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Konzert-Bericht
 
Salat, Steak & Eiscreme

Wakey Wakey
Elizabeth & The Catapult/ Chris Cubeta

Köln, Luxor
22.03.2016

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Wakey Wakey
Man könne im Leben nicht nur von Salat leben, erklärte David Grubbs alias Wakey Wakey bei seinem Konzert im Kölner Luxor. Manchmal brauche man eben auch Steaks und Eiscreme - und seine Songs seien eben zuweilen Eiscreme. Überhaupt erklärte Grubbs so einiges. Unter anderem gab er so interessante Einblicke in das Prozedere eines Songwriters - der sich von diesem und jenem inspiriert, zuweilen selbst von seiner Musik gelenkt sieht und so zu ganz anderen Ergebnissen komme als den angestrebten. Das war insbesondere sicherlich für die blutjungen Fans von Interesse, die sich gespannt - aber mit einem respektvollen Abstand - vor dem Bühnenrand drängten und aufmerksam den unterhaltsamen Ausführungen ihres Helden folgten.
Bevor indes Grubbs hinter seinem Keyboard Platz nahm, eröffnete sein Kumpel und Produzent Chris Cubeta das Programm. Cubeta ist - neben seiner Tätigkeit als Gitarrist für Wakey Wakey auch in eigener Sache als Songwriter und Bandleader der Rockband Chris Cubeta And The Liars Club unterwegs. Das war dann auch ein wenig das Problem - denn die Tracks, die Chris hier auf durchaus sympathische Weise präsentierte, waren per se auch eindeutig als Rocknummern angelegt - was unter anderem auch durch Cubetas ungemein durchsetzungsfähigen, schneidend scharfen und sonoren Gesang deutlich wurde - und kamen deshalb (ohne Band-Füllmaterial) etwas spröde, monoton und undifferenziert rüber. "Ich habe noch keinen Rückflug“ scherzte Chris am Ende, "aber wenn ihr ca. 70 CDs kauft, dann kann ich mir den auch noch leisten.“ Das war dann natürlich Quatsch.

Ebenso wie vieles von dem, was Elizabeth Ziman alias Elizabeth & The Catapult danach verzapfte. Das hing aber damit zusammen, dass die klassisch ausgebildete Elizabeth mit ihrem musikalischen Alter Ego eh eine ziemlich spinnerte Richtung eingeschlagen hat. Die Dame aus Brooklyn hat auf diversen Labels in den USA mit ihrer Band (zu der zu Beginn auch die heutigen Lucius Musiker Dan Molad und Pete Laish gehörten) bereits einige CDs veröffentlicht - unter anderem auf dem renommierten Verve-Label. An diese Zeit denkt sie heute nur noch auf humoristische Weise zurück, etwa, wenn sie selbstironische "Happy Pop Songs“ schreibt, in denen sie sich darüber lustig macht, dass man den Wechsel ihres musikalischen Stils von einer poppigen in eine nachdenklichere Richtung nicht nachvollziehen wollte. Die Songs, die Elizabeth heutzutage schreibt, gehen aber keineswegs in eine depressive Richtung - was vor allen Dingen mit dem quirligen Humor der Dame zusammen hängt, die kaum einen Song ohne Kicher-Attacken über die Bühne bekommt. Elizabeth präsentierte ihr Material am Piano und auf der Gitarre (dann auch zusammen mit Chris Cubeta) und hatte dabei keine Mühe, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Sie freute sich sogar darüber, wenn ihr Vortrag durch Lachen aus dem Publikum unterbrochen wurde. Elizabeth kann allerdings auch ganz anders: So fabrizierte sie alleine mit ihrer Stimme und einem Sampler eine Coverversion von Leonard Cohens "Everybody Knows“, die man so gewiss auch noch nicht gehört hatte und ergänzte ihr Set mit einem weiteren - musikalisch ganz anders gepolten - Cover, und zwar "When My Time Has Come“ von der Americana-Truppe Dawes.

Das alles lag dann temperamentsmäßig schon mehr auf der Linie, die Grubbs und seine Musikanten im Folgenden einschlugen. Grubbs, der das Set auch gleich mit seinem Trademark-Song "War Sweater“ eröffnete, gilt ja gemeinhin und nicht zu unrecht als musikalische Wundertüte, der sich ständig neu aufstellt. Auf seinem aktuellen Album "Overactivist“ hat er sich für einen ziemlich zurückhaltenden Ansatz entschieden. "Wir wollten das Album so ehrlich wie möglich machen“, erklärte er, "und haben uns entschlossen, alles wegzulassen, was uns nicht essentiell nötig erschien.“ Das führte dann zu einem vergleichsweise asketischen Ansatz, den Wakey Wakey dann auch auf dieser Tournee implementierte. Mit Gitarre(n), Keyboard und den Beiträgen von Violinistin Sarah musste das Publikum dann schon auskommen. Das heißt: Nicht ganz - denn bei einigen Tracks spielte Chris Cubeta noch einige vorproduzierte Loops hinzu. Auf seiner Setlist standen dann zum Beispiel Anweisungen wie "Cruel You - Huge Loop at end, crank it!“ Das nahm er dann wohl zu wörtlich und haute die betreffende Loop beim Stimmen gleich noch mal rein. So etwas übergeht Grubbs dann aber mit einem nonchalanten Lächeln - denn bei Wakey Wakey-Konzerten steht weniger die musikalische Brillanz als der gute Rapport mit dem Publikum im Zentrum. Und der Spaß, den man zusammen haben kann. Und hier ließ es sich Grubbs nicht nehmen, munter drauflos zu plaudern, sich für seinen Erfolg via "One Tree Hill“ zu bedanken, mehrfach auf Deutsch nachzufragen, ob man denn "eine gute Seit“ habe, zu erläutern, wie man einen Song über das Auseinanderdriften schreibt, zuzugeben, dass seine Freundin und jetzige Frau den Titel "Clinton Street Girl“, den er eigens für sie geschrieben habe, nicht mochte, von seinem Leben im East Village zu erzählen und das komplexe Setting von "Irresistible“, dem "dümmsten Song, den er je geschrieben habe“ (und purer Eiscreme im o.a. Sinne), zu erläutern; wobei er die beiden Rollen in dem Song imaginär mit Bruno Mars und Rihanna besetzte, die er dann auch beide nachmachte; und überhaupt seinen Songs im allgemeinen Leben einzuhauchen, indem er offenlegte, warum und wann und wie er diese geschrieben habe.

Bei all dem steht stets und vor allem die Liebe im Vordergrund - jedoch wird dieses bei Grubbs nie zu einer wehmütigen Selbstreflektion und er singt auch nur im ironischen Sinne verpassten Gelegenheiten hinterher: Der Mann ist schlicht und einfach glücklich und lässt das die Zuhörer auch spüren - auch wenn seine Songs selbst zuweilen durchaus eine melancholische Note haben - die aber oft gerne von geradezu hymnischen Noten durchzogen werden - wie z.B. der Titeltrack von "Overactivist“. Hier griff Cubeta dann auch mal zur elektrischen Gitarre und dann wurde es sogar richtig laut. Meistens spielte sich das Ganze dann aber doch im balladesken Segment ab. Dabei mischte er natürlich auch ältere Songs in die Setlist und natürlich auch die One Tree Hill-Tracks durften nicht fehlen. Musikalisch bemühte sich das Trio erfolgreich, die variantenreichen Arrangements der Studioproduktionen (vor allen Dingen jene des "Salvation“-Albums) zu emulieren. Entweder mit Effekten auf den Gitarren (etwa um ein Harmonium zu simulieren, wie Grubbs erläuterte), durch entschlackte Streicherbeiträge, verschiedene Keyboard-Sounds oder einfach, indem Grubbs mal eine Strophe pfiff. Grubbs musikalische Wurzeln als Mitbegründer des Folkpop-Movements kommen heutzutage eigentlich nur noch durch die wortreichen, humorvollen Texte zum Vorschein - ansonsten hat er sich auch musikalisch recht komfortabel in der Nische als Alternativer Pop-Star eingerichtet. Vielleicht gerade deshalb war es recht angenehm, dass Grubbs seinen jungen Fans offenherzig so viele Details aus seinem Leben als Liedermacher offenbarte. So etwas wünschte man sich von manchem schweigsameren Kollegen auch ein Mal.

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Surfempfehlung:
wakeywakeymusic.com
elizabethandthecatapult.com
chriscubeta.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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