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Einfach existieren

Låpsley
Liss

Köln, Gebäude 9
21.03.2016

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Låpsley
Ein wahrlich beachtenswerter Coup ist Holly Låpsley Fletcher gelungen, indem sie mit ihrem ziemlich einzigartigen Mix aus Jazz, R'n'B-Elementen und E-Pop (in ziemlich genau dieser Reihenfolge) offensichtlich insbesondere auch Mädchen beeindrucken und anlocken kann. Jedenfalls bestand das Publikum im Kölner Gebäude 9 überwiegend aus einer weiblichen Klientel und einigen Pärchen - wobei dann recht deutlich wurde, wer hier die Entscheidung beeinflusst hat, das Konzert zu besuchen. Es wurde im Folgenden dann auch deutlich, was dabei Hollys Faszination für das weibliche Publikum ausmacht. Denn das scheinen weder die kunstvoll verwobenen organischen und elektronischen und zuweilen recht artifiziellen Bestandteile ihrer Musik zu sein, noch gar die Tatsache, dass sich nur wenige ihrer Nummern als Pop-Songs eignen, sondern eher die Geschichten ihrer Songs mit so aussagekräftigen Titeln wie "Burn", "Cliff", "Love Is Blind" oder "Hurt Me", die sie da auf der Bühne offensichtlich auslebt.
Die Show eröffnen durfte zunächst mal die junge Dänische Soul-New-Wave-Pop-Band Liss. Das Quartett um den sympathisch schüchternen Frontmann Sören Holm hatte sich für das Kölner Debüt einen fünften Mann am Soundcomputer mitgebracht, präsentierte sich aber vorwiegend als organischer R'n'B-Act - das allerdings in einem besonderen Stil; denn offensichtlich hatte man sich von der Ästhetik des 80er Jahre Fake-Funk-Pops inspirieren lassen und agierte demzufolge mit Digitalgitarren, Slap-Bass und mächtig viel Effekt-Wumms auf dem Drumkit. Dabei gefällt dann allerdings der sendungsbewusste Eifer, mit dem die jungen Herren erfolgreich den (eigentlich falschen) Eindruck vermitteln, diesen Stilmix selbst erfunden zu haben. Sören Holm croont sich dazu die Seele aus dem Leib und die Band überrascht immer wieder mit Disco-Einlagen oder Pop-Ansätzen sodass das Ganze - trotz der eigentlich spröden Ausgangslage - durchweg unterhaltsam bleibt.
Das ist dann auch das, was Liss mit Låpsley stilistisch verbindet. Denn Låpsley tastete sich mühevoll mit mehreren Singles und EPs, auf denen sie zunächst mal das musikalische Terrain absteckte, an das überraschend vielseitige Klangspektrum heran, mit dem sie dann auf ihrer soeben erschienenen Debüt-LP "Long Way Home" brillierte. Auf der aktuellen Headliner-Tour stand dabei alles im Zeichen der Elektronik. Sogar das Drumkit kommt dabei ohne organische Bestandteile aus (gleichwohl der Drummer dieses zuweilen geradezu freestylemäßig bejazzte) und auch Låpsleys Keyboard geht nicht als "richtiges" Piano durch. Das Bühnensetting wurde komplettiert durch ein beeindruckendes Rahmengerüst, in dem dreieckige Beleuchtungselemente für spacige Backdrops sorgten. Modisch leicht desorientiert in eine Art Jeans-Zelt gehüllt, das sie selbst als "etwas kurzes Kleid" interpretierte, konzentrierte sich Låpsley zu Beginn ganz auf den Gesang. Entweder mit geschlossenen Augen singend oder aber einen fiktiven Punkt am Horizont fixierend, trug sie ihre Songs eher konzentriert und unaufgeregt vor. Das tut sie allerdings mit einer bemerkenswert voluminösen Stimme, die in einem anderen Kontext für eine solide Karriere als Popstar durchaus geeignet erschiene.

Erst als sie sich für den Song "Painter" ans Keyboard setzte, wandte sie sich direkt an das Publikum. Hier erklärte sie denn auch - eher zufällig und weil sie die Gegebenheiten eines technischen Problems erläutern wollte - das Geheimnis ihres Ansatzes: Stücke wie z.B. "Painter" haben keine konventionelle Struktur aus Strophen und Refrains, sondern "existieren einfach". Inhaltlich beschäftigt sich Låpsley dabei mit den üblichen Beziehungsdramen - nutzt dabei aber offensichtlich ein Gimmick, das sie für sich entdeckte, um jeweils auch die männlichen Aspekte bei diesem Tun berücksichtigen zu können: Und zwar indem sie über einen Harmonizer singt, wodurch sich die Tonhöhe ihrer Stimme entsprechend verändert. Zum Glück setzte sie diesen Effekt aber eher zurückhaltend ein, so dass die Show hierdurch nicht dominiert wurde. Der Mix der musikalischen Elemente kommt dabei einerseits von ihrer klassischen Musikausbildung und andererseits von einer unbändigen Experimentierlust, die dann eben solche Effekte wie die Stimmhöhenänderungen gebiert. So kamen bei der Live-Show z.B. Disco-Elemente wie bei Låpsleys Lieblingssong "Operator" ebenso zum Tragen, wie gelegentliche Pop-Melodien à la "Love Is Blind", R'n'B-Grooves bei "Silverlake" oder die klassischen Jazzballaden vom Stile "8869" (dem einzigen Song, den Låpsley solo vortrug). Viele der Songs von Låpsley beschäftigen sich dabei mit dem Thema einer möglichen oder drohenden "Einsamkeit" - deswegen verwundert es auch nicht, dass sie sich den einem Ella Fitzgerald/Duke Ellington-Song entnommenen Titel "In My Solitude" auf den Arm tätowiert hat. Sie singt dann davon, wie sie mit dem Thema umgeht - bietet aber keine Lösungen an. Das ist dann wohl auch mit der Grund, warum sich die Damen so gut mit dem, was Låpsley vorträgt, identifizieren können - auch wenn sie selbst es nicht mag, dass man sie etwa gar als Songwriterin bezeichnet, weil sie sich eher als Klangkünstlerin und Produzentin versteht. Dass das Konzert nicht besonders lang sein würde, war ja angesichts des zur Verfügung stehenden Fundus zu erwarten gewesen und so wunderte es dann auch nicht, dass es nach etwas über einer Stunde mit "Seven Months", dem letzten Track, den Låpsley für ihr Album geschrieben hatte, zu Ende ging und es mit "Hurt Me" auch nur noch eine Zugabe gab.

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Surfempfehlung:
musiclapsley.com
www.facebook.com/LapsleyMusic
www.facebook.com/LISSLISSLISSLISSLISS/
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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