei einem gemeinsamen Live-Konzert mit seinem alten Kumpel Patterson Hood versöhnte) zu stilistischem und songwriterischem Hochformat auf und überraschte mit einer für seine Verhältnisse extrem vielseitigen, fast poppigen Songsammlung, wobei er bemerkenswert viele eingängige Hits in verschiedensten Schattierungen versammelt hatte. Gerne hätte man ein solches Programm nun auch live gesehen. Doch was machte der Mann? Er reihte - beginnend mit dem neuen Song "Palmetto Rose" - erst ein Mal vier Tracks aneinander, die einander so ähnlich waren, dass man als Zuhörer förmlich aufatmete, als dann mit "Declaration Day" ein Song auftauchte, der etwas anders angelegt war und auch einer gewissen eigenen Dynamik folgte.

Tatsächlich waren Isbell und 400 Unit immer dann am besten, wenn sie mit Dymamik und Tempo hantierten und sich auf Details im ansonsten eher streng sortierten, Mid-Tempo-Riff-Dschungel einließen. Insbesondere Keyboarder Derry DeBorja machte sich hier angenehm bemerkbar, da er mit seinen verschiedenen Sound-Settings für Variationen im ansonsten grundsätzlich geradlinigen Southern-Roots-Rock-Bild sorgte. Sogar ein modernes Mellotron hatte er hierfür mitgebracht. Wessen Geistes Kinder die Jungs waren, machten Isbell & Co. mehr als deutlich. Während es in den Songs des Mannes vor Südstaaten-Referenzen und -Ortsbezeichungen nur so wimmelte, machte er im breiten Slang zudem darauf aufmerksam, woher die Bandmitglieder und er stammten - und bat darum, mit dem Blitzen aufzuhören, weil doch alles so gut ausgeleuchtet sei (das war dann ein wenig übertrieben, denn das Ganze war in ein aufdringliches Rotlicht-Milieu getaucht).

Als Isbell im letzten Drittel bei "Cover Me Up" zur akustischen Gitarre griff, gab es eine weitere Auflockerung im Klangbild, die aber insofern nicht richtig ausgenutzt wurde als dass die Musiker der Reihe nach in den Song einstiegen und somit doch wieder das übliche Format angestrebt wurde. Am Ende gab es dann sogar noch einen eher unnötigen Ausflug in die Gewohnheiten der 70s, als sich Isbell und - der ansonsten diesbezüglich erfreulich zurückhaltend agierende - Gitarrist Sadler Vaden minutenlang duellierten. Das war am Ende dann zwar alles wirklich nicht schlecht und wurde auch vom Publikum begeistert aufgenommen - aber besonders aufregend gestaltete Isbell sein Programm durch das konsequente Aneinanderreihen ähnlich aufgebauter Tracks am Ende auch nicht. Ganz alleine durch eine andere Reihenfolge hätte Isbell das Programm vor der Eintönigkeit retten können. Was also blieb, war ein solides Americana-Set ohne große Überraschungen oder aufregende Momente, bei dem die Feinheiten, die Isbell auf der letzten Konserve zu bieten hatten, schlicht dem Standard-Format untergeordnet wurden. Ganz so, wie man es leider in diesem Genre allzuoft geboten bekommt. Was übrigens wieder zu der Frage führte, wieso der Zuspruch zu dieser Show so groß gewesen ist, denn Konzerte dieser Art (also im Americana-Rock-Setting) - die keineswegs besser oder schlechter sind - gib es schließlich tatsächlich wie Sand am Meer.

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Surfempfehlung:
www.jasonisbell.com
www.facebook.com/jasonisbellmusic
www.johnmoreland.net
www.facebook.com/johnmorelandOK
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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