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Popmusik, handgemacht

Joco

Wuppertal, Hutmacher @ Utopiastadt
28.01.2016

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Joco
Liest man die Fakten zu Joco, könnte man schnell auf die Idee kommen, das Damen-Duo sei am Reißbrett entstanden: Gleich das erste Album von Josepha und Cosima Carl wurde in den renommierten Abbey Road-Studios in London aufgenommen, wo einst The Beatles und Pink Floyd ihre berühmtesten Werke fabrizierten, veröffentlicht wurde es bei einem der größten Label der Welt, und in Kürze steht auch noch ein Auftritt beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest an. Doch ganz so, wie es scheint, ist es dann (zum Glück) doch nicht.
Bei ihrem Auftritt in Wuppertal präsentieren sich die beiden Schwestern aus Hamburg als erfreulich bodenständig und begeistern im rappelvollen Hutmacher nicht nur mit fantastischem Close-Harmony-Gesang, sondern spielen ihre im Spannungsfeld zwischen Hochglanz-Sound und Indie-Folk-Charme positionierten Popsongs von internationalem Format auch wirklich von Hand - ganz ohne den bei vielen ähnlichen Acts heute nicht mehr wegzudenkenden Laptop. Damit sind sie in der Location ihres ersten Gastspiels im Bergischen Land prima aufgehoben. Als Teil des Projekts Utopiastadt im früheren Bahnhof Wuppertal-Mirke zeigt die Bar in der alten Empfangshalle des ehemaligen Bundesbahngebäudes noch die Spuren des jahrzehntelangen Leerstandes, aber mit viel DIY-Enthusiasmus entsteht hier gerade ein feiner Treffpunkt und Auftrittsort im Herzen von Wuppertal.

Auch das Bühnenbild ist zwar eine Kreation der lokalen Veranstalter, doch die bunten Ballons und Lampions passen ganz ausgezeichnet zu Joco. Luftig leicht ist der Sound der beiden studierten Musikerinnen, die ihre Songs instrumental betont minimalistisch gestalten. Josepha gibt am Moe-Tucker-Standschlagzeug den modernen und ganz und gar nicht monotonen Beat vor, während Cosmia mit eleganten Piano-Tupfern das sinnliche klangliche Ambiente schafft, in dem die beiden stimmlich blind harmonieren können. Manchmal, wie beim Brit-folkigen Beginn des Titelstücks ihres Debütalbums "Horizon", brauchen sie sogar gar keine Instrumente und sorgen a cappella für Gänsehaut bei den Zuschauern in den ersten Reihen. Bisweilen verschmelzen ihre Stimmen sogar vollends, etwa, wenn sie beim großartigen "Sailors" auf den Spuren der melancholischsten 70er-Jahre-Momente der Beach Boys zu wandeln scheinen oder wenn beim Refrain von "Why Didn't I See" die fragenden "Whys" wie Seifenblasen durch die Luft tanzen und sie wie First Aid Kit auf der Pop-Überholspur klingen. Spaß macht das aber nicht nur den Zuschauern. Immer wieder strahlen sich die zwei während der Lieder an, als wollten sie sagen: "Wir sind gar nicht mal so schlecht, was?"

Auch zwischen den Songs geben sich Joco erfreulich unaffektiert, wenn sie, ohne sich dabei anzubiedern, mit dem Wuppertaler Publikum scherzen oder die Geschichten hinter ihren Songs preisgeben. So verraten sie zum Beispiel, dass "Bleeding" von einem Fahrradunfall Josephas mit dreifachem Kieferbruch handelt, der ihre ältere Schwester mindestens genauso mitnahm, "denn plötzlich konnte sie nicht mehr singen und wir machen das hier ja zu zweit!" Für die Nummer tauschen die zwei übrigens die Plätze - Josepha wechselt ans Klavier, während Cosima zur Akustikgitarre greift - und fordern alle Geschwister im Publikum auf, es ihnen gleichzutun... Ganz am Ende spielen die zwei dann auch noch ihren kommenden Eurovisions-Beitrag "Full Moon" und unterstreichen mit der rasanten Uptempo-Nummer, dass sie auch noch ganz andere Facetten zu bieten haben, als sie auf ihrem eher besinnlich gestimmten ersten Album andeuten. Die Zukunft kann kommen für Joco.

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Surfempfehlung:
www.jocomusic.com
facebook.com/jocomusic
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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