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Konzert-Bericht
 
Von der Pumpe zur Trompete

The Franklin Electric

Köln, Stadtgarten
29.03.2016

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The Franklin Electric
Noch im letzten Jahr beschwerte sich Ray Cokes auf dem Reeperbahn Festival bei Jon Matte - dem Gründer und Kopf des Projektes The Franklin Electric - darüber, dass seine Band, die am schwierigsten zu googelnde überhaupt sei. Denn bis dahin stand der Name Franklin Electric für eine Firma aus Indiana, die Unterwasser-Pumpen herstellte. Cokes machte sich dann einen Spaß daraus, Matte und Co. nach Drehzahlen, Volumen und Füllmengen zu fragen. Das hätte er sich in diesem Jahr dann sparen können, denn wer heutzutage nach The Franklin Electric sucht, der stößt unweigerlich auf die Band aus Montreal, die seither nämlich einen geradezu kometenhaften Aufstieg erlebte.
Der professionelle Re-Release des zunächst indiemäßig aufgelegten Debütalbums "This Is How I Let You Down" führte unter anderem auch dazu, dass die Band - nachdem sie zuvor als Support für Half Moon Run bereits auf unseren Bühnen unterwegs gewesen war - nun ihre erste Headliner Tour in unseren Breiten absolvieren konnte. "Bis jetzt läuft das großartig", freute sich Matte, als er sich erstmals hinter das eigens in Frankreich ausgeliehen Wurlitzer-Piano setzte - um dann zögernd inne zu halten. "Was rede ich eigentlich da - die Tour dauert ja gerade erst mal 20 Minuten: Trotzdem, diese waren großartig." Die Kommunikation mit dem Publikum lag Matte bei dem Konzert im Kölner Stadtgarten ebenso am Herzen wie die Demonstration seiner beeindruckenden Vielseitigkeit als Performer. Denn souverän wechselte der Mann zwischen Trompete, Keyboards, Akustik-Gitarre und Wurlitzer hin und her - ohne dabei auch nur einen einzigen Einsatz zu verpassen. Irgendwie schaffte er es auch noch (sofern das technisch möglich war) dabei auch gleichzeitig zu singen.
Dass es sich bei dem Projekt The Franklin Electric um eines der Sorte "Songwriter & seine Musikanten" handelt, machte Matte dabei stets deutlich, denn er sprach immer von "seinen Songs" und "seiner Scheibe", wenn es darum ging, die betreffenden Tracks anzusagen. Seine Musiker agierten demzufolge - zwar durchaus technisch beeindruckend und kompetent - eher im Hintergrund. Bassist Martin Desroby half dabei gelegentlich an den Keyboards aus, wenn Matte am Wurlitzer saß und Gitarrist Ken Pressé wagte sich zuweilen mit Ausfallschritten aus den Schatten hervor, wenn es darum ging, das eine oder andere Riff besonders zu betonen. Ansonsten gehörte das Spotlight aber ohne Wenn und Aber Jon Matte daselbst. Dabei machen The Franklin Electric als Band durchaus etwas her, denn es gehört schon einiges an Geschick dazu, die recht komplexen Kompositionen Mattes so punktgenau und gleichzeitig lebendig darzubieten, wie das hier zu erleben war. Dass für Improvisationen im eng gesteckten strukturellen Konzept der meisten Songs eigentlich kein Raum ist, war dann eigentlich klar. Dennoch kam die Sache an keiner Stelle steril oder steif daher. Das lag auch daran, dass Matte seine Jungs und das Publikum immer wieder selbst antrieb. Und schließlich, als er seine bekanntesten Nummern (die seltsamerweise aber dann durchaus auch effektiv am Ende des Sets platziert waren) anstimmte, ließ er es sich auch nicht nehmen, das Publikum selbst als Chor einzubinden, als er seinen Trademark-Song "Old Piano" intonierte. Da das recht gut klappte, schnappte er sich seine Trompete und begab sich ins Publikum, wo er dann - während alle brav den Refrain mitsummten - ein Solo spielte. Matte ist dabei kein Virtuose auf dem Instrument, aber wie er dieses im unüblichen Kontext mit seinen eigentlich nicht auf dieses ausgerichteten Songs einsetzt, ist dann schon beeindruckend, weil er hier immer genau das Richtige zu tun scheint - und die Sache keineswegs auf ein bloßes Gimmick reduziert. Das war dann jedenfalls großes Entertainment aus einer Ecke, aus der man es eigentlich gar nicht erwartet hätte - was dann umso schöner war.

Das Konzert beendete der Mann, der seine Songs auch gerne als gute Freunde bezeichnet, offiziell mit einer eher zurückhaltend inszenierten Version des Album-Titeltracks "This Is How I Let You Down" - was dann auch deutlich machte, wie sehr ihm gerade dieser Song am Herzen liegt. Insgesamt schafften es The Franklin Electric, die auf der CD oft bewusst relaxed und verspielt angelegten Folkpop-Prog-Songs des Meisters auf eine anregende, teilweise mitreißende und druckvolle, auf jeden Fall aber betont lebhafte Art zu präsentieren, die weit über den bloßen Reproduktionsgedanken hinaus ging. Das ist dann Live-Musik von der Sorte, wie man sie sich als Zuhörer auch wünscht.

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Surfempfehlung:
www.thefranklinelectric.com
www.facebook.com/THEFRANKLINELECTRIC
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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