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Konzert-Bericht
 
Menschliche Klimaanlage

Nada Surf
The Posies

Köln, Live Music Hall
04.04.2016

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Nada Surf
Es kommt ja nun wahrlich nicht so oft vor, dass Headliner und Support-Act auf einer gemeinsamen Tour dann auch musikalisch kompatibel sind. Im Falle von Nada Surf und den Posies war das allerdings durchaus der Fall, denn schließlich sind beide Bands durch gegenseitige Gastspiele auch menschlich verbunden (Ken Stringfellow sang z.B. die Backing-Vocals auf dem aktuellen Nada Surf-Album "You Know Who You Are" und Matthew Caws bedankte sich mit einem Gastauftritt auf einem von Kens Solo-Projekten). Vor allen Dingen aber sind beide Bands Veteranen des Power-Pop - die Posies sogar noch mehr als Nada Surf, denn wie sagte Ken Stringfellow zwischen den Tracks ganz richtig: "Wir haben auch in eurer Jugend schon existiert... und in unserer natürlich auch..."
Damit muss gleich auf den wesentlichen Unterschied der beiden Bands eingegangen werden. Dieser liegt weniger in dem Umstand begründet, dass die Posies momentan mit Drummer Frankie Siragusa als Trio unterwegs sind (nachdem nach Drummer Darius Mingwalla nun auch Bassist Joe Skyward verstorben ist) oder dass sie - dank Stringfellow - mächtig viele Keyboards und Synthies implementieren, sondern darin, dass das Durchschnittsalter des gewöhnlichen Posies-Fans deutlich höher ist, als das der Nada Surf-Gefolgschaft. Das machte sich zum Beispiel darin bemerkbar, dass gerade unter den jüngeren Nada-Fans eifrig diskutiert wurde, wer denn da nun als Support Act auf der Bühne stand. Genau genommen könnte man sogar sagen, dass die Musik der Posies heutzutage deutlich jünger ist, als die Musiker. Damit ist gemeint, dass die Posies demnächst ein neues Album namens "Solid States" veröffentlichen werden, dessen Material an diesem Abend bereits ausgiebig präsentiert wurde. Und hier toben sich Ken Stringfellow und Jon Auer in Gefilden aus, die sie zuvor musikalisch noch nicht beackert haben. Tatsächlich ist das dann die erste Posies-Scheibe, auf der es mehr Keyboards und Elektronik-Parts zu hören gibt, als Gitarren. Auf der Scheibe reicht das bis zu regelrechten Disco-Nummern und düsteren Joy Division-Hommagen. Ganz so schlimm wurde es bei dem Konzert dann nicht, zumal Stringfellow hier öfter selbst zur Gitarre griff, aber einen Eindruck vom experimentierfreudigen Setting gewann das Publikum dann durch Tracks wie das trefflich betitelte "We R Power", dem Opener der CD, mit der auch die Show angeblasen wurde - nachdem erste Startschwierigkeiten überwunden waren. Insgesamt war das Folgende dann sicherlich nicht die bestmögliche Posies-Show; nicht wegen des Songmaterials, das nach wie vor - und auch im Semi-E-Pop-Setting - über jeden Zweifel erhaben ist; sondern wegen des unausgeglichenen Sounddesigns. So lagen Ken und Jon immer mindestens einen halben Ton auseinander (und damit sind nicht die unterschiedlichen Stimmhöhen der beiden gemeint!) und insbesondere das Fehlen eines echten Basses machte sich - Synth-Bass, Pedale und Einspielungen hin oder her - durch ein unangenehm schroffes Klangbild bemerkbar und konnte auch durch Kens Aktionen mit einem Gitarrensynthesizer nicht ausgeglichen werden. Neben dem neuen Material gab es natürlich auch alte Gassenhauer wie "Solar Sister" oder "The Glitter Prize" zu hören - zu dem auch Jons Frau Tiz Aramini (mit der zusammen er das Duo-Projekt Dynamo Royale betreibt) zu einem Gesangseinsatz auf die Bühne geholt wurde. Das gelang allerdings erst, nachdem Jon und Tiz in einer aufwendigen Operation das Mikrofonkabel von einem widerspenstigen Ständer extrahiert hatte. Das Problem bei all dem war dann allerdings, dass das Publikum diese Songs dann gar nicht als Klassiker erkannte. Rein was die Spielfreude und den Enthusiasmus betraf, mit dem sich die Posies dem Material widmeten, gab es da allerdings trotz allem nix zu meckern.
In der Umbaupause waren Ken Stringfellow und Jon Auer dann am Merchandise-Stand anzutreffen, wo unter anderem auch das neue Album "Solid States" bereits erhältlich war. Auch Matthew Caws und Ira Elliott ließen es sich nicht nehmen, in der Pause noch nach draußen zu kommen, um sich mit alten und neuen Fans kurzzuschließen und für Fotos zur Verfügung zu stehen. Auch in dieser Beziehung zählen Nada Surfs sicherlich zu den pflegeleichtesten Bands. Als es dann endlich los ging, war sofort eines klar: Die Band brannte regelrecht darauf, insbesondere das Material der neuen Scheibe zu spielen. Gerade Nada Surf wird ja gerne vorgeworfen, dass sich insbesondere Matthew Caws als Songwriter oft selbst referenziere und selten danach trachte, etwas wirklich neues auszuprobieren. Das kann man dann so oder so sehen: Gerade im Live-Kontext führt das aber auch dazu, dass man sich als Fan auf Nada Surf im großen und ganzen blind verlassen kann, denn schließlich weiß man ungefähr, was man erwarten darf. Nun ist es so, dass gerade die neuen Songs - zumindest auf der Scheibe - gerade die Tugend der Selbstreferenzierung durchaus zu entsprechen scheinen. Deswegen erfreute es durchaus, dass die Band sich mit einer unglaublichen Energie an das neue Material heranmachte und der Sache einen besonderen Kick verlieh, indem es einfach doppelt so schnell und doppelt so laut gegeben wurde, wie auf der Konserve. Nun gut: "New Bird" konnte nicht wirklich doppelt so schnell gespielt werden wie auf der Konserve - weil es da schon eine Highspeed-Angelenheit ist; es ging dann beim Konzert aber sogar in Richtung Heavy Metal - wie auch der Titeltrack "You Know Who You Are". Mehr Sinn machte der o.a. Ansatz also bei Songs im Mid-Tempo Segment wie "Cold To See Clear" (das gleich zu Beginn gespielt wurde) oder "Friend Hospital". Sogar Bassist Daniel Lorca - der sich zuweilen auch darin gefällt, in den Schatten abseits vor sich herumzumunkeln - zeigte sich gut gelaunt und motiviert und beteiligte sich auch daran, das Publikum zu animieren etwa "Weightless" mitzusingen. Dass es es dabei wagte, die ganze Zeit den Glimmstengel im Mund zu halten (auch beim Singen - war also wahrscheinlich festgetackert), war dann fast schon wieder cool, denn bekanntlich gibt es ja auch bei uns ein Rauchverbot bei Veranstaltungen dieser Art (wenngleich es wohl nicht so konsequent implementiert wird, wie in NYC, wo die Band ja herkommt). Was das Animieren betrifft, schoss allerdings Matthew Caws den Vogel ab. Als Publikum ist man es ja mittlerweile gewohnt als Klatschvieh, Chorsklaven oder Teetanzmasse missbraucht zu werden. Nicht allerdings als Klimaanlage - das war dann schon neu. Um die Temperatur in der Halle in den Griff zu bekommen - so Caws - sei es notwendig, dass das Publikum bei dem folgenden Song "Animal" dann bitte einen zum Rhythmus passenden Ausfallschritt nach links und rechts einschlagen möchte, da auf diese Weise - durch die menschliche Klimaanlage - die Temperatur gesenkt werden könne. Das Seltsame war daran eigentlich nur, dass die Sache sogar funktionierte. Ein weiteres Highlight der Show waren dann die Gastauftritte von Ken Stringfellow, der von Matthew gleich für mehrere Tracks zur Unterstützung auf die Bühne gebeten wurde. Eine schöne Geste war dann noch, dass sich Caws bei Ken ausdrücklich für die Mitarbeit am neuen Album bedankte. Wo so viel Licht war, musste es dann auch ein wenig Schatten geben: Während die neuen Tracks also mit Verve und Schmackes dargeboten wurde, verloren sich die alten Gassenhauer wie "What Is Your Secret" oder auch "Jules & Jim" vom letzten Album eher in solider Routine. Die Stimmung freilich wurde dadurch keineswegs getrübt - zumal sich Nada Surf die echten Favoriten für das Ende der Show und die Zugaben aufgehoben hatten. Zusammengefasst lässt sich vielleicht sagen, dass man die Posies schon ein Mal in besserer Verfassung und Nada Surf in schlechterer erlebt hat, dass aber das Paket als Ganzes durchaus Sinn machte und zu einem letztlich angenehmen und erquicklichen Konzertabend geführt hatte.

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Surfempfehlung:
www.nadasurf.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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