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Konzert-Bericht
 
Die düstere Romantikerin

Thalia Zedek

Köln, Gebäude 9
25.11.2001
Thalia Zedek
Thalia Zedek ist eine Frau, die mit einer solchen Selbstverständlichkeit in ihrer Musik aufgeht, daß ihr alles andere suspekt scheint. Das bei Kreativen auch oft vorhandene begeisterte Mitteilungsbedürfnis und der Hang zur Selbstdarstellung gehen ihr vollkommen ab. Sowohl was etwa ihre Pressearbeit betrifft, wie auch die wortkarge Präsentation der Stücke vor Publikum. Was also bleibt, ist die Musik - und diese dann reduziert auf's Wesentliche. Seit das Projekt Come - aus verschiedenen Gründen, aber nicht deshalb, weil man sich nicht mehr versteht - auf Eis gelegt ist, hat Thalia noch einmal einen Gang zurückgeschaltet. Wichtig - auch bei der Tour zur aktuellen Scheibe - war ihr hierbei, daß der Lärm-Faktor zurückgefahren wurde. "Kein Feedback", war hierbei das Credo.
Thalia Zedek
Und so machte es denn durchaus Sinn, als man eine spartanisch eingerichtete, schwarz verhangene Bühne vorfand: Ein Mikroständer, ein Drum-Kit und ein als Blumenständer umfunktionierte defekte Lautsprecherbox, auf dem ein kleiner Kofferverstärker stand - das war schon alles, was dem Auge geboten wurde. Thalia und ihre Musiker geben sich nicht mal ansatzweise die Mühe, so etwas wie Glamour zu versprühen: Thalia scheint überhaupt nur ein einziges Hemd zu besitzen und ihre Musiker liefen in verdreckter Arbeitskleidung herum. Irgendwie paßt dies aber auch zum Integritätsanspruch der Künstlerin: Bloß nicht mehr scheinen als sein. Ursprünglich hatte Thalia vorgehabt, mit der Keyboarderin auf Tour zu gehen, die auch auf der CD "Been Here & Gone" mitwirkte. Wohl auch aus Kostengründen trat sie indes im Trio-Format auf. Der wirklich feinsinnige, vielseitige Drummer Daniel Coughlin (ex-Come), der Willard Grant Conspiracy-Geiger David Curry und Thalia selbst stellten für die eher zerbrechlichen, spröden Balladen des aktuellen Albums dann auch die ideale Kombination dar. Zunächst mal gab es konzeptionelle Kunst: In einer Endlosschleife lief der Track "All The Pretty Horses" von Calexico vom Band und dazu - zeitlich versetzt - eine Feedback-Loop von David Curry's Effekt-Höllenmaschine (für Freaks: Ein Line 6 Multieffektgerät - zur Zeit der letzte Schrei unter Musikanten). Als dann die Band die Bühne betrat, hatten sich gerade mal 35 Getreue im schummrigen - aber ausnahmsweise mal gut geheizten - Auditorium des Gebäude 9 versammelt. Erfreulicherweise waren etwa 50% Frauen dabei - dennoch darf das nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieser Abend für Thalia eine happige Minusbilanz ausweisen dürfte.
Thalia Zedek
Dann gab es eine Lehrstunde zum Thema "Romantik & Düsternis" - welches ihre selbstbekundeten Lieblingsthemen sind, weil diese "so schön zusammenpassen". Das tun sie denn auch. Wie viele Künstler, die aus diesen und jenen Gründen auf einen Baß verzichten, so spielt auch Thalia hier eine besondere Gitarre: In diesem Fall eine schwedische Hagstrom. Da Thalia oft die tiefen Saiten zur Baßbegleitung nutzte - besonders deutlich bei rhythmisch stringenten Titeln, wie z.B. dem Leonard Cohen-Cover "Dance Me" - fiel es tatsächlich nicht auf, daß hier eigentlich etwas fehlte. Darüber hinaus blieb Thalia ihrem Versprechen treu: Kein Feedback. Was nun nicht heißen soll, daß der Vortrag kraftlos war - wenn es denn mal "Come-mäßig" lauter wurde, wie z.B. bei "Strong" kam die Sache halt druckvoll, aber eben nicht krachend herüber. Das hätte schon alleine Daniel Coughlin nicht zugelassen, der wirklich in den Stücken aufzugehen schien. Mit der Akzentuierung auf dem Hi-Hat - anstelle der Snare-Drum - und dem vielschichtigen rhythmischen Umspielen von Thalia's filigranen Gitarrenfiguren, hätte die Geschichte eh nicht zum Rock-Act getaugt. Das war indes keineswegs ein Nachteil - im Gegenteil - Thalia's chansonmäßiger Annäherung an das Material kam dieser Ansatz zu Gute. Und dann war da noch David Curry. Wer dessen Entwicklung an der Geige mitverfolgt hat - von den ersten "konzeptionellen" Versuchen bei der WGC bis hin zur einfühlsamen Begleitung bei diversen Projekten (z.B. eben auch Thalia), der muß attestieren, daß der stille Autodidakt sich mittlerweile einen ganz eigenen Stil erspielt hat. David's Stärke ist hierbei die Atmosphäre, nicht die Virtuosität. Gerade seine Neigung, eher die "molligen" Akzente zu betonen und auch gerne ins ambientmäßige abzudriften halfen, etwaige Arrangementslücken zu überbrücken. Neben den Stücken der neuen Scheibe gab es nur selten einmal Come und einige - obskure - Coverversionen. Neben dem Cohen-Track namentlich "1926" von der letzten Scheibe und "Tears Of Goodbye" - ein Samba-Stück aus dem Soundtrack eines brasilianischen Films. Das einzige, was man bemängeln möchte, war, daß Thalia auf diese Art des Vortrags irgendwie der Blues vollkommen abhanden gekommen war - nicht zuletzt deshalb, weil Chris Brokaw's Slide-Gitarre fehlte. Aber: Dieser Abend war etwas für ausgesprochene Musikliebhaber mit Sinn für's Detail und bot eine Möglichkeit, ein Stückchen weiter in das Zedek'sche Universum vorzudringen. Was auch nur so geht, denn mit ihrer Verweigerung, das eigene Schaffen durch wortgewaltige Erklärungen zu demystifizieren, hat Thalia Zedek selbst die besten Grundlagen dafür geschaffen, den Hörer zu animieren, sich selbst einzubringen.
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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